»Wir konzentrieren uns nun auf Literatur, weil wir inzwischen damit umgehen können«

Ein Interview mit dem Salisverleger André Gstettenhofer über das Crowdfundingprojekt für die »édition bibliophile«

Crowdfunding für Kulturprojekte hat sich bereits für viele Bereiche etabliert. Zum Beispiel im Musikbusiness ist diese Form der Vorfinanzierung von Projekten weiterhin auf dem Vormarsch. Für den Buchbereich konnten im Vergleich eher wenige Projekte auf diese Weise finanziert werden. Mit der »édition bibliophile« startet nun der Zürcher Salis Verlag ein Crowdfunding-Projekt, das ansonsten ganz von der Digitalen Welt wegweist. Alle belletristischen Titel sollen ab dem Frühjahrsprogramm 2013 auch in einer kleinen Auflage von 250 Exemplaren in besonders sorgfältiger Ausstattung vorgelegt werden. Mit André Gstettenhofer, dem Verleger des kleinen Schweizer Verlags, sprach K.A.-Chefredakteur Benedikt Viertelhaus.

Kritische Ausgabe (K.A.): Gerade in Zeiten wachsender Umsätze mit E-Books klingt die »édition bibliophile« nach einer Reihe, die gegen den Trend gedacht ist. Wie kamen Sie auf die Idee, Bücher in hochwertiger Ausstattung als Nebenauflage zum regulären Buch zu machen?

André Gstettenhofer: Daß man mit der bibliophilen Edition ein limitiertes, hochwertiges und exklusives Stück kriegt, das für den Sammler unter Umständen auch mal eine Wertsteigerung beinhaltet und mit dem wir einen Anteil der gesamten Produktionskosten finanzieren können, diese Verbindung fand ich bestechend. Mit der »édition bibliophile« haben wir nun bei den belletristischen Titeln neben dem normalen Hardcover und dem E-Book auch die sehr hochwertige Edition für Büchernarren wie mich und somit Ausgaben für alle Lebenslagen.

K.A.: Wäre es nicht eher zeitgemäß gewesen, einen Partner zu suchen, bei dem man sich mit einem Code, der in den Büchern steht, ein E-Book des Titels für unterwegs herunterladen kann, ähnlich wie es bei Schallplatten heute für mp3 üblich ist?

André Gstettenhofer: Das mit den kostenlosen E-Books beim Kauf der Hardcover-Ausgabe gibt es bei Salis seit Frühjahr 2012 und wird rege genutzt. Anscheinend ist es ein Bedürfnis der Leserinnen und Leser, zum einen das Buch als Objekt zu besitzen, zum anderen es aber (auch) auf dem E-Reader zu lesen. Das ist in der Tat ein Modell aus der Musikindustrie, das von den Verlagen sehr schnell adaptiert wurde und auch sehr sinnvoll ist.Wir verlieren hoch

K.A.: Crowdfunding ist, anders als hochwertig gestaltete Bücher, ein neuer Trend. Paßt das zusammen?

André Gstettenhofer: Na klar, über die Plattform wemakeit.ch werden Kulturprojekte verschiedenster Art an das Publikum getragen. Literatur hat in diesem Sinne aber bisher gefehlt. Mein Gedanke war grundsätzlich, den Leserinnen und Leser etwas anbieten zu können, was weit über eine normale »Belohnung« im Crowdfunding-System hinausgeht, ein eigenes, exklusives Produkt.

K.A.: Crowdfunding ist ja auch gedacht, große Projekte zu fördern. Eine Zusatzauflage von 250 Exemplaren ist nicht unbedingt viel. Wird mit der Kampagne auch die gesamte Produktion querfinanziert?

André Gstettenhofer: wemakeit.ch hat sich spezialisiert auf kleinere und mittlere Projekte und hat in diesem Bereich sehr viel Erfolg. Ganze Kinoproduktionen werden damit aber eher weniger finanziert. Und ja, wir erhalten mit den 250 limitierten Exemplaren einen Beitrag für die gesamte Produktion, was uns wiederum von anderen Druckkostenzuschüssen von Stiftungen etc. unabhängiger macht.

K.A.: Das hochwertig gestaltete Buch ist etwas, das lange halten soll. Man denke nur an teure Gesamtausgaben, für die man gerne mehr Geld ausgibt, weil man sie immer wieder in die Hand nimmt. Im Backprogramm des Salis Verlags sind zum Beispiel auch einige Thriller; Bücher, die ihren Wert vor allem darin haben, Unterhaltung zu bieten und die man danach nicht unbedingt wieder in die Hand nimmt. Ist die neue Reihe auch ein Statement in eine neue Verlagsausrichtung, die sich im Herbstprogramm mit Autoren wie Daniel Mezger und Thomas Meyer bereits angekündigt hatte?

André Gstettenhofer: Wir haben in den jetzt sechs Jahren im belletristischen Bereich immer mal wieder was ausprobiert, Politthriller, Science Fiction etc. Das war auch wichtig um herauszufinden, was Salis ausmacht und was nicht. Wir konzentrieren uns nun – wie eben mit Thomas Meyer und Daniel Mezger oder bei den laufenden Aktionen im Crowdfundung mit Martin Felder, Mario Gmür und Beat Gloor – auf Literatur, weil wir inzwischen damit umgehen können, diese Autoren und Bücher an den richtigen Stellen platzieren können und vielleicht auch ein wenig mit dem Verlagsnamen für gute, junge Literatur stehen.

 

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