»Kein Rezept für die Zukunft dieser Republik.«

Ein Interview mit Samy Deluxe

Samy Deluxe (*1977 in Hamburg als Samy Sorge) ist einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands. Das selbsternannte »Rapgenie«, auch unter den Namen Wickeda MC und Sam Semilia bekannt geworden, hat im Juli 2011 sein viertes Soloalbum SchwarzWeiss herausgebracht, das auf Platz 1 der deutschen Album-Charts eingestiegen ist. Mit der Kritischen Ausgabe sprach Samy Deluxe unter anderem über seinen Lieblingsautor, Weimar und sein soziales Engagement.

Kritische Ausgabe (K.A.): Samy, auf dem Track Poesiealbum Deines aktuellen Albums kommen jede Menge deutscher Dichter von Schiller über Morgenstern bis Brecht vor. Gibt es einen Autor aus der Vergangenheit, dessen Werk Du besonders schätzt?

Samy Deluxe: Ich bin ehrlich gesagt kein großer Leser der Klassiker. Von den Inhalten her liegt mir Brecht am ehesten.  Kann sein, dass ich – wenn ich älter bin – noch mal auf den Geschmack komme.

K.A.: Auf Deiner »dis wo ich herkomm«-Tour warst Du 2009 neben vielen anderen Städten auch in der Stadt Deines, wenn man so sagen darf, ‚Amtsvorgängers’. Welchen persönlichen Eindruck hattest Du von Weimar?

Samy Deluxe: Hübsche kleine ruhige Stadt. 

K.A.: Hast Du schon einmal mitbekommen, dass Literaturwissenschaftler sich für Deine Texte interessieren?

Samy Deluxe: Ja, einige Studierende haben Interviews mit mir gemacht zu verschiedenen Ansätzen. Es gab welche, die sprachlich untersucht haben, andere zu den Themen  Rassismus und Identität.

K.A.: Gefällt es Dir, dass man wissenschaftlich an Deine Texte herangeht?

Samy Deluxe: Natürlich finde ich das interessant und oft sind die Gespräche auch gut gewesen.

K.A.: Neben Deiner Arbeit als Musiker engagierst Du Dich bei beim Projekt iChance vom Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung. Vor über zehn Jahren hast Du gerappt, Du fühltest Dich selbst wie ein »Analphabet, den keiner versteht«. Fühlst Du Dich heute verstandener? Und wer versteht Dich nach wie vor nicht?

Samy Deluxe: Vor allem engagiere ich mich in meinem Verein Crossover e.V. (www.crossover-ev.de) für die Integration von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergründe. Ich selbst habe keine gute Schulzeit gehabt und möchte deshalb etwas dazu beitragen, dass die Kids in der Schule auch mal Menschen sehen, die sonst in der Öffentlichkeit stehen,  und erfahren, dass man sich für sie interessiert. Wir machen da Workshops mit unterschiedlichsten  Mitteln und zu verschiedensten Themen. Und wer mich nicht versteht? Zum Beispiel Herr Sarrazin und seine Anhänger, denke ich mal.

K.A.: Kannst Du die Empörung rund um die Verleihung des Integrationspreises an Bushido auf der diesjährigen Bambi-Verleihung nachvollziehen?

Samy Deluxe: Ich hab da wenig von mitbekommen. Wenn er gute Sachen gemacht hat – okay.

K.A.: Mal angenommen, gleich klingelt Dein Telefon. Angela Merkel ist dran und sagt Dir: »Samy, ich kann nicht mehr, Du musst jetzt den Laden schmeißen!« Was wäre Deine erste Amtshandlung?

Samy Deluxe: Die Frage kommt mir so vor, wie man sie früher Kindern gestellt hat: Was würdest du machen, wenn du König wärst? Es gibt ja immer Sachen, die einen persönlich mehr bewegen als andere. Bei mir sind das die berechtigten Interessen von Kindern und Jugendlichen. Gute Schulen, engagierte Lehrer, Freizeitmöglichkeiten, die den Kids gefallen und sie weiterbringen. Ich glaube, dass vieles besser gemacht werden sollte – aber ich bin Musiker, will es bleiben und habe kein Rezept für die Zukunft dieser Republik.

K.A.: Samy, vielen Dank für das Gespräch.


 

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