Showtime

Kings of Leon spielten Ende Februar im Kölner Palladium auf – und wirkten erschöpft

Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium (Foto: © Caroline Fuchs)
Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium
(Foto: © Caroline Fuchs)

Das Licht geht aus, eine schaurige Opernmelodie wabert aus den Lautsprechern. Pfiffe und Rufe werden aus der Menschenmasse nach vorne geworfen. Dann betreten Kings of Leon die Bühne und die Mädels fangen an zu schreien. Noch ist alles dunkel, doch als der erste Takt beginnt leuchten die Scheinwerfer auf, das Innere des Kölner Palladiums ist hell erleuchtet. Was für ein Auftritt. Kings of Leon, das sind die drei Brüder Nathan (Schlagzeug), Caleb (Gesang/E-Gitarre) und Jared Followill (Bass), sowie ihr Cousin Matthew Followill (E-Gitarre). Seit ihrer Kindheit machen sie zusammen Musik, eine Mischung aus Alternative und Independent Rock, Blues und leichten Country-Einflüssen. Zwischen 2003 und 2008 haben sie bereits vier Alben veröffentlicht. Ein ziemlich hohes Pensum. Doch anscheinend hat die Qualität ihrer Musik nicht darunter gelitten. Den Followill - Brüdern bescherten die beiden letzten Alben (Because of the times und Only by the night) den bisher größten Erfolg ihrer Karriere. Inklusive ausschweifender Lobeshymnen von Oasis Mitgliedern und der britischen Musikpresse.

All of London sing | ’Cause England swing and they sure love the tales I bring | Those raining days they ain’t so bad when you’re the king | The king they want to be.

»Fans«
 
 
 
Kings of Leon (Foto: © Dean Chalkley)
Kings of Leon
(Foto: © Dean Chalkley)
 
 
 

Alle vier Band-Mitglieder sind in ihren Zwanzigern, der Jüngste, Jared, ist erst 22. Die Musiker haben ihre Jugend nach der Bandgründung im Jahr 2000 damit verbracht, zu touren und Alben aufzunehmen. Vielleicht ist das die Ursache, weshalb man während des Konzerts den Eindruck nicht los wurde, dass die vier sehr ausgelaugt sind. Noch Ende letzten Jahres war es fraglich, ob die Tour der Kings of Leon überhaupt stattfinden würde. Caleb, der 27 jährige Sänger, hatte mit Alkoholproblemen zu kämpfen, was innerhalb der Band für Unruhen sorgte. Auf der Bühne in Köln machten alle vier einen erschöpften Eindruck. Während der ersten Lieder hatte Caleb immer wieder mit seiner Stimme zu kämpfen, die nicht allen Tonlagen stand hielt.

Caleb genoss das Bad in der Menge offensichtlich, jedoch schien er ein wenig zu sehr abgetaucht in die Rolle des Rockstars. Nach jedem zweiten Lied schmiss er großzügig sein Plektrum ins Publikum und am Ende des Konzerts sogar sein Schweißtuch. Sein älterer Bruder Nathan, der muskelbepackt auf das Schlagzeug einhämmerte, immer voll konzentriert, fast immer Kaugummi kauend, übertrumpfte Calebs Aufritt noch: Als die Band zur Zugabe wieder auf die Bühne kam, hatte er eine Bierflasche in der Hand. Er stellte sich breitbeinig hinter sein Schlagzeug, welches auf einem Podest auf der Bühne stand, und exte das Bier innerhalb einiger Sekunden um sich dann hinzusetzen und die Flasche im hohen Bogen hinter sich gegen die Lichtinstallation zu werfen. Eine reife Aufführung des Rock’n’Roll-Einmaleins.

I’ll be that person ’til my dyin’ day. | I try so awful hard | But I can’t change.

»Black Thumbnail«

Ein Tritt gegen das Mikrofon beendete die Show der vier Amerikaner. Als Dank an die Fans haben sie 21 abwechslungsreiche Songs gespielt. Nur in wenigen Stücken, zum Beispiel »Cold Desert«, war die Musik stärker als die Show um sie herum. Mehr von dieser Intensität hätte dem Konzert gut getan. Calebs Stimme ist einzigartig und die Songs der Kings of Leon sind eindeutig dazu gemacht live und in großen Hallen gespielt zu werden. Vielleicht kommt beides wieder besser zur Geltung, wenn sich die Followill-Familie eine Auszeit genommen hat. Denn, sie haben ihr Bestes gegeben. Alle vier spielten ihre Instrumente mit wilder Passion, und spätestens nach dem fünften Song Closer ging diese Stimmung auch auf das Publikum über. Weitere Höhepunkte waren »Milk«, »Wasted Time« und natürlich der aktuelle Hit »Sex on Fire«. Aber was sie auch anstellten, irgendwie wirkten sie immer wie vier Jungs, die mit ihren Gedanken schon wieder zu Hause in Nashville waren.

Got a notion to say what doesn’t feel right | I just wanted to know if I could go home.

»Notion«

 

Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium (Foto: © Caroline Fuchs)
Kings of Leon beim Konzert im Kölner Palladium
(Foto: © Caroline Fuchs)

 
Fotos: © Dean Chalkley (1) | Caroline Fuchs (2)

 

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