Die Kombinationen machen den Reiz aus

Zum vierten Lesefest »Lev liest« mit mehr als 100 Teilnehmern rund ums Buch lädt die Stadt Leverkusen vom 23. bis 29. April. Stefan Andres sprach vor dem Start mit Claus Faika vom Kulturbüro der Stadt und Agid Jumpertz von der Stadtbibliothek.

 

K.A.: »Lev liest« wird seit 2001 alle zwei Jahre ausgerichtet, am Montag beginnt die vierte Ausgabe - wie entwickelt sich dieses Lesefest denn?

Agid Jumpertz: Es sind, ausgehend von einer Arbeitsgruppe, die das Festival 2001 ins Leben gerufen hat, immer mehr Leute dazugekommen. 2001 waren es 40 Veranstaltungen, in diesem Jahr sind es schon 85. Und dann sind immer noch etwa 16 bis 20 Schulen aller Richtungen dabei. Aber die Menge ist ja gar nicht so entscheidend, spannender ist doch die Vielfalt.

Claus Faika: Das ist ja ursprünglich eine Initiative der Stadtbibliothek. Als das Fest so groß wurde, dass es für die Bibliothek alleine nicht mehr zu schaffen war, haben wir uns vom Kulturbüro mit eingebracht. Und wir können das ganz gut aufteilen: Die Stadtbibliothek steht in engem Kontakt mit den Schulen und wir vom Kulturbüro binden die freie Kulturszene in Leverkusen in das Festival mit ein.

Jumpertz: Das ergänzt sich gut!

Faika: Und übrigens habe ich erst kürzlich schon die ersten Meldungen für 2009 erhalten.

 

K.A.: Sollte eine Stadt wie Leverkusen, die seit Jahren vollkommen pleite ist, sich überhaupt an einem Literaturfest erfreuen?

Jumpertz: Aber natürlich!

Faika: Selbst wenn eine Stadt pleite ist, sollte sie sich nicht auch noch dem kulturellen Bankrott hingeben. Auch ohne Geld darf man nicht auf Kultur verzichten! Außerdem ist »Lev liest« so organisiert, dass der öffentlichen Hand kaum Kosten entstehen. Das finanzielle Risiko tragen die Veranstalter. Wir bieten nur den Rahmen für das Lesefest mit Werbung über Plakate, Internet, Broschüren und so weiter. Das versuchen wir über Sponsoren abzudecken, so dass am Ende nur vielleicht rund 1000 Euro auf der Ausgabenseite stehen.

Jumpertz: Das Konzept für »Lev liest« war ja von Anfang so ausgerichtet, dass keine Kosten entstehen. Viele der Lesungen und Veranstaltungen würden wir ohnehin machen, so sind sie unter dem Festival zusammengefasst.

 

K.A.: Wenn Sie sich bei der »lit.cologne«, dem Lesefestival in der großen Nachbarstadt Köln, etwas klauen dürften – was wäre das? Die Sponsoren, die großen Namen, das Kölner Publikum oder die Spielstätten?

Jumpertz: Das Geld! Aber man kann das natürlich gar nicht vergleichen, die »lit.cologne« hat ja eine ganz andere Konzeption. Außerdem haben die Kölner Vollzeitkräfte, die nur das machen und ein Jahr Zeit haben, das nächste Fest vorzubereiten.

Faika: Ja, das wäre wunderbar: Ein Jahr »Lev liest« vorbereiten! Aber das ist für uns natürlich undenkbar, auch wenn das Fest nur alle zwei Jahre ausgerichtet wird. Es gibt ja noch etliche andere kulturelle Dinge vorzubereiten in Leverkusen.

 

K.A.: Was erwartet die Besucher denn in der kommenden Woche, an welche Orte führen die einzelnen Veranstaltungen? Und mit welchen Namen kann die vierte »Lev liest« aufwarten?

Jumpertz: Kleine und große Veranstaltungen, ganz verschiedene Dinge: Günter Lamprecht, Dieter Wellershoff oder auch Andrea Schacht sind bekanntere Namen. Oder Jugendbuchautor Christian Linker. Sehr schön finde ich, dass das Programm alle Generationen anspricht.

Faika: Die »Titanic-Boygroup« (u.a. mit Martin Sonneborn, den K.A.-Leser vom Germanisten-Fragebogen kennen; d. Red.) in der »Kolonie Eins« sind sicher auch ein Höhepunkt. Sehr spannend finde ich aber auch Veranstaltungen wie den Buchbinder-Workshop.

Jumpertz: Die ungewöhnlichen Kombinationen machen doch oft den Reiz aus: Lesen und Radfahren, Lesungen an ungewöhnlichen Orten, etwa im Tierheim, im Neulandpark oder im Dessous-Shop, der an dieser Stelle immer genannt wird. Sicher ist es schön, wenn richtig viele Besucher kommen, aber viele der kleineren Veranstaltungen funktionieren im kleinen Kreis.

 

Eröffnet wird die vierte »Lev liest«-Buchwoche am Montag, 23. April, dem UNESCO-Welttag des Buches, um 19.30 Uhr von Oberbürgermeister Ernst Küchler vor der Lesung der Bonner Krimi-Autorin Andrea Schacht in der Stadtbibliothek. Im Rahmen des Festivals wird am Donnerstag, 26. April, im K1 auch der Leverkusener »Short-Story-Preis« verliehen. Übrigens bietet auch das Zentral Antiquariat, in dem die KRITISCHE AUSGABE im Spätherbst 2005 zu Haruki Murakamis Gefährliche Geliebte tagte, eine Veranstaltung an: Am Donnerstag, 26. April, lädt die Buchhandlung zur »Zentral-Nacht« ein: Die ganze Nacht stöbern, ab 19 Uhr begleitet von Lesungen verschiedener Leverkusener Autoren. Im legendären Jazz-Lokal topos liest Konzertveranstalterlegende Fritz Rau aus seiner Autobiographie 50 Jahre backstage. Das Kommunale Kino im Forum zeigt verschiedene Literaturverfilmungen, und das Pentagon in Opladen bietet sogar jeden Tag eine Veranstaltung an. Der »Epilog« steigt am Sonntag, 29. April, im Sensenhammer nach der Lesung von Schauspieler Jan-Georg Kremp (18 Uhr).
Auch ein Gewinnspiel haben Kulturbüro und Stadtbibliothek ausgelobt: Wer verrät, was er derzeit liest, kann eine dreitägige Reise nach Paris für zwei Personen gewinnen. Teilnahmekarten liegen an den Veranstaltungsorten aus. Die Preisübergabe mit Kabarettist Wilfried Schmickler wird am 16. Mai in der Stadtbibliothek durchgeführt.

Weitere Informationen und die Programmübersicht finden sich unter www.levliest.de.

"Kultur" muss nicht immer mit

"Kultur" muss nicht immer mit Geld zu tun haben. Ich habe am Sonntag, dem 26.4.09 aus Anlass von levliest im "Sensenhammer" aus meinen Büchern gelesen - unentgeltlich. Der "Förderverein Sensenhammer" freut sich über den kleinen Obulus, der dennoch in die Kasse kam.

Eine Stadt geht nie Pleite.

Eine Stadt geht nie Pleite. Die Kulturellen haben zu oft ohne Leistung die kleinen Taschen zu voll gesteckt.Für Bildung und Kultur wird zu wenig Geld ausgegeben, für Essen, Trinken und Rauchen zu viel.Naturgut Ophoven sollte privatisiert werden, weil die so das können, was sie wollen. Da ist die Politik gefragt.

 

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