»… dann ging es zipp zapp«

Radio-Journalist Wolfgang Bender ist ein »Germanist, der es geschafft hat«

Vom historischen zum mythischen Faust – und weiter zum Radio: So verlief, kurz gefasst, der bisherige Karriereweg des Journalisten Wolfgang Bender. Zehn Jahre hat er studiert, zehn Tage nach seinem Studienabschluss war er Volontär und wechselte danach schnurstracks zum Westdeutschen Rundfunk. So ging schließlich also doch alles »zipp zapp« für den (laut freiwilliger Selbstauskunft) »Dauerquassler« seit Schulzeiten. Welche Vorbereitungen auf dem Weg zum Radio-Journalisten sonst noch notwendig waren, verrät Bender in unserem Fragebogen für »Germanisten, die es geschafft haben«.

 

Unsere zwölf Fragen, beantwortet von Wolfgang Bender:

  1. Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach? Ich habe von 1995 bis 2005 studiert. Die meiste Zeit in Bonn, zwei Semester in Wien. Hauptfach war Germanistik bzw. Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Seit 2005 darf ich mich Magister Artium nennen.
  2. Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren? Am Anfang war es nur das Lesen. Dann kam die Neugierde dazu, hinter die Texte und Formulierungen zu schauen. Außerdem ließ meine Begabung vermuten, dass sich ein zahlenorientierter Beruf eher suboptimal auswirken würde.
  3. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht? Meine Magisterarbeit untersucht den Wandel vom historischen zum mythischen Faust anhand der Historia von D. Johann Fausten von 1587.
  4. Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt? Der Faust des ersten gedruckten Faustbuchs ist ein schaurig-dramatisches Negativexemplum vormoderner Welterfahrung. Der Teufelspakt, der eindrucksvoll die Persönlichkeitsänderung Fausts beschreibt, scheint nicht nur reine Fiktion des unbekannten Autors zu sein. Höchstwahrscheinlich nutzte er diverse Quellen für die Kompilation der Abenteuer und Schwänke. Einige davon basieren offenbar auf Briefauszügen, Urkundenvermerken und Handelsregisterauszügen.
  5. Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus? Sternstunden im grauen Studi-Alltag waren meistens Vorlesungen von Helmut J. Schneider. Besonders dann, wenn er vom Manuskript abwich und improvisierte. Von Klaus Göbel sprang außerdem der Funke über zur Begeisterung fürs Theater und die wissenschaftliche Untersuchung von Fernsehserien.
  6. Was war / ist Ihr Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre? Es ist Nichts als die Wahrheit, dass ich gerne Hinter die Kulissen schaue und darum jedem nur den Bohlenweg empfehlen kann. Als launige Kurzanleitung, wie man aus Sch … Geld macht. Wer sich außerdem die nötige Muße leisten kann, sollte nicht von dieser Welt gehen, ohne sie gemeinsam mit Daniel Kehlmann vermessen zu haben. Denn dieses Buch ist einfach anders als andere.
  7. Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben? Während des Studiums habe ich ein Praktikum beim Uniradio gemacht. Danach folgte ein Praktikum beim Lokalradio. Da habe ich das journalistische Laufen gelernt. Bis zum Studienabschluß war ich dann regelmäßig als freier Mitarbeiter beschäftigt. 10 Tage nach dem Magister begann mein Volontariat. Danach der direkte Wechsel zum WDR.
  8. Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden? Durch ein Netzwerk von Kontakten gab es zum richtigen Zeitpunkt immer den richtigen Ansprechpartner. Hinzu kamen glückliche Zufälle und Menschen, die mich gefördert haben (und immer noch fördern). Journalist werden wollte ich schon immer. Die Gelegenheit bot sich zwar erst spät, aber dann ging es zipp zapp.
  9. Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was? Beim Recherchieren sind Kenntnisse über Nachschlagewerke, Zettelkästen und Register sehr hilfreich. Argumentationsfähigkeit und ein Gefühl für Formulierungen sind gerade beim Schreiben fürs Hören Gold wert.
  10. Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)? Ein uneingeschränktes JA. Es hat Spaß gemacht – und das darf es auch einfach mal.
  11. Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht? Das Leben ist auch in Redaktionen bunt. Es gibt Agrarwissenschaftler, Anglisten, Biologen und Politikwissenschaftler. Aber auch diplomierte Technikjournalisten. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist ein Abschluß äußerst wichtig. Egal in welchem Fachbereich. Bei privaten Sendern kann man auch als Studienabbrecher Karriere machen.
  12. Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen? Die Frage ist: Wo willst Du hin? Und wie willst Du dahin? Ratschläge? Während des Studiums ein, zwei Praktika machen. Nicht erst hinterher. Und ganz wichtig: Auch wenn die Lust zum Studienende hin gegen Null tendiert, unbedingt noch den Abschluß durchziehen. Damit kann man bei Chefredakteuren und Studioleitern prima punkten.

 

Wolfgang BenderWolfgang Bender, geboren 1976 in Münster; Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und an der Universität Wien. Nach einem Praktikum bei Radio Euskirchen folgt 2003 freie Mitarbeit für Radio Euskirchen, Radio Rur und Radio NRW. Nach dem M.A. beginnt 2005 ein Hörfunk-Volontariat. 2007 dann der Wechsel zum WDR in Bonn und Aachen.

Foto: © Wolfgang Bender.

 

Wolfgang Bender ist unser 34. »Germanist, der es geschafft hat« – nämlich einen Beruf zu ergreifen. Seit 2006 geben ehemalige Germanistik-Studentinnen und -Studenten in unserem Fragebogen Auskunft über ihren Werdegang und über den Nutzen ihres literaturwissenschaftlichen Studiums. Vor Bender beantwortete zuletzt Lektorin Ditta Kloth die zwölf Fragen, weitere »Germanisten im Beruf« werden folgen!
 

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