Bouvier und das "Konzept Aldi"

Telepolis-Autor Jens Falk über die "Servicewüste Buchhandlung" und seine Erfahrungen mit dem größten Bonner Buchkaufhaus Bouvier:

Seitdem in Bonn Bouvier Bouvier-Thalia heißt und die Computerfachbücher in drei kleinere Regale gepresst wurden, scheint in meiner Stadt der letzte Sortimentsbuchhändler den potentiellen Fachbuchkäufer freiwillig zu Amazon.de & Co. abgegeben zu haben.

"Aber bestellen können Sie, morgen ab zwölf Uhr können Sie es sich am Bestellschalter abholen", sagt der von Thalia übernommene Bouvierbuchhändler. Nein, denke ich, ein Standardwerk für wissenschaftliche Textverarbeitung (Helmut Kopka, "LaTeX - Einführung") sollte eine Buchhandlung gegenüber einer Universität am Semesterbeginn vorrätig haben. Bestellen will ich dann doch lieber in meinem kleinen Laden um die Ecke. Wenn ich Verlag, ISBN, Autor und Titel vorgebe, werde ich auch nicht die junge Dame überfordern, so denke ich und verlasse den Laden, der sich auf Bohlen, Abd el Farrag und die "Bestsellerlisten" von Spiegel und Focus spezialisiert hat.

Mit dem "Kleinen Feldbusch" statt eines Kempowskis im Schaufenster beweist das Bouvier-Thalia-Management, dem die Ware Buch deutlich näher ist als das Kulturgut Buch, dass jegliche Individualität eines Buchladens schädlich ist und peitscht das Konzept "Aldi" durch: am Eingang rechts gegenüber dem Brot die Marmelade, bundesweit. Befindet sich in einigen Monaten bei allen Thalia-Filialen am Eingang rechts, gegenüber der Kasse, für kurze Kundenwege die Palette mit den Büchern der Spiegel- & Focus-"Bestsellerliste", ein Schritt weiter die Biographien und Erinnerungen von van Almsick und Küblböck?

Vermutlich weiß nahezu jede/r Bonner Student/in seine/ihre eigene kleine Geschichte von den sogenannten "Buchhändlern" des Traditionsunternehmens Bouvier zu erzählen, etwa über die standhafte Verweigerung von Verlagsbestellungen, verbunden mit der Auskunft, das Buch sei vergriffen...

Aber zum Glück gibt es ja genügend Alternativen. Wir empfehlen übrigens diese hier. ;o)

Ja, diese Erfahrungen macht

Ja, diese Erfahrungen macht man schon im ersten Semester, aber es ist ja nicht nur so, dass Verlagsbestellungen gescheut werden, auch der Klick zum zweiten Grossisten ist schon zu schwer, da mache ich mich also auch lieber auf den Weg zum Buchladen46, dort ist dann das Buch am nächsten Tag da...

 

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