Traumberuf Buchredakteurin

Als im Sommer 2002 die Studierenden bundesweit für eine gebührenfreie Bildung auf die Straße gingen und die Hochschulen bestreikten, machte sich Andrea Essers, damals Vorsitzende der Fachschaft Germanistik an der Uni Bonn, Gedanken darüber, wie man dem Protest eine konstruktive Note verleihen könnte. Zusammen mit ihren FachschaftskollegInnen gelang es ihr, Lehrende fast aller Fakultäten für einen »24-Stunden-Vorlesungsmarathon« zu gewinnen, der zu einem viel beachteten und gut besuchten Event wurde. Diese Erfahrung mag sie darin bestärkt haben, nach ihrem Abschluss einen Berufsweg einzuschlagen, der ihr Organisationstalent immer wieder neu fordert und ihren breit gefächerten Interessen entgegenkommt – zunächst als fest angestellte Projektmanagerin für Kinder- und Jugendmedien und schließlich im selben Bereich als freie Redakteurin, Autorin und Lektorin.Als im Sommer 2002 die Studierenden bundesweit für eine gebührenfreie Bildung auf die Straße gingen und die Hochschulen bestreikten, machte sich Andrea Essers, damals Vorsitzende der Fachschaft Germanistik an der Uni Bonn, Gedanken darüber, wie man dem Protest eine konstruktive Note verleihen könnte. Zusammen mit ihren FachschaftskollegInnen gelang es ihr, Lehrende fast aller Fakultäten für einen »24-Stunden-Vorlesungsmarathon« zu gewinnen, der zu einem viel beachteten und gut besuchten Event wurde. Diese Erfahrung mag sie darin bestärkt haben, nach ihrem Abschluss einen Berufsweg einzuschlagen, der ihr Organisationstalent immer wieder neu fordert und ihren breit gefächerten Interessen entgegenkommt – zunächst als fest angestellte Projektmanagerin für Kinder- und Jugendmedien und schließlich im selben Bereich als freie Redakteurin, Autorin und Lektorin.

 

Unsere zwölf Fragen, beantwortet von Andrea Essers:

  1. Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach? Zwölf Semester an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mein Studium der Germanistik und Philosophie habe ich mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen.
  2. Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren? Die klassischen Gründe, die die meisten Erstsemestler wohl angäben, würde man sie fragen: Spaß an guter Literatur und die Freude, darüber zu sprechen.
  3. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht? »Im Krebsgang durch ein Kapitel deutscher Geschichte. Die literarische Aufarbeitung der Gustloff-Katastrophe in Günter Grass’ Novelle.«
  4. Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt? So bahnbrechend waren meine Ergebnisse nicht, dass es sich lohnen würde, sie hier breitzutreten.
  5. Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus? »Eine(n) bevorzugte(n) Professor(in)« hatte ich eigentlich nicht. Aber die Vorlesungen von Herrn Professor Oehler und ein Hauptseminar bei Frau Professor Brüggen (zum Thema »Tristan und Isolde«) sind mir in sehr guter Erinnerung geblieben.
  6. Was war/ist Ihr(e) Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre? Eine präzise Antwort fällt mir schwer, da ich breit gefächerte Vorlieben habe. Generell mag ich Bücher, die die Zeit vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts thematisieren.
  7. Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben? Praktika bei einer Zeitung, beim Radio, beim Fernsehen und beim Bundestag sowie ein Job als studentische Hilfskraft beim Nachrichten- und Dokumentationssender Phoenix haben mir die Gewissheit gegeben, dass ich auf keinen Fall Journalistin werden möchte. Gleichzeitig habe ich dabei aber auch entdecken können, was ich gerne machen würde und wo meine Talente liegen: im Organisieren, im Recherchieren, in der Beschäftigung mit immer neuen Themengebieten und im verständlichen Erklären von komplexen Zusammenhängen.
  8. Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden? Verlagsredakteurin war in meiner Vorstellung ein Traumberuf. Nach meinem Studium habe ich daher zunächst ein Volontariat in der Kinder- und Jugendbuchredaktion beim Bibliographischen Institut & F.A. Brockhaus absolviert und im Anschluss daran als Projektmanagerin in der gleichen Redaktion gearbeitet. Nach vier Jahren als fest angestellte war der Weg geebnet für meine jetzige Tätigkeit als freie Redakteurin für Kinder- und Jugendmedien, was den Vorteil und die Herausforderung mit sich bringt, thematisch breiter gefächert und für unterschiedliche Verlage und Zielgruppen arbeiten zu können. Und ich bleibe dabei: Buchredakteurin ist ein Traumberuf.
  9. Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was? Mein Schwerpunkt liegt im Bereich Kinder- und Jugendmedien. Das heißt, ich übernehme die Bild- und Textredaktion bzw. die Autorenschaft vor allem für Kinder- und Jugendsachbücher, Schülerhilfen und Online-Angebote für diese Zielgruppe. Bei der inhaltlichen Aufbereitung der Themen haben mir daher bislang weder das Studium von Heideggers Sein und Zeit noch Schnitzlers Reigen geholfen. Aber an der Uni habe ich gelernt, mich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten, und das ist eine Kompetenz, die in meinem Arbeitsalltag eine wichtige Rolle spielt. Auch komplexe und schwierige Inhalte greifbar und verständlich zu machen, ist eine Fähigkeit, die ich mir im Studium angeeignet habe. Und auch die dabei erlangten sprachwissenschaftlichen Grundlagen erweisen sich immer wieder als nützlich, wenn es etwa gilt, Schülerhilfen zu redigieren oder Ritterbücher zu erstellen.
  10. Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)? Ich wüsste nicht, was ich stattdessen lieber studieren würde.
  11. Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht? Die im Verlag tätigen Redakteure haben zum Großteil Germanistik oder eine moderne Fremdsprache studiert. Das Verlagswesen ist eben eine klassische Domäne für Geisteswissenschaftler. Im Kinder- und Jugendbuchbereich ist auch die Kombination aus geisteswissenschaftlichem und Pädagogikstudium sehr verbreitet.
  12. Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen? »Was lest ihr gerade?« scheint mir eine gute Frage zu sein. Und mein weiser Rat: Das Studium als Spielwiese nutzen, um herauszufinden, was man wirklich kann und wirklich will.

 

Andrea Essers (Foto: privat)Andrea Essers, 1977 geboren in Heinsberg (NRW), studierte von 1997 bis 2003 Deutsch und Philosophie auf Lehramt (Sek. I/II) sowie Deutsch als Fremdsprache an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach dem ersten Staatsexamen absolvierte sie ein Volontariat in der Kinder- und Jugendbuchredaktion beim Bibliographischen Institut & F.A. Brockhaus in Mannheim und wurde anschließend übernommen. Als Projektmanagerin betreute sie zahlreiche Reihen und Titel unter den Marken Brockhaus, Duden und Meyers, unter anderem verschiedene Bände des »Kinder Brockhaus« und »Meyers kleine Kinderbibliothek«. Im Juni 2008 wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit als freie Redakteurin für Kinder- und Jugendmedien. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Foto: © privat

 

In unserer Serie Germanisten im Beruf haben seit 2006 bereits mehr als zwei Dutzend ehemalige Germanistik-Studentinnen und -Studenten Auskunft über ihren Werdegang und den Nutzen ihres Studiums gegeben; der Reihe nach: Martin Sonneborn (Titanic-Redakteur) – Jan Sting (freiberuflicher Journalist) – Axel Joerss (Journalist und Fotograf) – Christine Henschel (Wissenschaftslektorin) – Nikola Richter (Schriftstellerin und Journalistin) – Burkhard Spinnen (Schriftsteller) – Kathrin Passig (Autorin und Geschäftsführerin der »Zentralen Intelligenz Agentur«) – Adam Soboczynski (ZEIT-Redakteur) – Cornelia Schu (wiss. Referentin beim Wissenschaftsrat) – David Eisermann (Kulturjournalist und WDR-Radiomoderator) – Swantje Lichtenstein (Schriftstellerin und – seit Frühjahr 2007 – Professorin an der FH Düsseldorf) – Carla Christiany (Deutschlektorin an der Università di Bologna) – Christoph Wenzel (Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC]) – Christian Eichner (promovierter Rechtsanwalt und Germanistik-Habilitand) – Olaf Kutzmutz (Programmleiter Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel) – Andreas Wilink (Mitbegründer, -herausgeber und leitender Redakteur des Magazins K.WEST – das Feuilleton für NRW) – Tilman Krause (Literaturkritiker und leitender Literatur-Redakteur bei der Welt) – Andrea Vetsch (TV-Moderatorin im Schweizer Fernsehen) – Axel von Ernst (Schriftsteller und Verleger) – Bernd Draser (freiberuflicher Dozent) – Yvonne Büdenhölzer (Dramaturgin) – Reiner-Ernst Ohle (Theaterreferent) – Antje Schnadwinkel (Lektorin) – Maxim Hofmann (Kabarettist) – Sandra Heinrici (Organisationsassistentin der Biennale Bonn 2008) – Nicole Maus (PR-Beauftragte des Goethe-Instituts London) – Marius Kursawe (Unternehmensberater) – Barbara Wermann (Lektoratsassistentin) – Volker Oppmann (Verleger) – Jürgen Kaube (FAZ-Redakteur). – Weitere »Germanisten, die es geschafft haben«, folgen!

 

 

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