Just left the building: Norman Mailer

Ein ›enfant terrible‹ der Gegenwartsliteratur ist tot. Der US-amerikanische Schriftsteller Norman Mailer ist am frühen Samstagmorgen im Alter von 84 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus verstorben, wie sein Agent und Biograf J. Michael Lennon heute am frühen Nachmittag bekannt gab.

Mailer, der bereits mit seinem Debütroman The Naked And The Dead 1948 Weltruhm erlangte, gilt als einer der »sprachgewaltigsten« (Die Welt), »innovativsten und vielseitigsten Schriftsteller Amerikas« (F.A.Z.), aber auch als »literarischer Provokateur« (Spiegel online). Auch sonst pflegte der zweimalige Pulitzer-Preisträger sein Image als ›Problemkind‹ der amerikanischen Literaturszene: Er sprach dem Alkohol ebenso zu wie anderen Rauschmitteln, zeugte neun Kinder und erstach im Alkoholrausch beinahe eine seiner insgesamt sechs Ehefrauen. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit versuchte er sich – mehr oder minder erfolgreich – auch als Filmproduzent, Journalist und Bürgermeisterkandidat seiner Heimatstadt New York.

In seinem letzten, in deutscher Übersetzung erst im September dieses Jahres erschienenen Roman The Castle in the Forest (Das Schloss im Wald) versuchte Mailer die Wurzeln des Bösen zu ergründen – in einer fiktiven Jugendbeschreibung Adolf Hitlers, über den der Sohn jüdischer Emigranten unbedingt noch ein Buch hatte schreiben wollen.

Einen ersten ausführlichen Nachruf hat Richard Pyle für die Associated Press in englischer Sprache verfasst, deutsche Würdigungen finden sich unter anderem bei den Kollegen der heute-Redaktion des ZDF und der Süddeutschen Zeitung.

Addendum: In den Tagen nach Mailers Tod erschienen in allen großen deutschsprachigen Feuilletons weitere Würdigungen Mailers – hier eine Auswahl der kostenfrei verfügbaren Nachrufe: Iris Alanyali (Die Welt); Irene Binal (NZZ); Alexander Cammann (taz); Peter Henning (Die Zeit); Marius Meller (F.A.S.); Sebastian Moll (Frankfurter Rundschau); Daniel Völzke (Der Tagesspiegel); Werner Zeppenfeld (ARD-Tagesschau – Video). Am 19.12.2007 schließlich nahm in der Welt Mailers jüngster Sohn John B. Mailer öffentlich Abschied von seinem Vater.

 

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