Funktionärsgattinnenlyrik

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wirbt für einen Gedichtband, den die Frau ihres Präsidenten verfasst hat

Es ist ein hübsches Beispiel für treffsicheren, eleganten Journalismus, was die Süddeutsche Zeitung heute auf ihrer Literaturseite darbietet. Eine kurze Meldung in der rechten Spalte konstatiert in wenigen klaren Worten einen kleinen Skandal. Wie es scheint, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft an die Redaktion der SZ – und vermutlich nicht nur an sie – Briefe geschickt mit der Bitte, eine Rezension des jeweils beigelegten Bandes in Erwägung zu ziehen. Das wäre schön, handelte es sich um ein von der DFG finanziertes Buch – zahlreiche wissenschaftliche Ergebnisse aus DFG-Projekten werden sicherlich viel seltener gelesen, als sie es verdient hätten. In diesem Fall steht zu hoffen, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft nicht an der Finanzierung des betreffenden Buches beteiligt war, das hier „auf dem offiziellen Briefpapier der Deutschen Forschungsgemeinschaft“ der Redaktion nahegelegt wurde und Gedichte von Antonetta Maria Winnacker enthält.

Die ist die Gattin von Ernst-Ludwig Winnacker – dem Präsidenten der DFG. Es handelt sich also um den Versuch, das im Cornelia Goethe Literaturverlag, Frankfurt, erschienene Buch „Passing Thoughts“ der Ehefrau des Chef-Funktionärs mit der Autorität einer öffentlich finanzierten Institution zu vermarkten. Unterzeichnet ist der Brief vom Referenten für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG.

Über vergleichbare Schreiben sind auch schon Politiker gestolpert – mit dem lautesten Knall wahrscheinlich seinerzeit Jürgen Möllemann wegen Plastikchips für Einkaufswagen. Insofern wäre diese Angelegenheit, so Ernst-Ludwig Winnacker von ihr wusste (und davon muss man wohl ausgehen), nicht nur eine abenteuerlich sinnfreie Verschwendung öffentlicher Gelder (die zudem für ganz andere Zwecke gedacht sind als für die Poesieförderung), sondern vor allem eines: richtig, richtig dumm. So. Und wer rezensiert den Band jetzt mal? (Mit Dank an S. für den Hinweis.)

Der Gestalter der Homepage

Der Gestalter der Homepage von A. M. Winnacker arbeitet bei der DFG als Webmaster. Interessantes Detail.

 

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