Fressen oder gefressen werden

Die Entromantisierung Italiens

In einem der beliebtesten Reiseziele der Deutschen herrscht Krieg. Von Sodom und Gomorrha im Land, wo die Zitronen blühn, handelt der Film von Matteo Garrones, der mit dem Buch von Roberto Saviano als Vorlage einen dokumentarischen Spielfilm drehte. Berichtet wird über die Camorra, eine Organisation von Wirtschaftskriminellen in Neapel. Regisseur und Autor stehen seit der Veröffentlichung ihrer Werke unter Polizeischutz. Die meisten kennen Italien nur über den Bildschirm ihrer Digitalkameras: traumhafte Landschaften, Kultur, gutes Essen und ein freundlicher Casanova an jeder Ecke. Klar, es gibt auch diese Hütchenspieler und Leute, die einem auf den Straßen Florenz’ gefälschte Louis-Vuitton-Taschen andrehen wollen und natürlich weiß jeder, dass da auch irgendwo unter den ganzen harmlosen Charmeuren Mafiosos rumlaufen, die die armen Pizzabäcker um einen Teil ihres hart verdienten Geldes bringen. Aber trotzdem: Italien steht für Romantik pur. Wer sich allerdings im Süden des Landes, außerhalb der Touristen-Metropolen, aufhält, spürt schnell das in Italien herrschende Nord-Süd-Gefälle und merkt, dass die »dolce-vita«, längst nicht überall herrscht und schon gar nicht das Leben aller Italiener umgibt. Man kennt zwar das Müll-Problem Neapels aus der Tagesschau, doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. »Gomorrha« (Filmplakat) – © PROKINOWas unter der Oberfläche liegt, zeigt »Gomorrha« schonungslos. Der Film präsentiert in jeder Hinsicht das völlige Gegenteil eines verträumten Italiens. Nicht nur, dass Menschen brutal umgebracht und unterdrückt werden, nicht mal mit einer schönen Landschaft kann das Auge des Zuschauers nach der Schießerei beruhigt werden. Ödes, unfruchtbares Land soweit das Auge reicht, und mittendrin gefängnisartige Wohnanlagen, die an Trostlosigkeit nicht zu überbieten sind. In dieser Umgebung werden fünf unterschiedliche Schicksale beleuchtet: ein etwa dreizehnjährige Junge, der keine andere Perspektive sieht, als sich dem organisierten Verbrechen anzuschließen; ein Handlanger der Mafia, der sich sein Recht zu leben damit verdient, »pensionierten« Camorra-Mitgliedern ihr Schweigegeld zu zahlen und deren Beschwerden entgegen zu nehmen; ein Schneider, der für eine Konkurrenzfirma der Mafia arbeitet und deswegen im Kofferraum zur Arbeit fährt; ein Geschäftsmann, der sich durch preisgünstige Entsorgung von Giftmüll bereichert; zwei Halbstarke, die sich selbst als Bosse ihres Zwei-Mann-Clans versuchen. Der Film ist wahrlich keine leichte Kost. Selbst Fernando Meirelles' und Kátia Lunds »City of God« (2002), der über das von Drogen und Mord bestimmte Leben der Kinder in den Favelas von Rio erzählt, ist dagegen fast Hollywood-Kino. »Gomorrha« erfüllt einen mit dem Wunsch, den Kinosaal zu verlassen. Nicht die Schießereien, Blut und Gewalt lassen diesen Wunsch aufkommen, sondern die unabwendbare Trostlosigkeit, die die ganze Geschichte bestimmt. Das Leben der Menschen ist albtraumartig und ausweglos, so dass man als Zuschauer nicht mal über die Kinoleinwand daran beteiligt sein will. Unterstützt wird dieses Gefühl durch das Fehlen einer Identifikationsfigur. Obwohl es sich nicht bei allen um korrupte und brutale Typen handelt, führt einen der Regisseur an niemanden nah genug heran, um tiefen emotionalen Anteil an dessen Schicksal zu nehmen. Von Anfang an erzeugen die Bilder Beklemmung. Immer wieder muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass es sich hier um Schauspieler handelt, und nicht echten Gangstern bei ihrem täglichen Treiben über die Schulter geguckt wurde. Der dokumentarischen Blickwinkel wird durch die Handkamera verstärkt. Filmemacher und Autoren wollen auf die Zustände, die tatsächlich vorherrschen, aufmerksam machen, und trotz Schauspielern und Drehbuch eine zu starke Fiktionalisierung und Abschwächung vermeiden. Ohne Zweifel wird dem Zuschauer hier deutlich vor Augen geführt, dass es sich bei Mafia-Organisationen wie der Camorra nicht um Kleinkriminelle handelt, die hier und da mal jemanden um die Ecke bringen, sondern um ein verbrecherisches Unternehmen von erschreckendem Ausmaß. Gomorrha, Reise in das Reich der Camorra/Gomorra (Italien 2008), Regie: Matteo Garrones, Drehbuch: Maurizio Braucci, nach dem gleichnahmigen Buch von Roberto Saviano (2007).

Liebe Sarah Collas, die

Liebe Sarah Collas, die Mafiamisere Italiens ist eigentlich ein alter Hut. Was aber neu ist für mich und viel erschreckender, ist der Aufmarsch der Mafia in Deutschland. Die Camorra, Cosa Nostra und N´dranghetta, alle drei (und eine schlimmer als die andre)haben Deutschland unter sich aufgeteilt. In den großen Städten operieren sie nebeneinander, jeweils in ihren Stadtteilen und Quartieren.
In Ostdeutschland haben sie sich ganze Straßenzeilen unter den Nagel gerissen.
Fragen Sie mal einen Kellner in einer italienischen Eisdiele, wieviel sie zahlen muß als Schutzgebühr. Wenn Sie mich fragen, gibt es keinen einzigen italienischen Laden, keine einzige italienische Firma, kein einziges italienisches Restaurant von Bedeutung in Deutschland ohne Verquickung mit der Mafia.

Und das ist ja noch nicht alles. Es gibt auch noch die Russenmafia, die ukrainische, die kosovarische und andre vom Balkan, und die chinesische Mafia ist auch nicht ohne. Von dort aus werden sogar Bundesligaspiele manipuliert.

Mit freundlichen Grüßen Rolf Hannes

 

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