Ungewöhnliche Vorkommnisse

In ihrem Debütroman beweist Juliana Kálnay ihr erzählerisches Können

Am 13. Juni geht Dorian Steinhoffs Literaturshow IMPORT/EXPORT um 20 Uhr in eine neue Runde. Zu Gast ist dann die Autorin Juliana Kálnay, die in diesem Jahr ihr Debüt Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens veröffentlicht hat. In ihrem Roman erzählt sie außergewöhnliche Geschichten einer Hausgemeinschaft, die den Leser wie ein Puzzle herausfordern und zugleich aber auch neugierig darauf machen, was die Autorin noch zu erzählen hat.

Am nächsten Dienstag ist es um 20 Uhr in der Bonner Fabrik 45 wieder soweit: Dorian Steinhoff präsentiert in seiner Literaturshow IMPORT/EXPORT seinen nächsten Gast. Nach Hendrik Otremba begrüßt er diesmal die junge Autorin Juliana Kálnay, die vor kurzem erst ihren Debütroman Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens veröffentlicht hat. Die Autorin entführt ihre Leser in eine geradezu absurde Welt, in deren Zentrum das Haus Nummer 29 steht.

In den Wohnungen ereignen sich ungewöhnliche Vorkommnisse. Da ist die Rede von Maia, die dafür bekannt ist, dass sie mit ihrem Maulwurfshänden Löcher gräbt und dort versteckt. Irgendwann taucht sie nicht mehr auf. Der Leser lernt aber auch Lina kennen, deren Mann zu einem Baum geworden ist, den sie auf ihrem Balkon pflegt, und dann sind da auch noch die Wills, die keiner im Haus so richtig kennt und über deren Leben nur gemutmaßt wird.

Das Reale beginnt zu verschwimmen

Die junge Autorin tastet sich in ihrem Debütroman erzählerisch durch ein außergewöhnliches Haus. Sie spielt nicht nur mit Grenzen, sie überschreitet diese auch immer wieder und löst sie, wie es der Titel ihres Debüts bereits andeutet, schließlich sogar auf. Dabei erinnert ihr Text nicht nur an große Wohnhausromane wie George Perecs La Vie mode d’emploi, sondern auch an eine surreale Bilderwelt, in der neben Assoziationen gerade das Prinzip der Metamorphose gilt. Menschen bewegen sich an einer Schwelle, das Reale beginnt zu verschwimmen.

Kálnay, die 1988 in Hamburg geboren wurde und in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert hat, wagt in Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens keine Experimente. Sie beweist vielmehr, dass sie ihr literarisches Handwerk beherrscht, indem sie nicht nur zwischen unterschiedlichen Erzählperspektiven klug wechselt. Der Autorin gelingt es sich abwechselnde literarische Formen so zu montieren, dass ein unterhaltsamer Roman entsteht. Es ist ein Debüt, das den Leser nicht nur wie ein Puzzle herausfordert, sondern auch neugierig macht auf weitere Geschichten.

Juliana Kálnay: Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens. Verlag Klaus Wagenbach: Berlin, 2017. 192 Seiten. ISBN 978-3-8031-3284-0. 20,- Euro. – Auch als E-Book erhältlich.

 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!