»Wir machen keine Comedy!«

Nadja Schlüter über ihre Erfahrungen und das Selbstverständnis des Poetry Slams

Die Verbindung von Poesie und Performance in Wettberwerbsform bringt Poeten mit unterschiedlichsten Texten auf die Bühne, löst die Wörter vom Papier und macht Literatur zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Nach ihrem Durchbruchsieg bei der deutschsprachigen U 20 Poetryslam-Meisterschaft 2005 in Leipzig hat sich die Bonner Germanistikstudentin Nadja Schlüter fest im nationalen Slamgeschäft etabliert. In ihren Texten reflektiert sie eindringlich Lebenssituationen und erzählt Anekdoten, die manchmal leichtfüßig-naiv, manchmal mit großer Wucht aus dem Feld des Selbsterlebten herauskommen. Für die Kritische Ausgabe sprach Roberto Jurkschat mit ihr über ihre Erfahrungen und die Besonderheiten einer Kunstform, die im Begriff ist, aus dem Souterrain des Kulturbetriebes an dessen Oberfläche zu klettern.

Kritische Ausgabe: Beginnen wir ganz am Anfang; wie war das für dich, als du zum ersten Mal auf der Bühne standest?

Nadja Schlüter (Foto: © Merlin Senger)
Die Bonner Poetry-Slammerin Nadja Schlüter (Foto: © Merlin Senger)

Nadja Schlüter: Scheiße. Ich war unglaublich aufgeregt und bin durch den Text gehetzt, der hieß »Das Mädchen mit dem Trolly«. Darin geht es um ein Mädchen, das statt eines Ranzens in der Schule einen Trolly zum ziehen dabei hat. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, warum dieses Mädchen mit dem Trolly durch die Gegend läuft und ob es vielleicht schreckliche Ökoeltern hat. Das erste Mal war es jedenfalls nicht so gut, danach lief es besser.

K.A.: Wie bist du damals auf die Idee gekommen, bei Poetryslams mitzumachen? Kam der Anstoß über das Schauspielen oder über das Schreiben?

N.S.: Eher durch das Schreiben. Theater hab ich nur während der Schulzeit in der Theater-AG gespielt. Das fand ich zwar gut, aber das hatte mit Poetry Slam gar nichts zu tun. Geschrieben habe ich aber immer. Das hat angefangen mit Aufsätzen in der Grundschule, die fand ich zum Beispiel immer super, oder zwei oder drei Büchern, die ich damals angefangen habe. Die Geschichten fand ich zwar nicht übel, aber dabei bin ich nie über Seite fünf hinausgekommen, weil das in der dritten Klasse natürlich nicht so gut funktioniert. Später habe ich dann Texte für jetzt.de geschrieben, das Online-Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung. Zum Slampoetry kam ich dann, weil ein Freund mich einmal angesprochen und gesagt hat »komm mal mit, das gefällt dir bestimmt ganz gut«. Wir sind dann zuerst als Publikum da gewesen, später ist er dann auch aufgetreten. Mir hat das gefallen und ich dachte mir einfach, das will ich auch mal machen. Weil ich den Veranstalter in Koblenz damals kannte, habe ich mich das wahrscheinlich auch getraut.

K.A.: Von Koblenz bist du dann irgendwann nach Bonn gekommen. Wie groß ist die Bonner Szene, wieviele Poetryslammer gibt es hier schätzungsweise?

N.S.: Schwierige Frage. In Bonn würde ich schätzen so etwa zehn. Wenn man zu jedem Bonner Poetryslam fahren würde, dann sähe man wahrscheinlich viel mehr Leute aus Bonn, oft sind es dann auch diejenigen, die es mal ausprobieren, oder nur sehr selten auftreten, aber es ist eine Sache, die größer wird, das merkt man an den deutschen Meisterschaften und daran dass es auch inzwischen im Fernsehen ausgestrahlt wird.

K.A.: Das wachsende Interesse lässt sich auch an der Zahl der Veranstalter ablesen, die regelmäßig Poetry Slams organisieren. Dein letzter Slamauftritt war beim Petersberger Forum in Bad Godesberg. Wie ist es gelaufen?

N.S.: Der Slam wurde vom Verlag für die deutsche Wirtschaft ausgerichtet. Die haben Leute unter 25, mit Texten zum Thema »Heimat«, eingeladen. Es gab es einen Vorentscheid und es war ungewöhnlich, weil es im Villenviertel in Bad Godesberg stattfand, im Gemeindesaal der evangelischen Erlöserkirchengemeinde. Die Veranstaltung war natürlich sehr nett, aber es waren überwiegend ältere Leute da; also ein Publikum, wie man es sonst nie hat. Ein altes Ehepaar zum Beispiel, das in der Pause gegangen ist und die ganze Zeit grimmig geguckt hatte. Aber auch sehr nette Leute. Jedenfalls anders als sonst.

K.A.: Verlag für die deutsche Wirtschaft, altes Publikum und Poetryslam, das klingt, als würde das nicht richtig zusammenpassen. Die Slams sind ja in der Regel etwas Jugendlicheres.

N.S.: Die Leute, die im Publikum waren, glaube ich, auch auf Einladung da und welche die zum Verlag gehören. Es ging darum, dass dieses Forum das Thema »Heimat« hatte, was man kulturell aufbereiten wollte. Die Veranstalterin hat vielleicht einen Poetry Slam im Fernsehen geschaut und daraufhin gedacht, es wäre gut, soetwas auch auszurichten.

K.A.: Mit welchem Text bist du in diesen Wettbewerb gegangen?

N.S.: Ich musste ja extra etwas schreiben, weil ich noch nichts zum Thema »Heimat« hatte. Soetwas passiert sonst sehr selten; bei einem normalen Poetry Slam eigentlich überhaupt nicht.

K.A.: War es schwierig, zu einem vorgegebenen Thema einen Text aus dem Hut zu zaubern? N.S.: Ich schreibe nicht gerne Texte zu vorgegebenen Themen. Allerdings ging es doch ganz gut, weil »Heimat« keine Sache ist, die einem vollkommen fremd wäre und wozu einem nichts einfiele. Ich habe aufgeschrieben, was ich damit verbinde und musste mir dann auch nicht zu viel konstruieren.

K.A.: War das nicht eigenartig, deinen Text vor Leuten vorzutragen, die aufgrund einer Einladung und nicht ganz aus freien Stücken da hingegangen sind?

N.S.: Ich weiß nicht, ob wirklich alle auf Einladung da waren, für mich war das auch nicht entscheidend, denn ich glaube, dass es den Leuten dennoch gefallen hat, bis auf diesem Ehepaar, das früher gegangen ist. Die meisten haben sich womöglich darüber gefreut, dass junge Leute dort auftreten und auf der Bühne etwas vorlesen. Seltsam war nur, dass es so früh anfing, dann eben auch schon so früh zuende war und alle nach Hause gegangen sind.

K.A.: Wie sind Poetryslams sonst? Gibt es da reguläre Formate?

N.S.: Poetry Slams sind grunsätzlich sehr verschieden: manchmal sind sie in verrauchten Clubs mit niedrigen Decken, manchmal gibt es große Bühnen mit Leuten die drumherum sitzen und essen. Es ist überall anders, je nach Veranstaltungsort.

K.A: Das bedeutet, wenn du den Laden nicht kennst, in dem es stattfindet, weißt du überhaupt nicht, was auf dich zukommt? Aber von dem ein oder anderen Slammer, der da auftritt, hast du bestimmt schon gehört?

N.S.: Die meisten kennt man sogar. Die Szene ist ja nicht so unüberschaubar groß und wenn man viel unterwegs ist, dann kennt man einige. Auf größeren Slams kennt man sogar alle, das ist sehr schön. Man hat dann irgendjemanden drei Monate lang nicht gesehen und trifft ihn dann auf einem Slam wieder, das ist sehr nett. Man hat den großen Vorteil, dass man in fast jeder Stadt jemanden kennt und sich denkt, wenn ich da jetzt irgendwie stranden würde, könnte ich bei xy klingeln. Außerdem kann man alle seine Freunde, die sich zum studieren über die Republik verteilt haben, besuchen, wenn man mal dahin zum Slam fährt. Man muss nichtmal dafür bezahlen, weil man ja Fahrgeld kriegt.

K.A.: Hast du Fans, seitdem du die U 20 Meisterschaft gewonnen hast?

N.S.: Ich glaube nicht. Es gibt Leute, die einem über das Studivz schreiben. Die sagen dann, ich hab dich gestern in Heidelberg gesehen. Leute die extra meinetwegen da hinkommen, ich glaube nicht, dass es die gibt. Die Leute gehen zum Poetryslam, weil Poetryslam ist. Bei Lesungen und Lesebühnen ist es eher so, dass man sich sagt, den habe ich schonmal gesehen, den fand ich gut, da gehen wir jetzt hin und gucken uns den an.

K.A.: Kann man sagen, dass Lesebühnen soetwas wie Poetryslams sind, mit fester Besetzung und ohne Wettbewerb?

N.S.: Genau. Eine Lesebühne hat meistens eine Stammbesetzung und einen Gast.

K.A.: Du machst regelmäßig bei den Kanapee Poeten mit, einer Lesebühne in Trier. Gefällt es dir mit oder ohne Wettbewerb besser?

N.S.: Mittlerweile besser ohne. Es gibt auch Veranstalter, die machen eine »Slamshow«, wo sie dann auch nur Poetry Slammer einladen, die dann zusammen den Abend gestalten. Das ist so ähnlich, wie eine Lesebühne und eigentlich ist beides schöner als ein Wettbewerb, weil man da auch die Texte lesen kann, die nicht gut für den Poetryslam wären. Den meisten macht das ein bisschen mehr Spaß.

K.A.: Dann ist die Vorgabe, beim Poetry Slam einer Jury oder dem Publikum gefallen zu müssen, in gewisser Weise eine Einschränkung, weil du einige Dinge nicht einbauen kannst, die ungeeignet sind, oder den Zeitrahmen übersteigen?

N.S.: Auf jeden Fall. Manchmal hat man eine Geschichte geschrieben, die man mag, die aber einfach nicht die nötige Energie hat, um einen Wettbewerb damit zu meistern. Es gibt viele Texte bei denen man denkt, das passt jetzt nicht zum Slam und wegen des Zeitaspekts ist man sowieso eingeschränkt. Die Texte aus dem Weblog, den ich mit einem Freund zusammen haben, lese ich sehr gerne auf Lesebühnen, die könnte ich nicht beim Poetryslam vortragen. Die Publikumswirkung ist beim Wettbewerb schon wichtig, aber ich denke nicht die ganze Zeit darüber nach. Wenn man noch etwas anderes schreibt, außer Texte für Poetry Slams, ist das jedenfalls ein guter Ausgleich.

K.A.: Hast du schonmal daran gedacht, beispielsweise einen Roman oder Kurzgeschichten zu schreiben?

N.S.: Kurzgeschichten habe ich zwar schon geschrieben, das mache ich aber nicht so häufig. Ich möchte natürlich gerne mal ein Buch machen, also mal richtige Literatur, aber das wäre dann auch ein Buch mit mehreren Texten und kein Roman. Ich tue mich schwer mit längeren Formen und habe auch keine Romanidee. Vielleicht in zehn Jahren mal.

K.A.: Denkst du, dass die Texte, die auf dem Poetryslam gelesen werden, von anderen Leuten nicht als ›richtige‹ Literatur eingestuft werden?

N.S.: Das denke ich manchmal selber über meine Sachen. Ich denke dann, ich würde gerne mal etwas Richtiges machen, kann das aber nicht.

K.A.: Noch einmal zu den Poetryslams. Wie muss man sich da denn den Ablauf vorstellen? Wer bewertet, wieviele Teilnehmer gibt es?

N.S.: Das variiert alles. Es gibt manchmal einen Abend mit sechs Teilnehmern, dann gibt es Abende mit 14. Mit den Zuschauern ist das auch komplett unterschiedlich, da variiert es in Etwa zwischen 80 und 500. Die Bewertungsform ist auch oft verschieden, nur, dass das Publikum immer bewertet, daran ändert sich nichts. Das ist die absolute Grundlage, das Publikum bewertet die Poeten. Manchmal gibt es eine Jury aber es ist dann immer eine Publikumsjury. Es wird gefragt, wer Lust hat, in der Jury zu sein und das dürfen nur Leute, die nichts mit einem der Teilnehmer zu tun haben. Das ist eine Sache, die kann man nicht mit Sicherheit nachprüfen, deswegen ist es bei Publikumsjuries von 5-8 Leuten meistens so, dass Noten von 1-10 verteilt werden, es gibt in der Regel dann eine Streichwertung, wodurch die beste und die schlechteste Note gestrichen werden, um Feindschaften und Freundschaften auszugleichen, die möglicherweise eine Rolle gespielt haben.

K.A.: Bei einer Bewertung per Handzeichen ist jeder im Publikum gleichberechtigt. Wie oft kann man sich da melden?

N.S.: Man kann sich so oft melden, wie man möchte, es kann sich auch jeder für jeden melden, das wäre zwar sinnlos, passiert auch nie, aber es ginge. In Oberhausen gibt es etwas ähnliches, da stimmt das Publikum mit Feuerzeugen ab, das ist sehr schön. Wenn es dann passiert, dass einer nicht so sehr gemocht wird, ist das natürlich ein etwas trauriges Bild. In Dresden bekommt jeder einen Pfennig am Eingang, den er dann in ein Glas werfen kann, wo sein Favorit mit einem Foto abgebildet ist. Dann werden die Pfennige ausgezählt und im Finale wird der Sieger per Applausabstimmung ermittelt, was sehr gängig ist.

K.A.: Dann ist die Bewertung schon auch immer vom individuellen Geschmack der Zuschauer abhängig?

N.S.: Genau, das ist aber auch ein Poetryslam-Prinzip. Viele sind der Meinung, das sei unfair. Ist es auch. Aber man kann Poesie auch nicht objektiv bewerten. Selbst eine Jury aus Profis bewertet auf der Grundlage des eigenen Geschmacks, das ist einfach so. Man sollte schon wissen, worauf man sich einlässt. Zu denken, die Jury habe den Text nicht verstanden oder keinen Sinn dafür gehabt, das ist eine Art, mit der man sich trösten kann, wenn man in der Stimmung dazu ist. Dann kann man sagen, das Publikum mochte mich nicht, die mochten nicht, was ich mag. Manchmal denkt man aber auch einfach, heute war ich nicht gut, ich habe mich verhaspelt oder ich habe das schonmal besser vorgetragen.

K.A.: Dann ist es auch erlaubt, zweimal denselben Text vorzulesen?

N.S.: Ja, das machen alle. Wenn man einen Slammer kennt, kennt man meistens auch die Texte. Was verpöhnt ist, ist einen Text zweimal auf dem gleichen Slam vorzulesen. Das machen manche Leute, aber es gehört sich eigentlich nicht und das findet das Publikum scheiße. Man hat immer über eine bestimmte Zeit ein Repertoire und wenn man einen neuen Text hat, probiert man ihn aus und achtet darauf, wie die Reaktionen sind.

K.A.: Die Frauenquote ist bei den Slams ziemlich gering. Gibt es Unterschiede zwischen dem, was Frauen und Männer schreiben?

N.S.: Es ist oft so, dass die Texte von Frauen ein wenig seichter sind oder zartere Dinge thematisieren und nicht so eine Haudraufkomik haben. Vielleicht ist es auch ein Klischee, ich sehe das auch nicht negativ, aber es kommt mir so vor. Frauen sind beim Poetry Slam oft ein bisschen lyrischer und es geht auch häufig um emotionale Dinge. Bei den Männern ist es tendenziell öfter komisch, aber auch das trifft nicht in jedem Fall zu.

K.A.: Dein Textrepertoire deckt ja auch gewissermaßen mehrere Genres ab – würdest du sagen, dass komische Texte besser beim Publikum ankommen?

N.S.: Beim Poetryslam auf jeden Fall. Wenn das Publikum lacht, ist es eher zu gewinnen. Ich habe auch schon Leute getroffen, die der Meinung waren, das Prinzip des Poetry Slams sei es einfach, das Publikum zum Lachen zu bringen. Nach Sarah Kuttners Slamtour auf dem Sat1 Comedysender gab es große Diskussionen. Wir machen kein Comedy, auch wenn es zum Teil comedyähnlich wirkt. Ich habe aber auch schon Stand-Up-Comedians auf Poetry Slam Bühnen gesehen und das hat nicht funktioniert. Was es gibt ist eine bestimmte Sorte von Texten bei Poetry Slams, worin Komik und Poesie gemischt sind. Comedians stehen dagegen auf der Bühne und erzählen mehr und man merkt sofort, es geht konzeptionell in eine andere Richtung.

K.A.: Bei den Texten, mit denen du auch auf Youtube zu sehen bist, »Lob der Gleichzeitigkeit«, »Prag« oder »Wenn Sie wüssten, was ich mir alles merken muss«, wird oft das Spannungsfeld zwischen Innenleben und Außenwelt thematisiert. Hat das einen bestimmten Grund?

N.S.: Es sind auf jeden Fall Themen, die mich beschäftigen. Für gewöhnlich werden auch die Texte ganz gut und kommen später gut an, die man aus einer bestimmten Gefühlslage heraus mit einer gewissen Authentizitätsgrundlage geschrieben hat. Das »Lob der Gleichzeitigkeit« war so ein Text, allerdings kann ich inzwischen nicht mehr viel damit anfangen und darum lese ich ihn auch nicht mehr gerne vor. »Prag« erzählt die größtenteils wahre Geschichte einer Jugendfreizeit. Dieser Text ist einer, den ich auch immer wieder lesen kann.

K.A.: In »Lob der Gleichzeitigkeit« beschreibst du, dass alles, was sich innerhalb eines Lebens abspielt, in der Gegenwart passieren soll. Hast du diesen Text geschrieben, weil du ungeduldig bist oder warst?

N.S.: Ich weiß einfach, dass ich nicht gut warten kann. Kann ich auch immernoch nicht gut, Warten macht mich wahnsinnig, deswegen wär ich zum Beispiel gerne Raucher. Immer wenn ich irgendwo stehe und auf jemanden warte zum Beispiel. Ich dachte mir, ich bin ein ungeduldiger Typ, dann kann ich ja auch mal was darüber schreiben. Das hab ich dann gemacht.

K.A.: Bist du, was die Interpretationen deiner Texte durch das Publikum anbelangt, liberal?

N.S.: Ich schreibe da niemandem etwas vor. Es kann aber auch problematisch werden. Ich habe einen Text der heißt »Ich hasse dich aber nur so halb«. Das Problem war, dass die Leute zu mir kamen und meinten »hey, guter Text, aber ich will nicht dein Exfreund sein!« und es war überhaupt nicht so, dass ich einen Exfreund gemeint hätte, sondern es ging um ein Mädchen, das ich nicht leiden konnte. Ich finde es okay, wenn die Leute für sich selbst einen Sinn hinter dem eigentlich Text entdecken. Nur manche Deutungen, die sich auf meine Person beziehen, sind mir weniger angenehm. Denn hinterher bin ich für manche Leute so eine, die ihren Exfreund auf der Bühne zur Sau macht und das trifft ja nicht zu und das möchte ich nicht.

K.A.: Man sollte das Ereignis eines Slamauftritts, die Performance und den Text vielleicht nicht unmittelbar als Zeugnisse eines Privatlebens verstehen. Hat das Studium dich in deinem Schreiben in irgendeiner Form beeinflusst?

N.S.: Gute Frage. Ich glaube ehrlich gesagt nicht. Ich lese in der Uni zwar Bücher, die ich sonst vielleicht nicht gelesen hätte, weil ich sie nicht kannte, das ist super, aber viel gelesen habe ich ja schon immer – das ist dadurch auch nicht mehr geworden. Mein Schreibstil hat sich dadurch nicht verändert.

Foto: © Merlin Senger

 

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