Just left the building: Martin Büsser

Sein Herz schlug für die Popkultur: Als Musiker und Künstler, Autor und Verleger, Journalist und Kritiker förderte Martin Büsser die Kunst des ›Populären‹ und forderte die Szene zuweilen auch mit unbequemen Äußerungen heraus. In der Kritischen Ausgabe attestierte er dem zeitgenössischen Pop vor zehn Jahren, verlernt zu haben, »auf etwas anderes als sich selbst zu verweisen«. Das, erklärte Büsser, mache ihn einerseits »so sprachlos« und »andererseits für viele so attraktiv«.

Womöglich auch deshalb machte sich der studierte Kunst-, Literatur- und Theaterwissenschaftler schon früh zu einem Sprachrohr des Pop, anfangs als fleißiger Interviewer eines Punk- und Hardcore-Fanzines (Nirvana und Sonic Youth waren nur zwei von rund 100 Gesprächspartnern), dann als freier Journalist für die Süddeutsche Zeitung, Emma und Die Zeit. Als Mitbegründer des Mainzer Ventil Verlags und Mitherausgeber der dort erscheinenden Buchreihe »testcard – Beiträge zur Popgeschichte« etablierte er Mitte der 90er Jahre ein Forum für die kritische Auseinandersetzung mit dem ›Phänomen Pop‹, wo er sich immer wieder auch für das Aufbrechen tradierter Klassifikationen einsetzte.

Mit zahlreichen wissenschaftlichen und publizistischen Arbeiten, aber auch als aktiver Musiker und Graphic-Novel-Autor prägte Büsser ›seine‹ Szene. Ohne ihn, meinen seine Kollegen und Wegbegleiter vom Ventil Verlag, »ohne seine Artikel, Bücher und CDs wäre die deutsche Linke heute um einiges ignoranter«.

Gestern hörte Martin Büssers Herz auf zu schlagen. Er wurde 42 Jahre alt.

 

Addendum (letztes Update: 25.10.2010): Auch die Kollegen der Online-Musikmagazine gedenken Martin Büsser: laut.de nennt ihn einen der »bekanntesten deutschen Vordenker der Popkultur« und auf De:Bug trauert Michael Döringer um eine »zentrale Persönlichkeit« der »hiesigen Popkritik«. Für intro.de erinnert sich Linus Volkmann an persönliche Begegnungen mit dem »alten Integritäts-Papst«, an gleicher Stelle vermisst »Tomte«-Frontmann Thees Uhlmann einen Freund, mit dem er »eine Geschichte« teilt. Im Beatpunk Webzine widmet »testcard«-Mitherausgeber Roger Behrens Martin Büsser zum Abschied einige »sprachlose Zeilen«, gemeinsam mit Sonja Eismann und Jörg Sundermeier tut Behrens dies auch in der Jungle World. Und in der Berliner Gazette veröffentlicht Krystian Woznicki einen »Nachruf, der kein Nachruf sein will« und der »unvollständig bleiben« und versuchen muss, »diese kategorische Unvollständigkeit offen zur Schau zu stellen«.

 

Anmerkung der Redaktion: Eine Besprechung von Martin Büssers im vergangenen Jahr erschienener Graphic Novel Der Junge von nebenan finden Sie aus gegebenem Anlass hier.
 

noch ein mensch weniger, der

noch ein mensch weniger, der noch richtig im kopf war. :°°(
ich werde dich nie vergessen und deine worte und bücher weitervererben. schon deshalb, weil ich immer wie du dachte, du aber die besseren worte für diese gedanken und gefühle hattest.

 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!