»Das Wichtigste ist der Spaß an Weltliteratur«

Die Dauertheatersendung zeigt Shakespeares Othello in Bonn

Hektik auf der Bühne der Brotfabrik in Bonn. Kein Wunder, denn Dauertheatersendung, eine Kulturgruppe der Uni Bonn, probt ihr Stück Othello das erste Mal dort, wo sie auftreten wird. Während in einer Ecke noch Kampfszenen einstudiert werden, wird in der anderen ein Bett aufgebaut. Wir haben die Theatergruppe bei der Generalprobe besucht und uns von der Inszenierung mitreißen lassen.

Das Ensemble der Dauertheatersendung umfasst diesmal 18 Mitglieder. Neben Studenten werden Kenner außerdem Mitglieder der Bonn University Shakespeare Company (BUSC) wiedererkennen. Aber auch Berufstätige spielen mit. Darüber hinaus helfen sechs weitere Mitglieder bei Technik, Maske und Bühnenbild. Die Gruppe finanziert sich vollständig über die Einnahmen ihrer Aufführungen und trifft sich einmal in der Woche zum Proben. Mitmachen darf jeder. »Uns ist es wichtig, dass die Schauspieler Spaß am Theater und Lust auf die Texte der Weltliteratur haben«, sagt Regisseurin Xenija Zoller. Auch Musiker sind gerne gesehen, denn das Erzeugen besonderer Stimmungen ist der Gruppe sehr wichtig. So sind auch in der aktuellen Aufführung Gitarrenklänge und Gesang eingebunden.

Gegründet wurde die Gruppe von Xenija Zoller und Tobias Gülich im Frühjahr 2014. Als begeisterte Schauspieler beschlossen sie damals, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und ihre Leidenschaft für große literarische Texte auf die Bühne zu bringen. Das haben sie bereits mehrfach getan: Neben Hofmannsthals Elektra, Shakespeares Klassiker Romeo und Julia und Tschechows Der Kirschgarten, wendet sich die Gruppe erneut Shakespeare zu und präsentiert noch bis Samstag Othello in Bonn. Das Werk handelt von dem dunkelhäutigen Feldherren Othello, der die schöne Desdemona aus der Upperclass heimlich und ohne das Wissen ihrer Familie geheiratet hat. Doch dabei bleibt es natürlich nicht. Der von Othello übergangene Jago beginnt ein äußerst intrigantes Spiel, das niemanden verschont. Sehr eindrucksvoll gelingt es der Theatergruppe die enorme und zerstörerische Kraft der Eifersucht auf die Bühne zu bringen.

Der »schwarze« Othello ist nicht schwarz

Die Dauertheatersendung modernisiert in ihrer Inszenierung einzelne Elemente, indem sie beispielsweise Schwerter durch Pistolen ersetzt und Laptops benutzt. Der Text bleibt hingegen weitgehend unverändert, da – so die Meinung der Theatergruppe – gerade die stilistische Vielfalt und Textdichte das Besondere in Shakespeares Dramatik ausmachen. Und eben davon sollten sich die Zuschauer auch begeistern und mitreißen lassen. Dabei können vor allem Jago und Othello mit einer sehr starken Darstellung beeindrucken. Sie scheinen genau das umzusetzen, was die Regisseurin ihnen unmittelbar vor dem Spiel mit auf den Weg gegeben hat: sich in seine Rolle hineinversetzen, nicht aus der Ruhe bringen lassen und Spaß haben.

Während der Generalprobe klappt alles nahezu reibungslos. Hier und da muss noch das Licht getestet, die Positionen der Schauspieler verändert und der Bühnenumbau verbessert werden. Die Texte sitzen und die Schauspieler leben in ihren Rollen auf. Dass die Gruppe sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt, hat sie auch mit der Besetzung der Hauptrolle bewiesen. Diese fiel nämlich acht Wochen vor der Premiere aus. Der neue Othello musste innerhalb kurzer Zeit eine Menge Text lernen. Und obwohl eigentlich dunkelhäutig und im Stück oft auch als »schwarz« bezeichnet, steht in Bonn ein weißer Othello auf der Bühne. Aber auch das ist Theater. »Da kannst du auch ein schwarzes Kleid tragen, sagen es ist rot, dann ist das so«, so die Regisseurin.

Shakespeare: Othello. Tragödie. Dauertheatersendung: Inszenierung:  Xenija Zoller und Tobias Gülich. Premiere: 12.10.2016. Weitere Aufführungen: 13.,14. und 15. Oktober jeweils um 20:00 Uhr in der Brotfabrik Bühne Bonn. Karten sind erhältlich über BONNTICKET sowie die üblichen Vorverkaufsstellen.


 

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