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c/o pop conference 2005 (I)

c/o pop 2005

24.8.2005: Eröffnung

Ende August, es ist doch noch warm in Köln: die Pilger sind weitergezogen, nun macht sich die Medienmeute wieder breit. Faltige Männer mit schwarzen Brillen, junge Frauen mit Buttons an den Handtaschen - aha: Es ist c/o pop conference.

„Popkultur, Multimedia etc.“

Der Wegzug der Musikmesse PopKomm nach Berlin vor zwei Jahren hatte das mediale Image der Domstadt zunächst arg zerzaust. So steht die c/o pop als „Festival für elektronische Popkultur“ dafür, die Lücke zu füllen, mit dem Anspruch Popkultur in seiner Gänze zu reflektieren und mit der sogenannten c/o pop conference Fachleuten an zwei Tagen ein „Freestyle-Symposium“ zu bieten, in dem die aktuellen Strömungen der Popkultur auf engerem Rahmen verhandelt werden können. Aber stimmt schon, so ganz genau weiß man nicht, worum es geht. Das Presseheft verweist auch nur stilsicher auf „music, art und business“. Schlau wird man daraus jedenfalls nicht. Und auch die Eröffnungsveranstaltung bietet zunächst keine weiteren Anhaltspunkte, vom cross-medialen approach driftet der Blick zu Nebenschauplätzen. Handys, Lidschatten, Häppchen. Vielleicht kann der neue Kulturdezernent der Stadt weiterhelfen: Prof. Georg Quander ist für die Eröffnungsrede zuständig. Ganz wohl wird der „Mann der Klassik“ (so Moderator Ralf Niemczyk) sich nicht fühlen, die Sonne erhellt flüchtiges Desinteresse auf den Gesichtern, die Leute stehen und reden, Getränke sind frei. „Berlin...“ setzt der Dezernent an, bevor er pflichtschuldig auf seine neue Wirkungsstätte zu sprechen kommt: die Stadt Köln, eine solche Veranstaltung lebe vom „bürgerschaftlichen Engagement“ und außerdem – ein schwieriger Brückenschlag – sei die c/o pop einfach eine ausgezeichnete Plattform für elektronische Musik („innovative Ideen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“), denn immerhin gebe es 50 Plattenlabels in Köln. Mehr steht nicht auf seinem Zettel. Und die Leute stehen immer noch rum und reden. Prof. Quander begibt sich nun lieber auf bewährtes Terrain, die c/o pop stehe für „PPP“, also „public private partnership“, und genau das brauche eine Stadt wie Köln, denn schließlich und letztendlich sei damit auch ein wichtiger Beitrag zum „Imagefaktor“ Kölns geliefert. Schon am Standort der Festivalzentrale, des Panoramahauses auf dem rechten Rheinufer, zeige sich dann auch die Nähe zu weiteren Projekten dieser Art, zum Beispiel des 50-jährigen Jubiläums der Bundesgartenschau 2007. Kein höhnisches Lachen auf Seiten der Zuhörer, vielleicht weil alle gerade Besseres zu tun haben, vielleicht weil sich alle für die „Zukunft“ halten – so endet der Kulturdezernent.

Panoramahaus c/o pop 2004 (Foto: Philipp Reuth, c/o pop)

„Wichtig ist auch der Inhalt“

Auftritt Emil Schult, Maler, Mitbegründer der Gruppe Kraftwerk. Quasi der Mann aus der Ursuppe, der Mann aus dem analogen Zeitalter. Bis vor einer Woche, gesteht er gleich zu Beginn seiner kurzen Rede, habe er nichts von der Existenz der c/o pop gewusst, doch sei eine solche Veranstaltung wichtig, denn die Bedeutung von elektronischer Musik stehe in direktem Bezug zur Ernsthaftigkeit von klassischer Musik, Rock 'n' Roll müsse sich an Elektro messen, nicht umgekehrt. Es verspricht also spannend zu werden, endlich einer, der erklärt, was Sache ist. Doch nein: Auch hier keine Programmatik, keine Diskussion, so Emil Schult weiter: die Förderung elektronischer Musik, sei schließlich nicht zuletzt auch vom Kölner WDR mit der Unterstützung von Komponisten wie Herbert Eimert und Karl-Heinz Stockhausen betrieben worden, da habe der WDR sich als richtungsweisend gezeigt. (Anmerkung: Stimmt - vor mehr als 30 Jahren.) Aber auch die Industrie, große Computerunternehmen, müssten ihre Verantwortung in dem Bereich erkennen, damit es gelänge, „eigenständige Bastler“ heranzuzüchten statt immer mehr Unterhaltungsklone satt. Zum Schluss seiner knappen Ansprache schlägt Schult einen großen Bogen: Bei alledem gehe es so oder so letzten Endes um die Verbesserung des Menschen.

„Noch ne Viertelstunde open bar“

Kein Pamphlet, keine Zustandsbeschreibung, keine Aufbruchstimmung. Selbst der Moderator entlockt kein Statement mit „News-Charakter“ dem Munde des Geschäftsführers. Daher Ende des offiziellen Teils, Medienmenschen machen auf Osmose zwischen „Synthesizerpark“ und Fotoausstellung, es gibt Bier und ansonsten nicht viel zu tun. Und während der taz- und der Stadt Revue-Stand vor dem Panoramahaus („Was machst Du'n hier?“ - „Promo!“) auf Synergieeffekte hoffen, wird es dunkel über Köln. Gleich fängt die Party an. „Unterhaltung als Haltung“ steht für den zweiten Tag auf dem Programm. [Weiter geht's im II. Teil.]

 

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