Just left the building: Werner Dürrson

Vom Vater für einen Nichtsnutz gehalten werden, dafür Schläge bekommen. Und ein Leben lang versuchen, ihn und sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Die Erfahrungen dieser unheilvollen Vater-Sohn-Konstellation kulminieren in Werner Dürrsons Roman Lohmann oder die Kunst, sich das Leben zu nehmen. Eine romaneske Biographie, den der Lyriker, Erzähler, Essayist und Übersetzer als das größte Projekt seines Lebens bezeichnet hat. Nun ist Werner Dürrson, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten und einzigen Romans, am vergangenen Donnerstag im Alter von 75 Jahren gestorben.

1932 in Schwenningen am Neckar geboren, absolvierte Dürrson nach der Mittleren Reife eine handwerkliche Lehre; von 1953 bis 1955 studierte er mit einem Stipendium Musik und holte anschließend das Abitur nach. Lange hielt es ihn nicht ausschließlich bei der Musik, es zog ihn hin zu den Worten: 1957 begann er, Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaften zu studieren; die Promotion folgte 1962. Als Dozent lehrte er in Poitiers (Frankreich) und als Gastdozent sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Immer wieder lockte es ihn in die Ferne: Er unternahm ausgedehnte Reisen nach Südafrika, Amerika und durch Europa.

Seine künstlerische Tätigkeit begann schon während seiner Ausbildungszeit, die er selbst als äußerst bedrückend empfand – schließlich hatte er sich wieder einmal dem elterlichen Wunsch gebeugt, etwas »Ernsthaftes« zu lernen. In dieser Phase seines Lebens schrieb Dürrson seine ersten Gedichte, für die er 1951 einen Lyrikpreis der Südwestpresse erhielt. 1956 begegnete er zum ersten Mal Hermann Hesse und widmete ihm den umfangreichen Essay Hermann Hesse – Vom Wesen der Musik in der Dichtung. Er beeinflusste Dürrson als Vorbild, Förderer und Freund. 1959 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband Blätter im Wind, dem noch viele weitere folgen sollten. Für sein lyrisches und erzählerisches Werk erhielt Dürrson zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, etwa den Deutschen Kurzgeschichtenpreis (1973 und 1983), den Literaturpreis der Stadt Stuttgart (1978) und den Eichendorff-Literaturpreis (2001).

Dürrsons Poesie ist abwechslungsreich und analytisch, politisch und kulturkritisch und beweist dabei den hohen ästhetischen Anspruch des vielseitigen Künstlers, der übrigens ein ausgezeichneter Mundharmonikaspieler war und dessen Sprache einmal als »hoch musikalisch« gelobt wurde. Seine Akribie und sein Perfektionismus werden auch in seinem Roman und dessen Entstehungsgeschichte deutlich: Für den Lohmann hat Dürrson gesammelt, seit er zwanzig war. Immer wieder hat es ihn gedrängt, die dominante Vaterfigur literarisch aufzuarbeiten und »gegen sie anzuschreiben«, wie er es selbst einmal formulierte. Gleichzeitig aber fragte er sich: »Hat er mich denn zum Dichter geschlagen?«

Ein beständiges Leben zum

Ein beständiges Leben zum Trotz mit dem Kampfrüstzeug des Wortes, statt dem des Schwertes ist alles, was man solchen Vätern entgegenetzen kann. Entgegen der verbreiteten Auffassung, dass Kultur und Kunst in deutschen Landen gerne Achtung erfahren dürfen, schaut die Wirklichkeit oft genug anders aus. Werner Dürrson, der überhaupt keinen Wert darauf legte, dass man den Titel erwähnte, und sich darüber wohl bewusst war, was Menschenwerk am Puls der Natur anzurichten vermag, wenn es so rücksichtslos und brachial angewendet wird, wie in unserer Zeit, gehörte zu einer aussterbenden Art sinnesgebildeter Edelleute. Als müsse die Zeit Schicksal formen, so steiniger der Lebensweg umso schöner die Geistesblüte.
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Begegnung am Blautopf

Fremder
doch wie vertrauter Winterfreund
Weite fließt in wachen Augen
naturbelassen wasserklar
von Hesse berührt
auf Feinsinns Harmonie getragen
Stimme zarter Wohlklang
der bedacht in Gesten gehüllt
uns Unbehauene verwundern kann
Abendzauberer Natur-Anwalt
Behüter des Wassers
Siamesengefährte und Weltenwanderer
rein liebenswert Gemüt

 

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