Vom Versuch, anzukommen

Rattenrennen – Etappe 2

In Deutschland wohnten wir in einer kleinen 3-Zimmerwohnung in einem sehr alten Haus. Alle zwei Jahre musste mein Alta das Wohnzimmer neu tapezieren, nachdem der Qualm von Generationen von Zigaretten sich wieder mal in der Tapete manifestiert hatte. Die Gasse, in der wir wohnten, würde man heute als hip und Multi-Kulti bezeichnen. Schräg gegenüber von uns wohnte ein älteres deutsches Paar, die Hügels, das diesem speziellen Charme allerdings nicht viel abzugewinnen wusste. Die Hügels beobachteten uns in bester Stasi-Manier von morgens bis abends. »Ihr Saupack! Macht dort keinen Lärm! Seht zu, dass ihr in euer Land zurückgeht!« Uns beeindruckte das damals wenig – wir tobten so lange draußen herum, bis entweder Herr oder Frau Hügel motzend oder kreischend den Gehstock in unsere Richtung schwangen in der wilden Entschlossenheit, uns zu verprügeln. »Verschwindet, ihr Saubande, oder ich hol’ die Polizei!« war unser regelmäßiges Signal, die Flucht zu ergreifen. Als sie ihre Drohung dann tatsächlich einmal wahr machten, war die Folge für alle überraschend: Auch die vertrauensvoll konsultierte Staatsmacht konnte nichts anderes feststellen, als dass Kinder auf der Straße Fußball gespielt hatten.

Mit sieben Jahren kam ich in die Grundschule, die von einem Tyrannen namens Bart geleitet wurde. Er war ein alter Nazi mit Hitlerfrisur, der mit tiefer, bedrohlicher Stimme sowohl die Lehrerschaft als auch die Schüler regierte. Seinen Kopf, unter dem die Ansätze eines Doppelkinns hingen, zierte eine Colaflaschen-Unterboden-Brille. Gleich zu Beginn hatte ich das absolute Pech, dass Herr Bart mein Klassenlehrer wurde. Für die nächsten zwei Jahre würde er mit seiner riesigen Gestalt unser Klassenzimmer mit Schrecken erfüllen. Als Nutella-Kind war ich es, der des Öfteren als Blitzableiter für seine Aggressionen herhalten musste. Seine Opfer wählte Bart strategisch nach Wohnsiedlungen. Wer das Glück hatte, in den nobleren Vierteln zu wohnen, wurde in Ruhe gelassen und manchmal sogar gefördert, der Rest gehörte dem Mob an und hatte folglich Pech. Besonderen Gefallen fand Herr Bart daran, in den Unterrichtsstunden Tatjana, ein jugoslawisches Mädchen, zu ohrfeigen oder sogleich von oben auf den Kopf zu schlagen. Das kannte sie schon von zuhause, wenn ihr Vater nach der Arbeit auf dem Bau noch ein paar Flaschen Bier auf seine Aggressionen gekippt hatte. Zu ihrem doppelten Unglück wohnte Tatjana zum einen mit ihrem Vater unter einem Dach und saß zum anderen in der Schule direkt vor Herrn Bart. Als wir das erste Mal Zeuge wurden, wie Bart ausrastete und Tatjana schlug, saßen wir da wie gelähmt. Um in keinster Weise aufzufallen und sich möglichst unsichtbar zu machen, senkten viele ihre Köpfe.

Ich blieb von Barts Tyrannenherrschaft genausowenig verschont wie mein Freund Ferhat, der neben mir saß. Während Bart im militärischen Stechschritt steifbeinig durch den Klassenraum marschierte, teilte er mit Vorliebe Kopfnüsse aus. Diese waren so schmerzhaft, als würde einen eine Bärenklaue treffen. Indem ich den Kopf tief nach unten beugte, konnte ich nur mit Mühe meine Tränen verstecken. Im Verhältnis dazu zählte Kreide-Schmeißen noch zu seinen harmloseren Maßnahmen, wobei auch dabei Tatjana sein bevorzugtes Opfer war, was seiner nachlassenden Sehkraft geschuldet war. Direkt vor ihm zu sitzen, war die Arschkarte zum Quadrat.

Ich bin mit der dritten Generation der Kartoffelkinder aufgewachsen. Ihre Großväter haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft und mit ihrer Erfahrung, ihrem Trauma oder ihren Schuldgefühlen auf die eine oder andere Art ihre Enkel geprägt. Einer, in dessen Familie die immerhin dreißig Jahre zurückliegende Schmach der Kapitulation allem Anschein nach schlecht verkraftet wurde, war mein Mitschüler »Langer«. Gemeinsam mit einem anderen Nazikumpel, der sich dadurch auszeichnete, auf Faschingsfesten gerne in der SS-Uniform seines Großvaters zu erscheinen, besuchte er meine Klasse. Besonders im Geschichts-Leistungskurs, worin er zur Freude diverser Mitschüler ausgerechnet neben mir saß, machte er aus seiner Einstellung keinen Hehl. Selbst den Lehrern ging diese Demonstration deutscher Beharrlichkeit zu weit, was zur Folge hatte, dass die jüdischen Mitschüler eine Art Bannmeile von 30 Metern spendiert bekamen, die ihnen leidliche Ruhe vor dem Nazi garantiert hätte, falls sie jemals eingehalten worden wäre. Da wir Kanaken scheinbar als weniger schützenswert galten – und »Nazi-Langer« eine Bannmeile zu uns ohnehin genauso ignoriert hätte – hatte ich das zweifelhafte Vergnügen direkter Tuchfühlung, das sich in permanentem Rauchgestank und dem Anblick der einschlägigen Kampfmontur niederschlug. Der Eindruck tiefschwarzer ungewaschener Klamotten wurde durch den Anblick von Springerstiefeln abgerundet. Es hat lange gedauert, bis ich Tyrann Bart und den eigenwilligen Klassenverbund losgeworden bin. Manchmal ertappe ich mich noch heute dabei, wie ich an ihn zurückdenke.

Nach dem Abitur und unserem Umzug in die nächstgrößere Stadt veränderte sich mein Leben insofern, als man nun am Wochenende richtig was erleben konnte. Zentrum aller halsbrecherischen Unternehmungen war der ortseigene Busbahnhof. Hier stolzierten allabendlich krakeelende junge Kanaken in Jogginganzügen umher. Obwohl sie nichts Gefährlicheres taten, als lautstark ihre Ansichten über Gott und die Welt kundzutun, umgab sie die Aura der Unterwelt. Kein Bulle legte Wert darauf, in diese Stadt versetzt zu werden. Mein Cousin zweiten Grades wusste von gefährlichen Massenschlägereien und selbstmörderischen Tumulten zu berichten. Seine Geschichten klangen so unglaublich, dass ich an ihrem Realitätsgehalt zunächst gewisse Zweifel hegte. Doch dann kam der Nachmittag, an dem ich mit meinem alten weißen Mazda in Schrittgeschwindigkeit um den Busbahnhof cruiste und mich plötzlich in eine regelrechte Schlacht versetzt sah, wie man sie aus alten Gangsterfilmen kennt. Vier Bullen kämpften gegen eine Masse von scheinbar tollwütigen Ausländern. Kanaken, Jugos, Albaner, Araber – alle Abtrünnigen der Gesellschaft schienen vertreten zu sein. Jeder kämpfte gegen jeden, die Fäuste flogen von links nach rechts, die Cops prügelten mit ihren Knüppeln dazwischen und vollbrachten das Kunststück, die rasende Meute damit noch ein bisschen rasender zu machen. Es dauerte eine ganze Weile, bevor die Uniformierten genug Verstärkung beisammen hatten, um diese »Demo« aufzulösen. Die verdächtigen Revolutionäre wurden von den Cops eingesammelt und aufs Revier verfrachtet. Ein paar Stunden später standen die einschlägigen Gangstas allesamt wieder am Busbahnhof und taten so, als wäre nichts gewesen.

Am Busbahnhof gab es durchaus üble Jungs, mit denen man besser nicht um die Häuser zog. Mutlu, übersetzt der »Glückliche«, war eines der Paradebeispiele. Er bekam etliche Einlieferungsscheine für das nächstgelegene Irrenhaus, doch jedes Mal, wenn ihn die öffentliche Hand dorthin zerrte, wurde er in Rekordzeit rehabilitiert und stand wieder am Busbahnhof. Der Verdacht, dass er diese wundersamen Genesungen erreichte, indem er seine behandelnden Ärzte bedrohte, war nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Typ schien total bescheuert, der schrägste Kanake überhaupt. Um wie der Bösewicht aus dem ersten Teil der Highlander-Saga auszusehen, stach er sich Sicherheitsnadeln durch den Hals. Ansonsten wirkte er aufgrund seiner harmlosen Körperstatur zunächst nicht sonderlich bedrohlich – eine optische Täuschung, die sein für einen Kanaken eher atypischer Bartwuchs noch unterstrich, indem er ihm das Aussehen einer Ziege verlieh. Trotzdem: Auf mich wirkte der Typ stets hochexplosiv, wie kurz vorm Überkochen. Außer Mutlu gehörte auch Yildrim (übersetzt: Blitz) zu den bösen Jungs. Mit seinen knapp einssiebzig Körpergröße und einem etwas pummeligen Körperbau brauchte er schon eine gigantisch große Klappe als Kompensation für sein harmloses Äußeres. Und die konnte er neben einem Höchstmaß an Penetranz auch vorweisen! Genaugenommen war er der personifizierte Dummschwätzer. Zudem schien er in so ziemlich jeden Mist verwickelt, wenn nicht gar dessen Auslöser. Eine weitere Eigenheit von Yildrim waren seine äußerst detailreichen und fantastischen Geschichten. Sobald er zu einem seiner Dramen ausholte, fingen meine Cousins und ich an zu lachen. „Ich schwör’s, Moruk! Kendi gözlerim’le gördüm“ (Ich hab’s mit eigenen Augen gesehen), versicherte er uns, aber wir glaubten ihm kein Wort. Er hätte tausend Jahre alt sein müssen, um auch nur die Hälfte erlebt zu haben. In der Liga der Busbahnhof-Gangstas gab es außerdem noch den Ex-Knacki Tekin, einen Verwandten von mir. Während seine beiden Kollegen schon nicht gerade riesig waren, schrammte er mit seinen gerade mal einssechzig knapp an dem Prädikat kleinwüchsig vorbei. Dafür hatte er an Statur einiges zu bieten, nachdem er bei seinem letzten Haftaufenthalt mit Krafttraining begonnen hatte. Tekin war unglaublich eitel und besorgte sich statt eines Jobs sogleich einen Platz im Fitnessstudio, sobald er aus dem Bau gekommen war. Auch sonst lebte er in seiner eigenen Matrix und huldigte dem Glauben, alles tun zu können, was er wollte. Nur so ist zu erklären, wie er in einer Silvesternacht auf die Idee kommen konnte, hemmungslos Böller in die offenen Fenster einer Polizeistreife zu werfen. Tekin war der Älteste neben seinen vier Geschwistern, um die er sich aber – die Tradition ignorierend – herzlich wenig kümmerte. Wenn er blank war, bekam er von der Mutter etwas Geld zugesteckt – das einzige, was er jemals von seinem Vater bekam, war Prügel. Im Gegensatz zu seinem Vater wurde Tekin selbst aber irgendwann abgeschoben. Sein Alta hatte vor der Wende in einer Metallfabrik gearbeitet, die ihren Standort später aus Kostengründen nach Ostdeutschland verlegte. Kaum entlassen, stürzte sich Tekins Vater in ein neues fantastisches Projekt, das in einer gepachteten Kneipe bestand. Dort pokerte er Tag und Nacht mit anderen Verlierern um Kohle. Jede Pechsträhne endete damit, dass er in der Verwandtschaft bettelte und sich Geld borgte. Anschließend ging er nach Hause und vertrimmte seine Frau, bis er schließlich wegen Steuerhinterziehung und einiger anderer Delikte in Haft landete. Dort traf er den 17-jährigen Murat, der seinerseits einige Zeit wegen einer sinnlosen Prügelei absitzen musste. Die beiden kamen ins Gespräch und Tekins Vater verblüffte seinen Zellengenossen mit dem Plan, in einer nahegelegenen Spielhalle Automaten zu knacken. Murat glaubte, im falschen Film gelandet zu sein und fragte völlig erstaunt: „Allo amca? Nerede oldugunu bilivormusun?“ (Hallo Onkel? Weißt du überhaupt, wo du hier bist?)

Murat war eigentlich ein lieber Kerl, der unter einem ernsthaften Problem litt: Er konnte seine Emotionen nicht unter Kontrolle halten. Als ich mich an einem Samstagabend mit meinem Kumpel Ninja bei Mc Doof am Busbahnhof verabredet hatte, sahen wir plötzlich Murat, der schnurstracks an uns vorbeistürzte und am Tresen einen drogensüchtigen Penner zu Boden warf. Angeblich schuldete der Typ ihm 20 Mark – wem Murat sonst noch Geld geliehen hatte, wollte ich lieber gar nicht wissen. Der Penner zappelte panisch wie ein Käfer auf dem Rücken und verdankte es vor allem diesem Umstand, dass er nicht allzu viel abbekam. Murat schlug unterdessen unverdrossen weiter auf ihn ein, während hinter dem Tresen ein größerer Tumult ausbrach. Der pakistanische Angestellte an der Kasse brüllte „I ruif die Bolisei! Allo ihr!“, während die Jugos aus der Küche Murat mit „Mach den Wichser alle!“ anspornten. Mit einer letzten Ermahnung, das Geld schnellstens aufzutreiben, entließ Murat den Typen aus seiner Käferstellung. Während Ninja mit den Worten „bu salak’mi?“ (Hat der sie noch alle?!) ungläubig auf die Szene starrte, winkte ich den Verursacher des Aufruhrs zu uns rüber und fragte ihn, was der Scheiß sollte. Lammfromm kam Murat tatsächlich an unseren Tisch, begrüßte uns höflich, doch statt zu antworten grinste er freundlich und verschwand, ehe die Bullen antanzten. Wie Tekin kam auch Murat aus einer total kaputten Familie. Sein Vater hatte sich nicht nur frühzeitig aus dem Staub gemacht, sondern seiner Frau zusätzlich zu vier Kindern noch einen beträchtlichen Schuldenberg hinterlassen. Murat war die Nummer Drei in der Familie, sein Bruder Veli übernahm die Vaterrolle. Der Unterschied zu Tekin hätte nicht krasser sein können. Veli nahm so ziemlich jede halbwegs ehrliche Arbeit an, um zu verhindern, dass seiner Familie das Dach über dem Kopf weggepfändet wurde. Er opferte sich mit Leib und Seele für seine Mutter und Geschwister auf. Einmal, als ich den gerade auf Freigang entlassenen Murat von zuhause abholte, lag Veli auf dem Sofa und erzählte uns, wie lieb er den Kanarienvogel hätte, der fröhlich in seinem Käfig zwitscherte. Es war bereits der dritte seiner Art. Vorgänger Eins war eines unrühmlichen Todes gestorben, als Veli sich nach der Arbeit auf das Sofa – und leider auch auf den Vogel – fallen ließ. Nummer Zwei war in die Freiheit geflohen. Seinem Nachfolger schien das Schicksal weniger gnädig gesinnt zu sein, denn sein Käfig bildete den Mittelpunkt des nun unvermeidlichen Zigarettenqualms. Wie zur Illustration zog Veli ein paar Mal kräftig an seiner Kippe und pustete den Dampf in Richtung des noch lebenden Piepmatzes, der mit Sicherheit nicht der letzte in dieser tragischen Vogelreihe sein würde.

Das Straßenleben erfüllte ein defizitäres Bedürfnis, das weder Politik noch Gesellschaft hatten befriedigen können. Es bot den Jugendlichen das, was sie bisher am meisten vermisst hatten: Anerkennung. Wurden die Boyz aus ihrem künstlich erschaffenen Biotop wieder herausgerissen, stellten sie schnell fest, dass sie jenseits des Busbahnhofs kaum zurande und schon gar nicht zurecht kamen. Innerhalb des eigenen Universums mochten sie coole Outlaws sein und im Schein des Verbotenen glänzen, außerhalb der selbst gesteckten Grenzen waren sie nichts als Abschaum. Manche sahen entsprechend übel aus, aber viele von ihnen waren auf ihre Art auch freundlich und hilfsbereit. Wer aber einmal im Archipel Busbahnhof drinsteckte, kam so schnell nicht wieder raus. Von echten Dummheiten hielt ich mich stets fern und profitierte von dem wundersamen Glück, dass mit Ausnahme der Endzeitschlacht rund um meinen Mazda in meinem Beisein auch keine stattfanden. Aber auch ohne direkte Beteiligung oder auch nur den Wunsch danach, gewann ich einen tiefen Einblick in jene Welt von Guerilla-Romantik gemischt mit Halbseide und spannenden Abenteuern. Das Ganze übte einen magischen Reiz aus. Was mich trotzdem – mehr noch als Vernunft und Einsicht – von einer aktiven Beteiligung abhielt, war das Wissen um den Traum meiner Eltern. Wie hätte ich ihre Vorstellung für mein Leben sehenden Auges vernichten können?

Wie aber konnte diese magische Geheimwelt innerhalb der vermeintlich normalen überhaupt zustande kommen? Waren es die kaputten Familien, die die Jungs ganz einfach dazu zwangen, ihre natürlichen Überlebensinstinkte zu aktivieren? Oder war es der Mangel an frühzeitiger staatlicher Unterstützung für ausländische Kinder, weil man dachte, ihr Aufenthalt in diesem Land würde nicht lange dauern? Vielleicht ist an beidem etwas dran. Wer nun meint, dass ich gewissermaßen den Erfolg der deutschen Zuwanderungspolitik beweisen würde, weil ich ja schließlich keiner von denen geworden bin, dem sei entgegnet: Ich sehe mich als eine große Ausnahme. Vielleicht war ich einfach strapazierfähiger, gleichgültiger oder habe das Anderssein erfolgreicher kanalisieren können als all die anderen; ich weiß es nicht. War es schlicht Zufall? Schicksal? Eine andere Art von Leidensfähigkeit? Das Vorbild meiner Eltern und mein Respekt ihnen gegenüber? Ein bisschen von allem? Vielleicht.

Nach und nach löste sich die erste Generation der Busbahnhof-Gang auf und wurde von Albanern mit Voku-Seikü-Hila-Frisuren abgelöst. Heute hätte man die Abtrünnigen womöglich zusammen mit ein paar Sozialarbeitern in sandumwehte Wüstencamps gesteckt. Vielleicht wären sie dort auf ähnliche Jungs aus Ostdeutschland getroffen – deren Uniform hätte allerdings aus Springerstiefeln und kahlrasierten Schädeln bestanden. Vielleicht würden sie heute alle irgendwo ein friedliches Dasein fristen. Vielleicht. Wie so oft im Leben war das reale Ende weniger fernsehtauglich: Murat und Tekin wurden in die Türkei abgeschoben, Murats älterer Bruder sprang von der Autobahnbrücke, und von den übrigen Jungs habe ich nie mehr gehört. Womöglich sind sie im Knast, womöglich abgeschoben oder sogar tief unter der Erde. Wer weiß. Übrig geblieben sind nur Erinnerungen und wertvolle Lebenserfahrung direkt von der Straße.

Mitarbeit: Kathrin Peter

In den kommenden Wochen werden wir an dieser Stelle weitere Etappen aus Tekin Tegidas Erzähltext Rattenrennen präsentieren. Den ersten Teil gibt es hier.

 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!