Aufmerksamkeit für die Randzonen

Mit Esther Kinsky übernimmt auch eine Übersetzerin die Thomas Kling-Poetikdozentur an der Universität Bonn

Nach Marion Poschmann hat nun die Übersetzerin und Schriftstellerin Esther Kinsky für die kommenden zwei Semester die Thomas Kling-Poetikdozentur an der Universität Bonn inne. Bereits während ihres Studiums wirkte die Autorin, die für ihr Werk in diesem Jahr auch mit dem Adelbert von Chamisso-Preis ausgezeichnet wurde, in der Stadt am Rhein.  Am kommenden Donnerstag hält sie um 19 Uhr im Bonner Universitätsforum ihre Antrittsvorlesung als inzwischen sechste Poetikdozentin.

Vor gut fünf Jahren richtete die Kunststiftung NRW an der Universität Bonn eine eigene Poetikdozentur ein und benannte diese nach dem Lyriker und Essayisten Thomas Kling, der 2005 verstarb und über die Grenzen des Rheinlands hinaus die deutschsprachige Literaturszene auf geradezu einmalige Weise prägte. Beeinflusst und im engen Kontakt zu Autoren wie H. C. Artmann, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker schuf er ein Werk, dass nicht nur der deutschen Lyrik den Weg ins 21. Jahrhundert ebnete, sondern bis zum heutigen Tag zu neuen Forschungsarbeiten anregt. Doch die Poetikdozentur soll nicht nur eine Erinnerung an den Sprachkünstler Kling sein. Vielmehr geht es den Initiatoren auch darum, herausragende Autoren mit einem Stipendium auszustatten, das mit der Lehrtätigkeit verbunden ist, und interessierten Studierenden darüber hinaus auch einen neuen Blick auf Literatur zu ermöglichen.

Die Liste der Poetikdozenten, die seit 2011 berufen wurden, ist beachtlich: Stefan Weidner, Barbara Köhler, Oswald Egger, Norbert Scheuer und zuletzt Marion Poschmann.  Im Sommersemester 2016 folgt als sechste Dozentin die Autorin Esther Kinsky. Sie wuchs bei Bonn auf und studierte an der dortigen Universität sowie in Toronto Slawistik und Anglistik. Ihr beachtliches Werk, für das sie in der Vergangenheit bereits mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde, besteht zum einen aus Übersetzungen aus dem Polnischen, Russischen und Englischen, zum anderen aber auch aus Prosa-, Lyrik- und Essay-Bänden. Zuletzt erschien bei Matthes & Seitz der Roman Am Fluss (2014) sowie – in Zusammenarbeit mit Martin Chalmers – der Reisebericht Karadag Oktober 13. Aufzeichnungen von der kalten Krim (2015).

An der Grenzlinie zwischen eigener und fremder Sprache

In ihren literarischen Arbeiten gilt Kinskys Aufmerksamkeit den Randzonen des zivilisatorischen Lebens. So vermitteln bereits die Titel nicht nur der jüngst erschienenen Bücher, sondern auch die der Veröffentlichungen weiter zurückliegender Jahre wie zum Beispiel Aufbruch nach Patagonien oder aber auch Naturschutzgebiet einen Eindruck davon, wie bei ihr die Natur in die Poesie einzieht. Kinskys Texte leben, wie es ihr die Presse attestiert, nicht nur von »einer leuchtenden Klarheit, einer beglückenden Richtigkeit«, sondern auch einer Sprache, mit der es gelingt Augen zu öffnen. Dies schlägt sich nicht zuletzt auch in ihren Übersetzungen nieder, denen sie sich, wie ihr Essay Fremdsprechen (2013) beweist, auch von theoretischer Seite nähert, wenn sie mit Blick auf die Veränderung von Namen und Dingen genauer beleuchtet, wo die Grenzlinie zwischen eigener und fremder Sprache verläuft.

Am 28. April wird die Autorin im Universitätsforum Bonn um 19 Uhr erneut darüber sprechen, wenn sie ihre Antrittsvorlesung unter dem Titel »Irrgast. Umwege zur Umbennenung der Welt« halten wird. Bestandteil dieser Veranstaltung sind auch zwei Laudationes, bei denen neben der Bonner Literaturwissenschaftlerin Sabine Mainberger auch Kinskys Vorgängerin Marion Poschmann zu Wort kommt. In den kommenden Monaten wird Kinsky diverse Termine in Bonn absolvieren, zu denen neben einem wissenschaftlichen Seminar auch Veranstaltungen wie die Lesung am 13. Juni um 20 Uhr in der Buchhandlung Böttger gehören.

 

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