Välkommen till Sverige oder eher Welcome in Sweden! – Mina första veckor i Växjö

Erwartungen, Erfahrung und Erlebnisse einer Bonner Studentin in Växjö, Småland

Freitag, 26.08.2011, Ankunft in Växjö, der Stadt, die in ihrem Namen einige der beliebtesten Buchstaben des Schwedischen vereint. Voller Vorfreude auf das schwedische Gemüt, das sich schon in der melodiösen Sprache ausdrückt, meisterte ich am Flughafen meine erste schwedische Konversation und erfragte den Weg zur Linnéuniversitetet. Mitten im Herzen Smålands werde ich ein Semester studieren und von dort aus in alle Himmelsrichtungen herauslaufen und Schweden erkunden. Mit dem Ausblick auf die traditionell rot-weißen Häuser, Felder und Wälder, viele blonde Schweden und einen kalten Winter stellte ich mich mit einem nicht ganz weltfremden Blick auch auf möglicherweise unschöne Ecken des Landes und auf sehr kurze, dunkle Tage ein und war gespannt auf die Dinge die da kommen mögen.

Unzählige Karten, der Campus und Kaffee – mit Zimt

Schnell und einfach erreichte ich den Campus mit weiteren drei deutschen Austauschstudenten, wobei sich kurz darauf herausstellte, dass wir nur eine kleine Anzahl darstellten im Verg1eich zu insgesamt 140 deutschen Austauschstudenten, von 510 Austauschstudenten insgesamt. Mit der Begrüßung im International Office begann die Rundum-Versorgung der Gastuniversität. In einer sonnengelben Tüte wurden uns alle erdenklichen Dinge überreicht, mit denen wir uns in den ersten Tagen beschäftigen sollten und wollten. Angefangen mit den Schlüsseln für unsere Apartments, die sich direkt auf dem Campus befinden, gab es außerdem Infozettel in Massen: über die Eröffnung eines schwedischen Bankkontos, die Adressen der Supermärkte und anderer Geschäfte in der Umgebung, die Funktionsweise der Uni-Internetplattform, Alkoholregulationen auf dem Campus, und das Aufenthaltsrecht – ja auch ein europäischer Austauschstudent braucht eine Aufenthaltsgenehmigung, wenn er länger als drei Monate in Schweden verweilen möchte. Mit Flyern für anstehende Events für alle Austauschstudenten, einer Karte des Campus, einem ›survival guide‹  und dem Programm des Orientierungswochenendes der Uni war das Rundum-sorglos-Paket geschnürt und der Student die erste Woche beschäftigt. Vor allem erprobten wir Austauschstudenten eine der liebsten Beschäftigungen der Schweden: in der Schlange stehen. Für sämtliche Karten, die man beantragen und abholen muss, für Formulare, die man einreichen muss, und sogar für Kaffee stehen sie ohne Beanstandung ruhig und geduldig wartend in der Reihe. Dabei wird der Deutsche ungeduldig und trauert über seine dahinschwindende, kostbare Zeit, da er sich sowieso schon fragt, warum es all dieser Karten bedarf. Die Antwort ist einfach: Das System besteht seit geraumer Zeit und hat sich bewährt; das es sehr kompliziert und überholt ist, spielt für den Schweden, der kein Aufheben und keine Diskussionen mag, keine Rolle. Daher haben wir Studenten nun eine Student Union Membership Card, die mehr oder weniger mit einem normalen Studentenausweis zu vergleichen ist, außer, dass man hier in Växjö dafür bezahlen muss. Außerdem haben wir eine Mecenat Card, die uns Studenten-Rabatte in jeglichen Bereichen garantiert, eine Bibliothekscard, eine ESN (Exchange Student Network) Card und eine Nation Card. Letztere sind vor allem für das Betreten der auf dem Campus angesiedelten Pubs obligatorisch. Dabei reicht es nicht, dass man für die Karte allein schon 50 Kronen gezahlt hat, der Eintritt kostet weitere 70 Kronen. Ein Vorurteil lässt sich also bestätigen: Schweden ist teuer. Auch die Supermarktpreise sind durchschnittlich ein wenig höher als in Deutschland, doch das Land ist es ganz bestimmt wert.

Foto: Lina Rieth

Småland, die Astrid Lindgren-Welt mit den typisch roten Häusern, ist ohne jede Frage ein idyllischer, schöner Fleck Schwedens. Das Wetter Ende August ist jedoch eher abwechslungsreich hier. Innerhalb einer Stunde kann es von strömendem Regen zu wunderschönem Sonnenschein mit strahlendblauem Himmel aufklaren. In den Sonnenmomenten ist es herrlich den Campus zu entdecken, die Umgebung zu erkunden. Vier Seen liegen rund um die Universität und zwischen den neuen, modernen Gebäuden sind viele, viele Wiesen, kleine Teiche und Tennisplätze angelegt. Das schöne Bonner Schloss können die neuen Gebäude zwar nicht übertreffen, dabei verfügen sie jedoch sonst über diverse andere Vorzüge und das Teleborgs Slott, am Rande des Campus gelegen,  macht dem Bonner Schloss große Konkurrenz (Teleborg ist der Name der Gegend und für alle Nicht-Schwedisch-Sprecher: Slott heißt Schloss). Der Campus hat von A bis Z beinahe alles zu bieten und erinnert daher an ein schickes, kleines Dorf. Neben der modernen Einrichtung in den Universitätsgebäuden stehen überall Computer und Drucker zur Verfügung, an denen man sich mit einem von der Uni eingerichteten Benutzernamen und Passwort jederzeit einloggen kann. Viele und große Fenster machen die Gebäude hell und freundlich und mit einigen Tischen und Stühlen für Gruppenarbeiten oder Kaffee-/Mittags-Pausen herrscht eine gemütliche Atmosphäre. Neben kleinen Cafés wartet hier und da eine Küche auf, in der man sich sein mitgebrachtes Mittagessen aufwärmen kann und seinen Joghurt in den Kühlschrank stellen kann. Jedem Gebäude ist praktischerweise je ein Buchstabe zugewiesen, welche im Nu ihre liebevolle Verwendung in unserer Alltagssprache gefunden haben. So schaue ich – Teil des Rundum-wohlfühl-Pakets – jeden Montagabend einen schwedischen Film im K-Building und meinen Lieblingskaffee wird im H-Building verkauft. Schon gewusst!? In jedem Café kann man sich hier neben Zucker auch Kardamom und Zimt in seinen Kaffee streuen. Letzteres ist wirklich ein Genuss!

Schweden sprechen nicht nur gut Englisch, sie sprechen es überall

Da schon das Äußere der Uni sehr ansprechend wirkte, sah ich dem Kursbeginn in freudiger Erwartung entgegen. Von Semesterbeginn kann wirklich keine Rede sein, denn jeder Kurs startet unterschiedlich, manche innerhalb der ersten zwei Wochen, andere erst Ende September oder gar Anfang November. Übersichtlich wird ein Semesterplan also nie und auch die einzelnen Kurse finden meist nicht wöchentlich zur gleichen Zeit am gleichen Ort statt. Auch nach drei Wochen habe ich demnach keinen regelmäßigen Rhythmus, geschweige denn einen Überblick, auch wenn alle meine Kurse nun begonnen haben. Die Intensität – also die Häufigkeit der Vorlesungen und der Zeitaufwand für Vor- und Nachbereitung – wird durch Prozentzahlen im Vorlesungsverzeichnis angegeben, dabei variiert der Anspruch von Kurs zu Kurs und ist im entscheidenden Maße, wie in Deutschland auch, vom Dozenten abhängig. Erstaunlicherweise ist es mir nicht möglich, Kurse auf Schwedisch zu besuchen. Das Interesse Schwedisch zu lernen und die Tatsache, dass ein Austauschstudent schon vorher Schwedisch gelernt hat, wird hier beinahe misstrauisch beäugt. So sitzen wir zu meiner Unzufriedenheit und großen Enttäuschung fernab von den Schweden in Kursen nur für Austauschstudenten. Mein einziger Kurs, der auf Schwedisch stattfindet, heißt ›Intermediate Swedish‹ und soll meine Fähigkeiten in Konversationen und Diskussionen ausbauen. Abträglich dabei ist, dass wir uns mit grundlegenden Grammatikregeln beschäftigen, die ich bereits im ersten Semester gelernt habe. Zudem treffen wir uns ein Mal wöchentlich in einem Sprachlabor, d.h. vor Computern sitzend und mit Kopfhörern und Mikrofonen ausgestattet, wo wir Texte selbst vorlesen, aufnehmen und uns anhören. Der Anspruch dieses Kurses verfehlt meine hohen Erwartungen und der Hoffnungsschimmer, einmal länger als fünf Minuten Schwedisch zu sprechen, hinterlässt nur eine matte Spur.

Doch die Spannung und die Freude bleiben, da ich entzückt meiner ersten schwedischen Party entgegensehe, wo ich unter Anderssons, Håkanssons und Lundquists nur Schwedisch zu sprechen gedenke. Ich verbleibe mit Hölderlins Worten »Es ist nichts so klein und wenig, woran man sich nicht begeistern könnte.«

 

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