Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen

Vom 4. Februar bis 15. Mai 2011 zeigt das Wallraf-Richartz-Museum in Köln eine Symbiose zwischen der Kunst Alexandre Cabanels und seinem heutigen Bewunderer Christian Lacroix

Zum ersten Mal präsentiert das Wallraf-Richartz-Museum in Köln eine eigene Ausstellung zu Alexandre Cabanel, einem der wichtigen Salonmaler des 19. Jahrhunderts. In der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Musée Fabre in Montpellier, der Heimatstadt Cabanels, entstanden ist, können die Besucher mehr als 60 Werke des eher unbekannten Malers entdecken. Zum ersten Mal präsentiert das Wallraf-Richartz-Museum in Köln eine eigene Ausstellung zu Alexandre Cabanel, einem der wichtigen Salonmaler des 19. Jahrhunderts. In der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Musée Fabre in Montpellier, der Heimatstadt Cabanels, entstanden ist, können die Besucher mehr als 60 Werke des eher unbekannten Malers entdecken. Cabanel war Künstler und Repräsentant der akademischen Malerei sowie offizieller Institutionen wie der Académie des Beaux-Arts und dem Pariser Salon. Er gilt als der radikalste Vertreter der feinen Malerei. Die Kölner Ausstellung bietet eine besondere Abwechslung zu den uns geläufigen Artisten der Moderne, wie etwa den Impressionisten  Monet und Renoir, die Cabanel und seine akademischen Mitstreiter in ihren Schatten gestellt haben. »Diese historische Ungerechtigkeit gilt es zu korrigieren«, wie Direktor Andreas Blühm feststellt. Dies geschieht im passenden Ambiente: Der Modeschöpfer Christian Lacroix, berühmt für seine kreativen und pompösen Roben, entwarf die Ausstellungsarchitektur. Er hat an der Kunsthochschule von Montpellier, der Heimatstadt Cabanels, studiert und ist ein großer Bewunderer des Malers. [caption id="attachment_4400" align="alignleft" width="243" caption="Abb. 1: Alexandre Cabanel, Albaydé, 1848, Öl auf Leinwand, Musée Fabre, Montpellier."]Abb. 1: Alexandre Cabanel, Albaydé, 1848, Öl auf Leinwand, Musée Fabre, Montpellier.[/caption] Cabanel (1823–1889), der Sohn eines Zimmermannes, beginnt bereits mit 16 Jahren sein Studium der Malerei an der Pariser Akademie. Zu dieser Zeit ist Rom mit seinen antiken Skulpturen und großen Meistern der Hochrenaissance und des Barocks die Hauptstadt der Künste, die vielen Künstlern als Vorbilder dienen. Auch Cabanel greift in seinen Werken Sujets aus der römischen sowie griechischen Geschichte auf. Er zeichnet nach antiken Vorbildern und nach dem lebenden Modell. Er strebt stets Perfektion, Schönheit und Anmut an. Religiöse Darstellungen gehören ebenfalls zu seinem Kanon. Mit dem Gemälde »Christus im Prätorium« erhält Cabanel den Prix de Rome, ein Stipendium, das ihm einen fünfjährigen Aufenthalt in der Villa Medici ermöglichte. Er fertigt Porträtserien an, zu denen Selbstbildnisse und auch das Gemälde »Albaydé« zählen (Abb. 1), eine Personifikation der Liebe. Letzteres stellte er im Auftrag des großen Kunstmäzen Alfred Bruyas her, dessen Porträt ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Cabanel lässt sich dabei von einem Liebesgedicht Victor Hugos inspirieren. Das Werk entsteht im gedanklichen Zusammenhang mit zwei anderen Bildern, die Arbeit und Religion verkörpern. Nach seiner Zeit in Italien wird Cabanel durch die Ausstellungen des Pariser Salons bekannt. Der Salon ist ein gesellschaftliches Großereignis, Marktplatz von Galeristen und deren Kunden sowie eine Plattform für die Kritiker. Hier präsentiert Cabanel 1863 sein Hauptwerk »Geburt der Venus«, das seinen Durchbruch als erfolgreicher Künstler bedeutet. Er widmet sich darin mythologischen Stoffen und der Darstellung des Nackten. Napoleon III. erwirbt das Gemälde und es schmückt im Folgenden dessen private Gemächer. Auf den Ruf des Königs wird Cabanel Hofmaler, erhält ein Atelier im Tuilerienpalast und den Auftrag ein Staatsporträt zu schaffen, welches ebenfalls in der Kölner Ausstellung bewundert werden kann. Cabanel ist nun ein gefragter Porträtist, und das weltweit. Die Damen der Oberschicht sind ganz begeistert und scheuen sogar keine Reise über den großen Ozean, um nach Paris zu kommen und sich von dem bekannten französischen Künstler malen zu lassen. Die Porträts zeigen die Damen als Trägerinnen üppiger Kleider, so dass ein Panorama der Haute Couture der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entsteht. Der Ausstellungsbesucher kann z. B. das Kleid der Louise van Loon-Borski – einer Angehörigen einer wohlhabenden Amsterdamer Familie – nicht nur auf Cabanels Porträt betrachten, sondern auch an einem Mannequin. Später wendet sich Cabanel der Historienmalerei zu. Sie gilt zu damaliger Zeit als die angesehenste und ehrwürdigste Aufgabe eines Künstlers. Die großen Gefühle sind sein Hauptthema. Seine Ausbildung wie auch seine Erfahrungen als Porträtist fließen in diese Arbeiten mit ein. Motive und Szenen aus den weltberühmten Werken des Plutarchs, Sophokles, Dantes und Shakespeares dienen Cabanel hierbei als Vorbilder und Inspirationen. Auch die Orientierung am Theater wird ganz deutlich: Er bedient sich der Schlüsselmomente einer Handlung, der angemessenen Ausstattung der Bühne, der Dramaturgie des Lichtes sowie der Figurensprache. Die menschlichen Tragödien der Portia, des Othello und der Velléda sind nur einige Beispiele für seine Darstellungen von Antisemitismus, Rassismus und fehlgeschlagener Liebe. Die Aktualität von Cabanels Bildern stößt auch weiterhin auf ein großes Interesse. [caption id="attachment_4401" align="alignright" width="245" caption="Abb. 2: Alexandre Cabanel, Selbstbildnis (im Alter von 29 Jahren), 1852, Öl auf Leinwand, Musée Fabre, Montpellier."]Abb. 2: Alexandre Cabanel, Selbstbildnis (im Alter von 29 Jahren), 1852, Öl auf Leinwand, Musée Fabre, Montpellier.[/caption] Dem Modeschöpfer und Bewunderer Cabanels, Christian Lacroix, widmet das Wallraf einen separaten Saal der Cabanel-Retrospektive. Dort kann der Besucher Skizzen aus dessen Hand bewundern, Modeentwürfe von 1987 bis 2007 sowie Entwürfe für die Ausstellung. Die Inspiration durch Cabanel ist offensichtlich: Man entdeckt die porträtierten Kleider und die Farbenpracht in den Skizzen wieder. Lacroix besuchte als Student oft das Musée Fabre und ließ sich von Cabanels Werken faszinieren. Er promovierte über die Kleidung als Motiv in den Gemälden des 17. Jahrhunderts und seine Ehefrau Françoise Rosenthiel führte ihn in die Welt der Mode ein, wo er nach seiner Schaffenszeit bei Hermès, Guy Paulin und Jean Patou 1987 »Christian Lacroix« zum Markenzeichen machte. Seit einiger Zeit ist er als unabhängiger Gestalter tätig und arbeitet häufig für die Bühne, wie für die Oper Aida in Köln. Er gestaltet auch Räume und zuletzt in Montpellier die Straßenbahn zum Mittelmeer. Dem Kölner Museum ist die Symbiose beider genialer Künstler gelungen. Die Ausstellungsarchitektur, ausgestattet mit farbenprächtigen Fototapeten und einem eleganten Teppich, wie man sich ihn im Pariser Salon vorstellt, ist absolut zeitgemäß zu deuten. Dennoch ist sie nicht opulent, da Lacroix sich aus Respekt vor Cabanel mit seiner Kreativität zurückgenommen hat. Der Fokus liegt auf Alexandre Cabanel und dessen Werk (Abb. 2). Die Ausstellung ist sehenswert. Sie stellt einen unbekannten, aber wichtigen Teil der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts vor, der die Besucher mit Cabanels Perfektionismus und der Schönheit seiner Werke beeindrucken wird. Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen. Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum Köln. 4. Februar bis 15. Mai 2011. Fotos: © Wallraf-Richartz-Museum, Köln.

 

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