Gone with the wind

Drachenläufer (Filmplakat)Kabul 1978. Ein unter den Kindern der Stadt sehr beliebtes Spiel ist das Drachen steigen lassen und der Wettkampf, bei dem es gilt, möglichst viele Drachen zu erobern, indem durch gekonnte Lenkung eine fremde Leine durchtrennt wird. Meister auf diesem Gebiet sind die ungleichen Freunde Hassan und Amir. Die Geschichte um die beiden beginnt mit einer Mischung aus Leichtigkeit und Schwermut. Durch das Vorwissen über die politischen Entwicklungen in Afghanistan ist eine unheilvolle Zukunft schon zu ahnen, doch die Drachen, auf deren Schultern die Kamera den Zuschauer mitfliegen lässt, tragen einen zunächst über alle Zweifel hinweg.

Hassan ist der beste Drachenläufer unter den Kindern, er fängt jede abgeschnittene Trophäe und überreicht sie seinem Freund Amir. Doch Hassan tritt nicht nur seine Beute an ihn ab, sondern er bedient Amir auch bei Tisch und an dessen Geburtstag, denn er und sein Vater sind Angestellte im Haus der Familie Amirs und gehören zu den Hazara, einer Bevölkerungsgruppe Afghanistans, die sich durch ihre mongolische Abstammung äußerlich von ihren Mitbürgern unterscheidet und häufig Missachtung erfährt, was Hassan grausam zu spüren bekommt.

Die Kameradschaft der beiden zerbricht stumm, als Amir beobachtet, wie Hassan von drei größeren Jungen misshandelt wird. Aus einem Versteck sieht er tatenlos zu, wie sein Freund zusammengeschlagen und vergewaltigt wird, als er sich weigert, ihnen den Drachen auszuhändigen, den er Amir versprochen hat. Um seine Mitschuld an dem Unrecht, das Hassan widerfuhr, zu vergessen, bringt Amir ihn und seinen Vater dazu, das Haus zu verlassen.

Die Sowjetische Invasion von 1979 treibt Amir aus Afghanistan nach Amerika. Dort gelingt es ihm, ein neues Leben aufzubauen. Er heiratet und fasst sogar Fuß als Schriftsteller. Dann kommt jedoch ein Anruf aus seiner Heimat, der ihn zwingt, das Land seiner Kindheit noch einmal zu besuchen. Die Taliban haben es fest im Griff und der Mann, der einst seinen engsten Freund verriet, muss sich nun aufs Neue entscheiden, ob er vergessen oder zu seiner Verantwortung stehen will.

Wie schon in seinem Film »Stay«, der 2005 völlig zu Unrecht nur geringe Beachtung in den deutschen Kinos fand, beweist Regisseur Marc Forster auch in »Drachenläufer« seine Fähigkeit, den Zuschauer mit ästhetischen Bildern zu fesseln, ohne dabei den Fokus von der Handlung zu nehmen.

Nach einem starken Anfang verliert der Film zwischenzeitlich etwas an Fahrt und weist durchaus Längen auf, doch der Krimi, der mit Amirs Rückkehr in seine Heimat beginnt, belohnt den Zuschauer für seine Geduld.

Die Schauspieler, dem europäischen Publikum unbekannte arabische und persische Darsteller, überzeugen, vor allem Zekeria Ebrahimi in der Rolle des jungen Amir. Er mimt den Jungen und dessen Entwicklung von inniger Freundschaft zu entschlossener Verdrängung mit beeindruckender Intensität.

Nachdem der Schweizer Filmemacher Forster mit seinen starbesetzten Werken »Monster’s Ball« (2001), »Wenn Träume fliegen lernen« (2004) und »Schräger als Fiktion« (2006) in Hollywood beträchtliche Anerkennung fand, zeigt er in seinem neusten Film, dass für ihn das Werk an erster Stelle steht, und nicht der Beifall der breiten Masse.

Drachenläufer/The Kite Runner (USA 2007), Regie: Marc Forster, Drehbuch: David Benioff. Nach dem gleichnamigen Roman von Khaled Hosseini (2003).

 

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