Schuss in den Ofen

Der Roman Düsterbusch City Lights ist ein quälend langes Scheitern auf 380 Seiten

In seinem ersten Roman erzählt Alexander Kühne die Geschichte von Anton, der in einem kleinen Dorf mitten in der DDR lebt und aus seinem Heimatort eine Partyhochburg machen will. Wer sich neben ungestraften Partyeskapaden noch weitere Entwicklungen erhofft, wird enttäuscht. Nicht nur die Leute aus Düsterbusch, auch Kühnes Sprachstil stagnieren durch viele Klischees.

Anton lebt mit seinen Eltern in Düsterbusch, einem kleinen Dorf mitten in der DDR. Schnell wird jedoch klar, dass der Junge nicht hierher passt. Anton interessiert sich nicht für die Schule, sein Leben oder seine Mitmenschen. Das Einzige, was ihn wirklich begeistert ist westliche Musik. Schnell werden Alice Cooper, David Bowie und Depeche Mode zu seinen großen Vorbildern. Wer jetzt erwartet, dass Anton sich mit Fluchtplänen in den Westen trägt, liegt falsch. Zuhause bei Mutti fühlt er sich doch ganz wohl. Er will bleiben und etwas bewegen. Mit der Unterstützung seiner Freunde versucht Anton im Dorf eine Szenedisko zu etablieren und Düsterbusch zur Metropole zu machen. 

In Düsterbuch wimmelt es von verschiedensten Charakteren, alle paar Seiten führt der Autor Alexander Kühne jemand Neues ein und genauso schnell lässt er ihn auch wieder fallen. Alle auftretenden Personen wirken einseitig, eindimensional und entwachsen kaum ihrer klischeebehafteten Darstellung. Ob Dorftrottel, Partyschlampe oder Spießer, hier hat jeder sein Etikett. Doch wer braucht schon die Realität? Wie sein Romanheld hat auch Kühne in den 80ern versucht seinen Heimatort in eine Partyhochburg zu verwandeln. Mit Erfolg: Lugau in der Niederlausitz war bis Mitte der 90er das Zentrum westlicher Musik, mitten in einem der ländlichsten Teile der Zone. Das ist nicht immer einfach. Auch Anton stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Doch wer sich eine Entwicklung, ja gar Konsequenzen für das Handeln der Hauptfigur erhofft, wird enttäuscht. In Kühnes Roman passiert nahezu nichts.

Am Ende fällt endlich die Mauer

Aber nicht nur die Art, wie die Leute aus Düsterbuch im Roman auftreten, ist problembelastet, auch fällt es schwer der erzählten Geschichte überhaupt zu folgen. Das liegt zum einen daran, dass eine zeitliche Einordnung der Geschehen ausbleibt. Kapitel, die aneinander anschließen und Ereignisse schildern, die scheinbar nur ein paar Tage auseinander liegen, trennen nicht selten mehrere Jahre. Diese Zeitsprünge sind für den Leser nicht nachvollziehbar, da sie weder in der Entwicklung der Charaktere und auch nur selten in Form von Daten kenntlich gemacht werden.

Kühne macht es seinem Leser aber auch dadurch schwierig, dass sein Schreibstil geradezu ziellos und oberflächlich wirkt. Neben dem ostdeutschen Dialekt, wird man auch mit Jugend- und Fäkalsprache konfrontiert.  Das deckt sich zwar vielleicht mit der begrenzte Perspektive der Personen, stört aber am Ende vor allem die Lektüre. Langeweile, Frust, Desillusionierung, Resignation – Gefühle, die Außenseiter wie Anton zuhauf kennen, machen sich beim Roman Düsterbusch City Lights auch beim Leser breit. Über 380 Seiten hinweg präsentiert sich das Buch als ein quälend langes Scheitern, dessen einziger Wendepunkt am Ende schließlich der Fall der Berliner Mauer ist.  

Alexander Kühne: Düsterbusch City Lights. München: Heyne Hardcore, 2016. 380 Seiten. ISBN: 978-3-453-27018-3. 14,99 Euro. – Auch als E-Book erhältlich.

 

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