Fragwürdiger Lehrinhalt – lohnende Beats

Das dritte Album der Kaiser Chiefs

Ganz anders als die beiden Vorgänger Employment und Yours Truly, Angry Mob präsentiert sich das dritte Album der Kaiser Chiefs, Off with their heads. Instrumentation und Lyrics scheinen reifer und bedeutend variationsreicher als man dies bisher von den Herren aus Leeds gewohnt war. Dieses Verdienst mag nicht nur der eigentlichen Band als vielmehr den zahlreichen und namhaften Produzenten des neuen Albums geschuldet sein. Zu Anfang des Jahres nämlich konnten die Kaiser Chiefs gerade mal mit drei neuen Songs aufwarten. Mark Ronson jedoch schien ganz versessen darauf das neue Album der Band zu produzieren und fand tatkräftige Mithelfer in Eliot James, Andy Wallace (u.a. Nirvana, Foo Fighters) und Cenzo Townshed (u.a. Snow Patrol, New Order). Ort des Geschehens waren die RAK und Eastcote Studios in London, der englischen Musikmetropole schlechthin.

Kaiser Chiefs: »Off With Their Heads« (Cover)
Das Album: Off With Their Heads (Cover)

Die Arbeiten an den Aufnahmen waren der Band zufolge sehr spaßbringend und in aller Bescheidenheit nicht weniger erfolgreich, so die Band. Stolz verkünden die Indie-Rocker: »Mark Ronson hat schon in etlichen Interviews betont, wie sehr er auf unser neues Album steht; und natürlich klingt es cooler, wenn jemand die Platte lobt, der nicht zur Band gehört – aber ehrlich gesagt glauben auch wir, dass wir unser bis dato bestes Album aufgenommen haben.« Am Rande jedoch vergessen die Jungs dabei zu erwähnen, dass der Produzent die Werbetrommel vielleicht nicht bloß aus reiner Begeisterung, sondern durchaus auch aus Eigennutz rühren mag.

Der zur ersten Single auserkorene Song »Never miss a beat« ist gewohnt eingängig, kritisch und zudem doppeldeutig. Mit Textzeilen wie »It's cool to know nothing« und »Take a look at the kids on the street, no they never miss a beat« (engl. sowohl Schlag als auch Beat im musikalischen Sinne) verstehen es die Kaiser Chiefs nach wie vor zu provozieren und auf Missstände aufmerksam zu machen, jedoch auf musikalisch höherem Niveau als dies bisher der Fall war. Viele der Songs zeichnen sich nämlich unter anderem durch den Einsatz einer breiter gefächerten Instrumentierung, etwa in Form von Trompete oder Streichern, aus. Zudem wechselt der Stil innerhalb des Albums, sodass die Songs sich nicht allzusehr ähneln, wie das bei den früheren Alben leider der Fall war.

Kaiser Chiefs – Foto: © Jocelyn Bain Hogg
Die Band: Kaiser Chiefs (Foto: Jocelyn Bain Hogg)

Ungewohnt ruhig und melodisch mutet vor allem die letzte Single von Off with their heads, »Remember you're a girl«, an. Wenn auch textlich wenig greifbar, da von zahlreichen Wiedersprüchen geprägt (»Remember you're a girl [...] forget that you're a girl«), so scheint dies einer der Songs zu sein die sich an früheren Größen à la John Lennon orientieren und dem Album die nötige Balance verleihen. Wirkte das erste Album Employment beim erstmaligen Hören zwar interessant, doch nach kurzer Zeit auch unerträglich nervenaufreibend, so bewirken Songs wie diese, dass sich Off with their heads dagegen auch nach mehrfachem Lauschen noch lohnt. Das neue Album der Kaiser Chiefs ist en somme nämlich eine Mischung verschiedener Einflüsse vergangener Zeiten, wobei es der eigentlichen Musikrichtung der Briten, dem englischen Indie-Rock, durchaus treu bleibt. Eine Kombination, welche die Fans mit Sicherheit zu schätzen wissen werden und der Band zu länger währendem Erfolg verhelfen könnte.

Kaiser Chiefs: Off With Their Heads. Polydor (Universal) London 2008. 36 Min. Spielzeit. Ca. 15,- Euro.

Foto: © Jocelyn Bain Hogg

 

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