»Ick bün al dor!«

Den Wert der Literatur hat Lektoratsassistentin Barbara Wermann bereits früh kennen gelernt. Bereits früh wusste sie auch, dass sie ihr beruflicher Weg am liebsten zu einem Schulbuchverlag führen sollte. Nach dem Studium der Germanistik in Bonn und einem einjährigen Verlagsvolontariat in Köln bewarb sie sich – und kann, nach ihrem Wunscharbeitsplatz gefragt, nun zu Recht antworten: »Ick bün al dor!« …Den Wert der Literatur hat Lektoratsassistentin Barbara Wermann bereits früh kennen gelernt. Bereits früh wusste sie auch, dass sie ihr beruflicher Weg am liebsten zu einem Schulbuchverlag führen sollte. Nach dem Studium der Germanistik in Bonn und einem einjährigen Verlagsvolontariat in Köln bewarb sie sich – und kann, nach ihrem Wunscharbeitsplatz gefragt, nun zu Recht antworten: »Ick bün al dor!« (Auch wenn’s dort wohl eher klingt wie: »I bin scho do.«) In ihren Antworten zu unserem Germanisten-Fragebogen legt sie dar, wie sie diesen Weg ganz ohne Tricks und doppelten Boden so schnell zurücklegen konnte.

 

Unsere zwölf Fragen, beantwortet von Barbara Wermann:

  1. Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach? Nachdem ich als Erzieherin gearbeitet und auf dem Zweiten Bildungsweg meine Hochschulreife erworben hatte, habe ich in Bonn mein Magisterstudium (Neuere/Ältere Germanistik, Soziologie) im WS 2000 begonnen und im Herbst 2006 abgeschlossen. Zusätzlich habe ich DaF (Deutsch als Fremdsprache) studiert.
  2. Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren? Bereits während meiner früheren Tätigkeit wusste ich, dass mir Literatur und Sprache so viel bedeutet, dass ich sie eines Tages zu meinem Beruf machen würde. Grundstein hierfür war sicher, den Wert von Literatur bereits in meiner Kindheit durch Romane von Erich Kästner und Astrid Lindgren schätzen gelernt zu haben.
  3. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht? »Die Last des Alters und der Mythos der Jugend – Das Spiel der Generationen in Arthur Schnitzlers Casanovas Heimfahrt«.
  4. Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt? Die Magisterarbeit untersucht Casanovas Auseinandersetzung mit seinem Alterungsprozess. Dazu gehören verschiedene Verewigungsstrategien, mittels derer er sich in das Leben der anderen Figuren einzuschreiben versucht. Verblendungszustände und Formen der Selbstinszenierung, die das Ziel haben, den Mythos des jungen Abenteurers und Verführers aufrecht zu erhalten, liegen hier dicht zusammen.
  5. Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus? Die Seminare und Vorlesungen von Prof. Helmut J. Schneider mochte ich besonders. Auch hat mir gut gefallen, dass die Referate stets auf nur 15 Minuten angelegt wurden. So hatte man anschließend genügend Zeit für anregende Diskussionen.
  6. Was war / ist Ihr Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre? Meine Lieblingsautoren sind Schnitzler, Kleist, Thomas Mann. Ansonsten lese ich z. B. gern John Irving; Romane aus jüngster Zeit: Das bin doch ich von Thomas Glavinic und Die Mittagsfrau von Julia Franck. Lieblingsepoche: Fin de siècle; Genre: Roman.
  7. Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben? Während des Studiums habe ich ein Praktikum am Goethe-Institut Warschau in der Sprachabteilung absolviert und Unterricht in verschiedenen Kursen gegeben. Für meine Arbeit im Lektorat des Hase und Igel Verlags (Lektüren und Unterrichtsmaterialien) war dies hilfreich, da ich aufgrund des Praktikums bereits Erfahrungen im Bereich der selbstständigen Didaktisierung von Lernmaterialien gemacht hatte.
  8. Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden? Nach meinem Magisterabschluss habe ich zunächst ein einjähriges Volontariat im Kölner Fackelträger Verlag (Sachbuch/Illustriertes Sachbuch) absolviert. Hier habe ich viel im Bereich der Lektoratsarbeit gelernt: Dazu gehörten neben der Arbeit am Text auch Bildrecherchen und die Koordination von externen Mitarbeitern wie Setzern und Fotografen. Teilweise wird man als Volontärin angeleitet, aber viele Arbeitsschritte verinnerlicht man durch Learning by Doing. Als das Volontariat auslief, habe ich mich gezielt bei Schulbuchverlagen beworben, was gar nicht so schwierig war, da letzten Herbst einige Stellen ausgeschrieben waren. – Und es hat geklappt. Darüber freue ich mich sehr, denn dies ist der Bereich, in dem ich immer arbeiten wollte.
  9. Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was? Wichtig im Lektorat ist ein akribischer Umgang mit der Sprache und den Texten, den man sich während des Studiums angeeignet hat. Manchmal müssen die Autoren nachbessern oder ich schreibe in Absprache einzelne Textstellen selbst. Auch gehört das Schreiben von Klappen- und Katalogtexten zu meinen Aufgaben. Bei der Erstellung von Begleitmaterialien für Lektüren ist natürlich auch inhaltliches Wissen aus dem Studium gefragt.
  10. Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)? Ich würde mich auch heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden. Das Sich-Versenken in Texte, die Diskussionen in den Seminaren und letztlich das Schreiben der Arbeiten hat mir viel Spaß gemacht.
  11. Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht? Viele haben Germanistik studiert, zwei Kolleginnen auch Romanistik und Politikwissenschaften. Mein Eindruck ist, dass der Bildungsbereich im Verlagswesen zurzeit erweitert wird.
  12. Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen? Auch wenn die Stellenausschreibung, die Euch interessiert, nicht ganz Eurem Profil entspricht, bewerbt Euch trotzdem. Man kann nie wissen – und oft ergibt sich etwas über Umwege.

 

Barbara Wermann, geboren 1974 in Koblenz, studierte nach ihrer Tätigkeit als Erzieherin Neuere deutsche Literatur, Deutsche Sprache und ältere deutsche Literatur, Soziologie und Deutsch als Fremdsprache (»DaF«) an der Universität Bonn. Sie absolvierte ein Volontariat im Fackelträger Verlag in Köln und arbeitet seit März 2008 als Lektoratsassistentin im Hase und Igel Verlag in München. Dort erscheinen Lektüren und Unterrichtsmaterialen für die Grundschule und die Sekundarstufe I. Barbara Wermann war Ende Juni 2008 Gast der Veranstaltung »Germanisten im Beruf«, organisiert vom Institut für Germanistik und dem Alumni-Netzwerk der Uni Bonn. Gemeinsam mit ihr berichteten die PR-Beauftragte des Goethe-Instituts London, Nicole Maus, und Unternehmensberater Marius Kursawe über ihren Werdegang nach dem Germanistik-Studium.

 

In unserer Serie Germanisten im Beruf haben seit 2006 bereits mehr als zwei Dutzend ehemalige Germanistik-Studentinnen und -Studenten Auskunft über ihren Werdegang und den Nutzen ihres Studiums gegeben; der Reihe nach: Martin Sonneborn (Titanic-Redakteur) – Jan Sting (freiberuflicher Journalist) – Axel Joerss (Journalist und Fotograf) – Christine Henschel (Wissenschaftslektorin) – Nikola Richter (Schriftstellerin und Journalistin) – Burkhard Spinnen (Schriftsteller) – Kathrin Passig (Autorin und Geschäftsführerin der »Zentralen Intelligenz Agentur«) – Adam Soboczynski (ZEIT-Redakteur) – Cornelia Schu (wiss. Referentin beim Wissenschaftsrat) – David Eisermann (Kulturjournalist und WDR-Radiomoderator) – Swantje Lichtenstein (Schriftstellerin und – seit Frühjahr 2007 – Professorin an der FH Düsseldorf) – Carla Christiany (Deutschlektorin an der Università di Bologna) – Christoph Wenzel (Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC]) – Christian Eichner (promovierter Rechtsanwalt und Germanistik-Habilitand) – Olaf Kutzmutz (Programmleiter Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel) – Andreas Wilink (Mitbegründer, -herausgeber und leitender Redakteur des Magazins K.WEST – das Feuilleton für NRW) – Tilman Krause (Literaturkritiker und leitender Literatur-Redakteur bei der Welt) – Andrea Vetsch (TV-Moderatorin im Schweizer Fernsehen) – Axel von Ernst (Schriftsteller und Verleger) – Bernd Draser (freiberuflicher Dozent) – Yvonne Büdenhölzer (Dramaturgin) – Reiner-Ernst Ohle (Theaterreferent) – Antje Schnadwinkel (Lektorin) – Maxim Hofmann (Kabarettist) – Sandra Heinrici (Organisationsassistentin der Biennale Bonn 2008) – Nicole Maus (PR-Beauftragte des Goethe-Instituts London) – Marius Kursawe (Unternehmensberater). – Weitere »Germanisten, die es geschafft haben«, folgen!

 

 

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