Lichtblick

Passend zur Jahreszeit gibt sich Manfred Poser heute spirituell inspiriert

An Weihnachten muss es funkeln. Freitag ist für mich immer ein besonderer Tag. Nicht nur wegen des »Ausreißversuchs«, sondern auch wegen des »Mystery«-Abends auf Kabel eins (der heute aber ausfällt). »Ghost Whisperer« (20.15) und »Medium« (21.15) sind Serien-Episoden, zerhackt in sechs oder sieben Teile, die dann in regelmäßigen Abständen in das stupide Werbe-Repetierfeuer des Senders platzen ...

Die süße Jennifer Love Hewitt kann als Melinda Geister sehen und schickt sie dann ins Licht. Geh ins Licht! Während Patricia Arquette als Medium Allison andauernd aus Alpträumen hochschreckt, die wahr waren oder wahr wurden. Schön: Tom Harrison aus Spanien schickte mir eine Grußkarte und möchte mit mir plaudern. Der 90-Jährige hat ein Buch über den Zirkel seiner Mutter Minnie geschrieben, bei dem sich in der heimischen Küche in Middlesborough tote Verwandte quicklebendig meldeten, die Oma auf und ab spazierte. Genau wie bei John Sloan in Glasgow.

 

St. Gallen, Wildpark St. Peter und Paul (Foto: Manfred Poser) Dorthin führt einstens der Weg: ins »undiscover’d country from whose bourn / no traveller returns« (Shakespeare, »Hamlet«). – St. Gallen, Wildpark St. Peter und Paul. (Foto: Manfred Poser)

 

An Weihnachten darf man spirituell sein. Für mich hat sich etwas Entscheidendes getan. Nun glaube ich an das Überleben des Todes; am Weihnachten davor ahnte ich davon noch nichts. Ich las mich 2008 in die Literatur ein und kam zu dem Schluss, dass man ans Jenseits glauben kann und muss. Das Beweismaterial ist überzeugend. So finden vielleicht viele lose Enden zusammen. Das abgründige System der Quantenwelt, die Evolution, ein Überschuss an Schönheit und Bedeutung, unsere Begabungen und die offenen Fragen – es mündet vielleicht alles in eine höher entwickelte geistige Welt. Das bedeutet auch, dass sich mir die Frage nach deren »Beweger« stellt. Alles, was man über das Jenseits weiß, ist ausgerichtet auf eine unbegrenzte Kraft im Hintergrund, den ordnenden Gedanken, den Sinn des Universums oder die Hand, die das Feuerzeug an die Lunte des Urknalls hielt. Da fiel mir wieder die gnostische Gedankenwelt ein, die im dritten Jahrhundert ihre Blüte erlebte und dann erst gegen das Christentum den Kürzeren zog. Die Gnosis geht von einem außerweltlichen, guten Gott aus, der im Reich des Lichtes lebt. Hier unten ist das Reich der Finsternis, Schöpfung eines bösen, von Gott abgefallenen und von ihm verfluchten Archonten, der sich als guter Gott ausgibt. Der Kampf lautet Geist gegen Materie. Der gute Gott muss den Menschen zu Hilfe kommen und den Logos (Erlöser) durch sieben Sphären hinunterschicken zu ihnen, um ihnen von seiner Güte zu berichten und »den Weg zu zeigen, auf dem sie aufsteigen und an den bösen Dämonen vorbei zu Gott zurückgelangen können« (Hans Leisegang: Die Gnosis, 1955). Die Gnostiker empfanden unseren irdischen Aufenthalt als Exil. Zwei Bücher haben mich besonders beeindruckt: Robert Crookall, The Supreme Adventure (1961) und Hornell Hart, The Enigma of Survival (1959). Der erste Autor hat Bücher von Medien und Astralreisenden analysiert und die Elemente herausgeholt, die ihnen gemeinsam sind, was Übergang und Auffahrt in ein Schema einschließt; der zweite Autor, ein US-Professor der Soziologie, untersuchte, was für und gegen das Überleben des Todes spricht. Eine Literaturliste von 13 Seiten! Und Hart meint: »Die menschliche Persönlichkeit überlebt den Tod ihres Körpers.« Ich würde es angesichts der Vielzahl meiner bösen Taten bevorzugen, wenn die Klappe fiele und auf schwarzer Leinwand nur noch der Abspann folgte. Doch es wird anders sein. Gerhard weiß nun mehr. Ich habe meinen alten Bekannten am 20. Dezember in einem Hospiz in München noch einmal kurz gesehen; er war bei sich, versuchte zu sprechen und kämpfte noch, und ich habe ihm zum Abschied »Gute Reise« gewünscht. Am 23. Dezember um fünf Uhr morgens ist er dann gestorben. Vermutlich glitt sein Astralkörper (»Vehicle of Vitality«, umhüllend den »Soul Body«) davon, er sah sich daliegen, erlebte den Schnelldurchlauf durch sein Leben, bis er von verstorbenen Freunden und Verwandten begrüßt und weggeleitet wurde. Nach dreitägigem Aufenthalt in der nebligen Hades-Region reißt die Silberschnur endgültig ... dann der Erholungsschlaf. Unangenehm wird der Lebensrückblick, bei dem man erfährt, wie sich die fühlten, denen man wehgetan hat. Sodann Aufenthalt in der dritten Sphäre, die fast materiell wirkt, und auch der eigene Körper kommt einem vor wie der alte. Man kann sich ein Haus aussuchen, das man mit Gedankenkraft auch umbauen darf. Aber nun muss man sich beschäftigen. Die einen helfen Leuten, die gerade gestorben sind, andere sind Künstler (Musik ist besonders wichtig) oder halten Vorträge. Dabei nie vergessen, dass man spirituell weiterkommen will. Die weiteren Sphären warten. Und: Seligkeit herrscht vor.

 

St. Gallen, auf der Olma, September 2008 (Foto: Manfred Poser) Sie schauen vielleicht hinüber nach »Summerland«, wie der Spiritualist Andrew Jackson Davis vor 150 Jahren sein Jenseits nannte. – St. Gallen, auf der Olma, September 2008. (Foto: Manfred Poser)

 

Nicht alle freilich sind glücklich. Die Bösen und diejenigen, deren liebste Beschäftigung stundenlange Besuche im Baumarkt und bei Pro 7 waren, brauchen nun Hilfe. Was is’n nun? Manche hocken in baumloser Dürre und langweilen sich. Das kann Jahrhunderte dauern. Oder sie gehen aus alter Anhänglichkeit und Fantasielosigkeit zurück auf die Erde, irren umher und keiner sieht sie. Es geht drüben darum, anderen zu helfen, und man wird einem, der desorientiert im Nebel sitzt, sagen, wie Melinda es tut: »Da oben ist das Licht, geh ins Licht! Denk nicht an deinen Hobbykeller oder den Geländewagen, die du zurücklassen musstest. Du bist jetzt ein Geist, du kannst deine Welt gestalten und verändern mit bloßem Denken!« Natürlich ist es verfrüht, schon ans Jenseits zu denken. Die Energie, die man hat, sollte man dazu verwenden, sich zu verwirklichen, seinen Mitmenschen zu helfen und die Welt zu verbessern. Doch zu wissen, dass es eines Tages hinausgeht in die Helligkeit, verändert die Lebensperspektive. Ein leichter Rausch hat mich erfasst. Trotzdem will ich in den »Ausreißversuchen« 2009 klaren Kopf bewahren und von irdischen Dingen schreiben, viel radfahren und lernen. Alles zu seiner Zeit, und damit einen guten Rutsch und ein recht gutes Neues Jahr für alle meine Leser!

 

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