Dr. BloodRayne

Uwe Boll ist ein »Germanist, der es geschafft hat«

Für die einen ist er »der schlechteste Regisseur der Welt«, für die anderen ein Genie: Dr. Uwe Boll polarisiert mit seinen Filmen, in denen vielleicht nicht immer das Feinsinnige obsiegt. Aber Boll hat das Geschick, für seine Filmproduktionen das nötige Geld zusammenzubringen – sei es über Kommanditgesellschaften, aus Medienfonds oder über seinen Filmvertrieb – und so das zu tun, was er am liebsten tut: Filme machen. Und zwar bislang bereits mit Schauspielern wie Geraldine Chaplin, Ben Kingsley, Ray Liotta, Burt Reynolds, Christian Slater, Leelee Sobieski oder Til Schweiger. Noch seine starrsinnigsten Kritiker irritiert freilich dieses eigenartige »Dr.« vor seinem Namen, das da für viele so gar nicht hinpassen möchte. Als wir hörten, dass er seine Promotion im Fach Germanistik absolviert hat, wollten wir natürlich die ganze Geschichte erfahren: Schließlich macht (nicht nur) sein Doktortitel Boll ganz eindeutig zu einem »Germanisten, der es geschafft hat«.

 

Unsere zwölf Fragen, beantwortet von Uwe Boll:

  1. Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach?
    Zuerst habe ich in Köln studiert und Germanistik und Sozialwissenschaften mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Dann habe ich in Köln unter Prof. Kleinschmidt die erforderlichen Zusatzscheine für die Promotion gemacht. Darauf wurde von ihm Kontakt zu Prof. Dr. Helmut Schanze (siehe hier, d. Red.) und zu Prof. Dr. Helmut Kreuzer (… und da, d. Red.) aus Siegen hergestellt und die haben dann die Betreuung meiner Arbeit übernommen. Nach einem Rigorosum (1994) war ich Dr. phil.!
  2. Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren?
    Nach Gasthörerschaften an Filmhochschulen in Wien und München schrieb ich mich in Köln ein, da ich gerne Bücher las und keine Ahnung hatte, was ich beruflich machen wollte.
  3. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht?
    »Die Gattung Serie und ihre Genres« (veröffentlicht im Alano Verlag, Aachen, Hrsg. Prof. Dr. Schanze).
  4. Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt?
    Dass die meisten TV-Serien schon in der Struktur auf den Jahrmärkten des 17. und 18. Jh. in Form von Novellen existierten.
  5. Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus?
    Prof. Hugo Aust in Köln (siehe hier, d. Red.), weil er von uns verlangte, fast jede Woche ein Buch zu lesen und die Inhalte nicht von den Personen trennte. D.h. er ging davon aus, dass Literatur im Endeffekt von der Autorenbiographie abhängt.
  6. Was war / ist Ihr Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre?
    Leutnant Gustl, Schnitzler und Bernhard, Dekadenzdichtung, Novellen, kein spezifisches Lieblingsgenre.
  7. Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben?
    Ich war wissenschaftlicher Mitarbeiter in Köln und dann auch im Sonderforschungsbereich Bildschirmmedien in Siegen. Außerdem habe ich während des Studiums als Filmkritiker und Radiojournalist gearbeitet.
  8. Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden?
    Ich wollte immer Filme drehen und tat dies auch schon 1991 mit meinem Film GERMAN FRIED MOVIE. Davon konnte ich allerdings nicht leben. Nach Abschluss der Promotion wurde ich dann als Assistent der Geschäftsführung bei der Taunus-Film in Wiesbaden (einer Tochter der ARD) genommen. Von da aus konnte ich dann mehrere Projekte anschieben.
  9. Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was?
    Wenn es um Erzählstrukturen geht, dann ja.
  10. Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)?
    Ich würde Jura studieren, weil man als Filmproduzent sehr viel Geld sparen könnte, wenn man die Verträge etc. selber machen kann.
  11. Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht?
    Keiner.
  12. Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen?
    Da bin ich der Falsche, da ich als Filmemacher keinen Bezug mehr zur Uni habe und nicht weiß, wie dort heutzutage gearbeitet wird. Generell ist es aber wichtig, während der Studienzeit schon überall, wo es möglich ist, zu arbeiten.

 

Uwe Boll (Foto: © BOLLFANS.DE)Dr. Uwe Boll, geboren am 22. Juni 1965 in Wermelskirchen, studierte Filmregie in München und Wien, später Literatur, Film und Betriebswirtschaft in Köln und Siegen. Boll war von 1992 bis 2005 geschäftsführender Gesellschafter der BOLU GmbH, von 1994 bis 2000 zugleich Geschäftsführer der TaunusFilm-Produktions-GmbH. Seit 2005 ist er Vorstandsvorsitzender der Boll AG. Bekannt wurde er als Regisseur zahlreicher Filme verschiedener Genres, darunter Tunnel Rats (2008), Far Cry (2007), Postal (2006), Seed (2006), In The Name Of The King – A Dungeon Siege Tale (2005), BloodRayne (2004), Alone In The Dark (2003) oder House Of The Dead (2002). Zuletzt wurde sein Film Darfur auf dem New York International Film Festival als »Best Feature Film (International)« ausgezeichnet. Im Oktober 2010 kommt Bolls Filmbiographie Schmeling mit Heino Ferch und Henry Maske in der Rolle des Max Schmeling in die deutschen Kinos.

Foto: © BOLLFANS.DE – Offizielle deutsche Fanseite

 

Seit 2006 geben ehemalige Germanistik-Studentinnen und -Studenten in der K.A. plus Auskunft über ihren Werdegang und über den Nutzen ihres literaturwissenschaftlichen Studiums. Die zwölf Fragen unseres Fragebogens beantwortete vor Uwe Boll zuletzt die Chefredakteurin der Kölner Theaterzeitung akT, Dorothea Marcus. Weitere »Germanisten im Beruf« werden folgen!
 

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