»Ich will positive Emotionen beim Zuschauer auslösen«

Ein Interview mit dem Theaterregisseur Jan Stephan Schmieding

In der Spielzeit 2009/2010 gab Jan Stephan Schmieding (geb. 1975) in der Bonner Werkstattbühne sein erfolgreiches Regiedebut mit Fritz Katers »HEAVEN (zu tristan)«. Zuvor hospitierte er nach seinem Studium der englischen Literatur, Politikwissenschaften und Geschichte in Bonn am Theater an der Ruhr in Mülheim. Von dort wechselte er als Regieassistent ans Schauspielhaus Zürich, inszenierte und arbeitete weiterhin in Bern, Wien und Salzburg. In der nächsten Saison wird er mit Sophokles‘ »Antigone« einen klassischen Text auf die Bühne bringen. Mit der Kritischen Ausgabe sprach Schmieding über die Schwierigkeiten, denen junge Regisseure mit Ambitionen ausgesetzt sind, über die (finanzielle) Lage am deutschen Theater und wie und warum es im sich wandelnden gesellschaftlichen Umfeld neue Formen und mehr Wagemut entwickeln muß.

Kritische Ausgabe (K.A.): Warum arbeitest Du jetzt wieder in Bonn?

Jan Stephan Schmieding (J.S.S.): Der Grund war zuerst ein ganz pragmatischer: Nämlich daß ich für eine eigenständige Regiearbeit ein Engagement am Theater Bonn bekommen habe. Was mich natürlich tatsächlich gefreut hat, weil es eine Art Heimspiel zur Premiere in Deutschland war. Was sich auch direkt in der nächsten Spielzeit mit meiner Inszenierung von »Antigone« fortsetzt. Also irgendwas will die Region von mir oder ich von ihr, keine Ahnung. Ich finde das sehr, sehr schön, ich freue mich wahnsinnig, daß ich hier am Stadttheater arbeiten kann. Und da mir diese Region sehr vertraut ist und ich sehr viele Leute hier sehr mag, kann ich mir auch sehr gut vorstellen, daß es mittelfristig wieder die erste Adresse in meinem Leben sein wird.

K.A.: Du bekamst also einen Ruf vom Stadttheater Bonn?

J.S.S.: Ja, ich bekam einen Ruf. Der Intendant des Theaters hatte sich eine Vorstellung meiner Inszenierung im Züricher Schauspielhaus angeschaut – und sich dazu sehr positiv geäußert. Es ist am Theater tatsächlich so, man wartet oft sehr lange. Und wenn man mal gerufen wird, sollte man auch kommen. Es scheint so zu sein, als wenn in diesem Bereich Initiativbewerbungen gar nichts nützen, sondern man muß einfach eine Masse Geduld haben und durchhalten, solange denn noch etwas zu Essen auf dem Tisch steht. Es ist schon kraß, daß man darauf angewiesen ist, daß Leute Arbeiten von einem sehen und einen wollen, und daß alle schriftlichen Einladungen oder DVDs etc. dagegen eigentlich nichts bringen. Man muß davon ausgehen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß – wie in meinem Fall – ein Intendant aus Bonn 600 Kilometer nach Zürich fliegt, um sich die Arbeit eines Regieassistenten anzuschauen. Das war allerdings nicht reines Glück, sondern der Zufall wollte es, daß einer der Schauspieler in jener Produktion nach der Premiere den Bonner Intendanten angerufen hat, mit dem er zur Schule gegangen ist. Sonst wäre dies nicht zustande gekommen, und wer weiß, ob ich dann noch am Theater arbeiten würde.

K.A.: Worauf führst Du das scheinbare Desinteresse seitens der Theaterleitungen zurück oder nimmt die Neugierde ab?

J.S.S.: Ich führe das auf eine Übersättigung und chronischen Zeitmangel insbesondere in der Dramaturgie und Intendanz zurück. Aber ich meine ja, wenn man Interesse an einer Person und ihrer Arbeit hat – da geht es mir mit befreundeten Schauspielern und Regisseuren nicht anders – sollte man sich die Mühe machen. Die Neugierde nimmt ab, oder gab es die überhaupt? Das wage ich immer etwas zu bezweifeln, weil die Neugierde oft die Neugierde an sich selbst ist. Aber es ist vielleicht auch in so einem künstlerischen Tätigkeitsfeld so, daß man sich da für seine künstlerischen Äußerungen mehr interessiert als für die potentieller Konkurrenten.

K.A.: Welche Erfahrungen hast Du mit Deiner ersten Inszenierung »HEAVEN (zu tristan)« am Theater Bonn gemacht?

J.S.S.: Ich hatte in Bonn bei der Probenarbeit und bei der Vorbereitung eine sehr, sehr gute Zeit unter den vorhandenen Rahmenbedingungen. Die sind ja bei der Werkstattbühne sehr klar umrissen. Man hat ein sehr geringes Bühnenbildbudget und wenig Personal zur Verfügung, um die Bühne aufzubauen. Das äußert sich schon darin, daß im Arbeitsvertrag steht, die Bühne muß in 90 Minuten von zwei Leuten aufbaubar sein – was die Kreativität herausfordert. Wenn es länger dauert, macht das allerdings auch nichts, denn das leistet dieses wunderbare Werkstattteam sehr gut. Ich fand vor allem die Zusammenarbeit mit dem Ensemble sehr erfreulich. Die Zusammenstellung und das qualitative Niveau ist sehr gut für eine Mittelstadt wie Bonn. Ich war überrascht, daß sich die Schauspieler auf einen sperrigen Text so eingelassen haben. Sie haben sich wahrscheinlich viel lockerer darauf eingestellt und waren weniger kompliziert als ich das vom Schauspielhaus Zürich gewohnt war. Es war eine sehr, sehr schöne Zusammenarbeit – sehr engagierte Leute, und gerade den jungen Teil des Ensembles empfand ich als sehr beeindruckend. Die machen es sehr gut.

K.A.: Was siehst Du als verbesserungswürdig in der Arbeit am Theater Bonn an?

J.S.S.: Es sind gewisse Rahmenbedingungen, die der Werkstattbühne zuzuschreiben sind, die nicht so optimal waren. Die Videotechnik ist da äußerst dürftig – da hat jeder Hobbycineast mittlerweile einen besseren Beamer zuhause als die in der Werkstattbühne. Ich war zwischendurch geneigt, zu Aldi zu fahren, um zwei Beamer auf eigene Kosten zu kaufen, weil man sich das grauselige Bild nicht anschauen wollte. Aber auch die Videobearbeitung über den dortigen Rechner ist hoffnungslos. Es wird einfach in diese Spielstätte nicht investiert, es wird mit Minipersonalaufwand betrieben. Doch dafür machen sie es hervorragend. Dem Personal ist gar kein Vorwurf zu machen. Es gibt technische Grenzen, die der Raum schon lange erreicht hat. Da ist man schnell am Ende der Fahnenstange oder es sehen sich Produktionen doch ziemlich ähnlich, da ist die ziemlich niedrige Decke ziemlich schnell erreicht.

K.A.: Ist denn »HEAVEN (zu tristan)« für eine westdeutsche Stadt das geeignete Stück? J.S.S.: Der Text von Fritz Kater ist gerade für eine sehr bürgerliche und tief im Westen liegende Stadt wie Bonn eine Kost, die nicht so leicht runtergeht und die vielleicht auch nur ein Nischenpublikum interessiert. Der kryptische Titel des Stücks läßt die Neugier vielleicht grundsätzlich nicht groß sein. Es spielt tief im Osten, in Bitterfeld und Wolfen, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall. Aber ich finde, das Stück hat eine Menge thematischer Aspekte, die völlig unabhängig von der Geographie sind: Es sind die Zusammenhänge des Zusammenlebens in einer fast schon postindustriellen Gesellschaft, der Mangel an Arbeitsplätzen, mit der Auflösung von Familienstrukturen, mit der Auflösung von sozialen Strukturen. Das hat nicht nur etwas mit der Auflösungsgeschichte der DDR zu tun. Natürlich auch, denn es prägt gewisse Dinge massiv, aber mich hat da der Text in einem weiteren Rahmen angesprochen als nur, Zeitgeschichte auf die Bühne zu bringen.

K.A.: Hat Dich dabei zusätzlich gereizt, Prozesse, die hier ähnlich ablaufen, mit einem scheinbar spiegelnden Text dem hiesigen Publikum vorzuführen?

J.S.S.: Ich wollte Zusammenhänge, die ortsgebunden durchaus Wurzeln haben, übertragen, ohne daß ich es allzu stark in einem Ort festlegen wollte, der auch vom Strukturwandel betroffen ist. Außerdem wollte ich die Folie Osten nicht komplett verlieren. Man darf schon den Hinweis darauf bringen, warum es so starke Verlustgefühle und soziale Verlorenheit in diesen Regionen gibt. Das wird bei uns im Westen immer so schnell mit Ostalgie oder dem angeblichen Wunsch verbunden, Honecker solle zurückkehren, was aber gar nicht der Fall ist. Da sind ganz viele, ganz basale Dinge verlorengegangen, die für ein Zusammenleben in Familie oder Beziehung so wichtig sind, daß damit die Überlebensfähigkeit in Frage gestellt wird. Das hat nichts mit Gejammer zu tun, und das Stück ist auch überhaupt nicht larmoyant oder nostalgisch, sondern es zeigt einfach auf, welche Dinge für ein gedeihliches Zusammenleben und für Beziehungen notwendig sind.

K.A.: Als junger Regisseur entwickelst Du einen inszenatorischen Stil. Wie würdest Du den beschreiben?

J.S.S.: Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, da viele Dinge doch eher unterbewußt passieren. Zum Beispiel bei der Vorstellung von Raum oder Bühne: Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, daß es eine gewisse Ästhetik bedient. Ich wußte aber nicht genau, warum ich immer wieder auf diesen Bereich komme. Warum ich auf äußere Kennzeichen Rücksicht oder Wert lege. Vom Grundansatz des Regieführens bin ich Literaturwissenschaftler genug, um erst mal vom Text zu kommen und mir liegt Textarbeit und genaue Exegese sehr, sehr am Herzen. Ich versuche, die Möglichkeiten des Textes sehr genau auszuloten. Ich finde es interessant und häufiger auch eher schwierig, im Theater auch über große Theaterbilder zu erzählen. Das ist etwas, was ich bei meinem ersten Theaterlehrer Roberto Ciulli in Mühlheim sehr geschätzt habe, daß er auch in sehr knalligen Farben, mit viel Improvisation doch häufig zu sehr krassen, großen Theaterbildern gekommen ist. Sehr verspielt, manchmal auch zu verspielt. Mich interessiert und mich reizt es, etwas zu schaffen, was auch emotional aufgeladen ist und konstruktive Emotionen beim Zuschauer auslöst. Ein Theater empfinde ich als einen starken Zugewinn, wenn es jemanden an Ecken packt, an denen man es nicht erwartet hat.

K.A.: In der nächsten Spielzeit wirst Du am Bonner Theater »Antigone« inszenieren. Was wird uns erwarten?

J.S.S.: Es ist eine ziemlich spannende und schwierige Aufgabe. Ich weiß nicht, ob es stimmt, doch es heißt, es wäre das meistgespielte Stück der westlichen Hemisphäre. Ich hoffe, daß ich es inszenieren kann, ohne auf einschränkende Modernismen und Modernisierungen zurückgreifen zu müssen. Ich möchte einen Konflikt darstellen, der modern und archaisch zugleich ist. Der nicht dargestellt werden muß durch einen Herrscher Kreon, der auch Stalin heißen könnte, und nicht durch eine Antigone, die auch Ulrike Meinhof ist. Diese Art von Modernisierungen mag ich bei Arbeiten mit Klassikern nicht gerne. Es darf aber modern sein, es soll auch modern sein. Es soll in den angesprochenen Problematiken, auch in der gezeigten Familie, nach den ganzen Geschehnissen um Ödipus herum Leute berühren. Es soll nicht etwas sein, was man sich mit einem musealen Schaukasten vorstellt.

K.A.: Welche Konflikte wirst Du dann noch herausstellen können?

J.S.S.: Natürlich wird da gestritten über Staatsrecht oder Familienrecht oder Religion. Natürlich kann man das nicht ausblenden. Aber es wird kein so starker Konflikt werden, daß man religiöse Eiferer auf der einen Seite und Realpolitiker auf der anderen Seite sehen wird. Wenn allerdings Assoziationen dazu entstehen, dann kann das durchaus sein. Mein Interesse liegt da vor allen in der Konstellation in dieser Restfamilie, basierend auf diesem unglaublichen Mythos. Eine Geschichte also, die so einfach ist, daß sie auch nach der Schullektüre irgendwo haftenbleibt. Zumindest weiß man etwas über die Nichtbeerdigung des Bruders und über den Konflikt zwischen Antigone und Kreon. Es ist eine Reise, die ich mit sechs Schauspielern unternehme, die dann zwischendurch auch Choraufgaben übernehmen. Gerade bei solchen Klassikern wäre es auch schade, zu versuchen, alles vorher festzulegen. Vielleicht kommt man da im Arbeitsprozess auf Themen, auf die man zu Hause am Schreibtisch oder in der Diskussion mit der Bühnenbildnerin nicht kommt.

K.A.: Gibt es neue Ideen und neue selbstgesteckte Ziele?

J.S.S.: Mich interessiert nicht nur die Arbeit an Inszenierungen und an Texten, die für mich oder den Spielplan relevant sind, sondern ich finde auch Programmierungen spannend. Entscheidungen also darüber, was an welchem Spielort in welcher Konstellation wie gespielt wird. Das ist eine sehr schöne Aufgabe. Wie mit der szenischen Lesung »Der goldene Drache« möchte ich einem Publikum, das sehr klassikerorientiert ist, neue Stücke in anderen Formen, wie eben Lesungen, in einer Reihe näherbringen. Es gibt so viele Text, die ich schön finde und geeignet, um sie auf diese Art und Weise zu präsentieren. Da kann man ruhig mehr machen und mutiger sein.

K.A.: Wie siehst Du das Verhältnis zwischen Theater und seiner Außenwelt?

J.S.S.: Die Forderung ist ein wichtiger Punkt, daß das Theater mitten in seine Stadt gehört, daß es Themen aufgreifen muß, die die Stadt betreffen. Das ist in Bonn mit dem Stück »Zwei Welten« über die Situation in Bad Godesberg gemacht worden. Es hat eine große Berechtigung im Spielplan, das man solche Projekte macht und mit Theater in die Stadt geht und nicht darauf wartet, daß die Leute zu einem kommen. Das kann sicherlich noch stärker gemacht werden. Das Theater ist gerade in einer sehr passiven oder defensiven Situation durch die Streichungen und Drohungen von Schließungen. Man hat den Eindruck, man muß sich immer selbst rechtfertigen dafür, was man tut, und daß man eine gesellschaftliche aber auch eine künstlerische Aufgabe hat, die sich nur subventioniert realisieren läßt. Es gibt etwas zu verteidigen, aber wir sind auch gerade in einer unglaublichen Verteidigungsposition und Rechtfertigungsdebatte.

K.A.: Muß das Theater nicht raus auf die Straße, genau dahin, wo die Menschen sind, die nicht mehr ins Theater gehen?

J.S.S.: Ja, das ist sicherlich richtig. Ich weiß nicht, ob Zuschauerumfragen bei »Zwei Welten« erhoben wurden, doch ich denke, dort wurde so ein Projekt gemacht. Da wurden Interviews mit Betroffenen in Bad Godesberg geführt, und die wurden dann nicht ungefiltert, sondern durch Schauspieler umgesetzt. Das kann so ein Projekt sein und es kann sicher noch mehr davon geben. Wenn man es schafft, bei den Leuten das Bedürfnis zu wecken, ins Theater zu gehen, dann wird auch die Identifikation mit dem Haus und mit dem, was da gezeigt wird, größer. Daher darf man das Programm nicht einschränken, sondern muß es eigentlich erweitern. Man muß solche Projekte machen wie »Zwei Welten« oder auch Theater in der Stadt, wenn auch nicht unbedingt Straßentheater. Es gehört schon zum Selbstbewußtsein einer Region, daß gesagt wird, unser Theater identifiziert sich mit uns wie wir mit ihm.

K.A.: Anläßlich von »Zwei Welten« wurde debattiert, ob das Theater gesellschaftliche Prozesse als abgeschlossene Prozesse als zementiert annehmen und es den Leuten vorsetzt darf.

J.S.S.: Aber diese Konfrontation bringt solche Diskussionen erst mal in Gang und damit hat es ja alles richtig gemacht. Über »Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen« von Karin Baier in Köln kann man etwas Ähnliches sagen. Hinter Glasscheiben in Containern kann der Zuschauer am Leben eines Teils von Unterschicht teilnehmen. Die Konfrontation oder die Provokation ist ja nicht billig. Es ist ja nicht so, wir nehmen einfach das schwächste Glied der Kette und hauen darauf rum. Das ist ja nicht so gemeint. Es ist auf die Frage gemünzt, welche Abläufe sind da? Was ist da gefährlich oder typisch, unabhängig von der Schicht, die man betrachtet? Es macht den Blick frei für Zustände in einer Welt, in der Arbeit nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht. Es fordert eher auf, darüber nachzudenken, wie in der heutigen Welt mit dem Mangel am Gut Arbeit oder wie mit sozialen Hilfsmitteln umzugehen ist, einer Welt, in der zu viel Zeit zur Verfügung steht und ausgefüllt wird mit Ablenkungstätigkeiten. Wo man das Gefühl hat, da wird Zeit auch auf eine Weise vernichtet. Man nimmt darin teil und ist auf eine positive Weise provoziert.

K.A.: Wie vergleichst Du mit Deinen Erfahrungen die Qualität der Theaterförderung hierzulande?

J.S.S.: In den letzten vier Jahren, die ich in der Schweiz war, sieht man, welche finanziellen Möglichkeiten da auch freien Projekten zur Verfügung stehen. Das ist schon enorm. Davon sind wir hier weit weg. Auch da gibt es Bewerbungskriterien und -entscheidungen, ob das förderungswürdig ist oder nicht. Und da braucht es auch einen starken lokalen, städtischen oder schweizerischer Bezug oder zumindest drei Schweizer Schauspieler, um an solche Gelder heranzukommen. Aber da steht es jedem frei, sich auf Projekte zu bewerben, und dann wird einfach entschieden und zwar jeder Antrag für sich und nicht nach dem Gießkannenprinzip geschaut, wer nicht vertrocknen darf, wodurch neue Sachen einfach nicht gefördert werden können. Es gibt natürlich auch hier Foren für eigene Konzepte; es gibt in Deutschland Wettbewerbe, für die man für gewisse Themen Konzepte einreichen kann, die man dann mit sehr geringen Mitteln umsetzen muß und die dann auch an mehreren Stätten gezeigt werden. K.A.: Grundsätzlich würdest Du die Grenze zwischen freier Szene und Stadttheater also nicht mehr so scharf ziehen?

J.S.S.: So scharf jedenfalls nicht mehr. Es gibt ja immer wieder einzelne Projekte, die versuchen, diese Grenze zu durchbrechen, aber es gibt sie schon noch. Aber auch jetzt geht es wieder in der Diskussion über die finanziellen Bemessungen durch die Stadt Bonn darum, wer muß eigentlich sparen, mehr oder weniger. Da kann man ganz schnell in eine gefährliche Anti-Haltung kommen: die freie Szene gegen den Rest der Welt. Das ist sicherlich auch nicht sinnvoll, aber es existiert zugleich eine friedliche Koexistenz, die sich auch mal gegenseitig bereichert. Ich hatte in meinem Heaven-Ensemble zwei Schauspieler vom fringe ensemble, die lange gewohnt sind, auf beiden Seiten zu arbeiten und sich einzubringen. In »HEAVEN« konnte das konzeptionell nicht so stark sein wie das in »Zwei Welten« ist. Es ist trotzdem schön zu sehen, dass es eine Kooperation und einen Austausch gibt, selbst wenn der ‚nur‘ darin besteht, daß man merkt, welcher Mittel sich die eine und die andere Seite bedienen. Wenn es so zusammengeht, ist das wunderbar. Das Gespräch mit Jan Stephan Schmieding führte Andreas Jüngling.

 

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