»Eine der besten Entscheidungen seit Jahren«

Der Literaturnobelpreis 2010 geht an Mario Vargas Llosa

Jedes Jahr blicken Schriftsteller und Literaturbegeisterte aus aller Welt nach Stockholm, wo der mit rund einer Million Euro Preisgeld dotierte Literaturnobelpreis verliehen wird. Nicht selten ist die Entscheidung eigenwillig und politisch motiviert. Dieses Jahr jedoch wurde mit Mario Vargas Llosa ein Schriftsteller geehrt, dessen literarisches Werk schon seit Jahren in die Nähe des literarischen Kanons gerückt ist und der neben Gabriel García Márquez als wohl bekanntester lateinamerikanischer Schriftsteller genannt werden muss.

Ein literarisches Leben
Mario Vargas Llosa (Foto: © Daniele Devoti)
Mario Vargas Llosa im toskanischen Pietrasanta 2010 Foto: © Daniele Devoti

Llosa, geboren 1936 in Peru als Sohn eines Rundfunkjournalisten, kam schon früh in Kontakt mit der Literatur und der Politik seines Landes –zwei Pole, die sein Leben seither bestimmen. Schon vor seinem Schulabschluss brachte er sein erstes, in Vergessenheit geratenes, Theaterstück Die Flucht des Inka auf die Bühne. Dank des Stipendiums »Javier Prado« promovierte er 1959 im Alter von nur 23 Jahren an der Universität Complutense Madrid in Philosophie und Literatur. Seine erste preisgekrönte Erzählung Los jefes (Die Anführer) aus demselben Jahr zeigt dabei schon viele Aspekte seines späteren Œuvres: Sie spielt in Peru und mischt autobiographische Erlebnisse in einer Kadettenanstalt mit Kritik an antidemokratischen Machtstrukturen und allgegenwärtiger Gewaltbereitschaft. Sein erster Roman La ciudad y los perros (Die Stadt der Hunde, 1963) griff die Thematik auf und erlangte internationale Beachtung.

Zu Llosas wichtigsten Werken kann wohl La casa verde (Das grüne Haus, 1965) gerechnet werden. Dieser Roman über eine rückständige Amazonasregion mit Missionarsstation und Garnision verdichtet große Politik und menschliche Schicksale auf engstem Raum in realistischem Erzählstil und klarer Sprache. Er gilt als bedeutender Beitrag zur lateinamerikanischen Literatur und ist mit fünf parallel geführten Handlungssträngen und einem textuellen Geflecht aufeinander verweisender Motive zugleich Llosas komplexestes Werk.

Scheitern an der Politik

Neben Arbeiten für Zeitungen und Rundfunk engagierte sich Llosa in der peruanischen Politik. El pez en el agua (Der Fisch im Wasser, 1993) erzählt autobiographisch von Llosas Wandel vom linksorientierten Sozialisten zum antikommunistischen Marktwirtschaftler, ausgelöst durch die politisch begründete ‚intellektuelle Zensur‘ in Peru. Llosa selbst bewarb sich 1990 sogar für das peruanische Präsidentenamt, verlor aber knapp und kehrte seinem Heimatland und der Politik den Rücken. Seitdem arbeitet er als Professor für lateinamerikanische Literatur an US-amerikanischen und europäischen Universitäten. Wo der Literat Llosa triumphiert, scheiterte er als Politiker. Vielleicht ist das ganz gut so, denn so bleibt der Literatur ein großer Erzähler erhalten, der nun verdient mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde. Mit den Worten Marcel Reich-Ranickis: »Eine der besten Entscheidungen seit Jahren«.

 

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