Theatermann mit »Bayer-Spirit«
Reiner-Ernst Ohle beantwortet den Fragebogen für »Germanisten, die es geschafft haben«
Stefan Andres, 28. März 2008, 9:30 Uhr
Reiner-Ernst Ohle verfolgt täglich ein Ziel: Die Welt ein bisschen besser zu machen! So dürfen wir es ihm zumindest unterstellen, wollen wir der Corporate Identity seines Arbeitgebers, dem Leverkusener Bayer-Konzern, folgen. Die macht sich dieses, nennen wir es mal: »Symptom« nämlich zu Eigen und fasst es unter dem Sammelbegriff »Bayer-Spirit« zusammen, wie man in sämtlichen Stellenausschreibungen des Konzerns erfahren kann. Ohle aber macht die Welt nicht etwa als Chemiker, Pharmazeut, Agrarwissenschaftler, Mediziner, Betriebswirtschaftler oder gar Jurist jeden Tag »ein bisschen besser«, sondern als Theaterreferent in der Kultur-Abteilung der Bayer AG. Denn, was manchen verblüffen mag: »Bayer, das ist auch Kultur«. Und wo sonst könnte die Welt so viel besser sein (und zugleich so viel schlechter) als auf einer Theaterbühne?
Immerhin begeht die Abteilung derzeit mit ihrer 100. Saison ein rundes Jubiläum und ist damit gerade mal zehn Jahre jünger als Aspirin und nur vier Jahre als der weithin bekannte Sportverein unter dem Bayerkreuz. In den hundert Jahren lockte die Kulturabteilung Ensembles und Künstler von Rang, vom Leipziger Gewandhaus-Quartett über das Royal Philharmonic Orchestra London bis Claus Peymanns Bochumer und Berliner Schauspielensemble, von Paul Hindemith über Elias Canetti bis Ingeborg Bachmann auf die Bühnen nach Nordrhein-Westfalen. Anlässlich der Eröffnung der Jubiläumsspielzeit im Herbst 2007 würdigte als Laudator niemand Geringerer als Bundespräsident Horst Köhler die »exemplarische Kulturarbeit«.
Vorhang auf also für Reiner-Ernst Ohles Antworten, in denen er, dessen Laufbahn im Theatermuseum in Schloss Wahn ihren Anfang nahm, manches über seine »Eintrittskarte« in den Job verrät.
Unsere zwölf Fragen, beantwortet von Reiner-Ernst Ohle:
- Wie lange und wo haben Sie studiert, welchen Abschluss haben Sie erreicht? War Germanistik Ihr Haupt- oder Nebenfach?
Ich habe von 1975 bis 1980 an der Universität Köln Germanistik im Nebenfach studiert und das Studium mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen.
- Was hat Sie damals dazu bewogen, Germanistik zu studieren?
Die Nähe zur Theaterwissenschaft und zur Geschichte.
- Zu welchem Thema haben Sie Ihre Abschlussarbeit eingereicht?/
- Zu welchen wissenschaftlichen Ergebnissen sind Sie in dieser Arbeit gelangt?
Meine Abschlussarbeit habe ich im Fach Geschichte angefertigt und dabei erstmals die Gründungsphase des Kölner Dombauvereins dargestellt.
- Wer war Ihr(e) bevorzugte(r) Professor(in) und was machte sie/ihn aus?
Mein bevorzugter Lehrer war in der Germanistik Karl-Otto Conrady – ein idealer Lehrer, der nicht nur ein hervorragender Literaturkenner ist, sondern großes Vergnügen am Diskurs, am Disput hat.
- Was war/ist Ihr Lieblingsbuch / Lieblingsautor(in) / Lieblingsepoche / Lieblingsgattung / Lieblingsgenre?
Alles ist einem ständigen Wandel begriffen – aber die Konstanten sind die Bibel und Thomas Bernhard.
- Wo haben Sie Ihre ersten beruflichen Erfahrungen gesammelt, welche studienbegleitenden Tätigkeiten (Praktika etc.) haben Sie absolviert und dabei ggf. welche Schlüsselqualifikationen erworben?
Ich habe als Student im Theatermuseum Wahn eine Puppenspielausstellung vorbereitet und war zwei Jahre studentische Hilfskraft bei Prof. Theodor Schieder in der Forschungsabteilung des Historischen Seminars der Universität Köln.
- Wie sind Sie nach dem Studium geworden, was Sie nun sind? Und: Wollten Sie es werden?
Ich habe mir nach dem ersten Staatsexamen einen Job suchen müssen und dabei im Archiv der Bayer AG eine Kunsthistorikerin kennengelernt, die für die Kulturabteilung tätig war. Da der damalige Leiter Dr. Franz Willnauer jemanden für umfassende Recherchen zur Kulturarbeit des Unternehmens suchte, habe ich mich für diese Position interessiert und bin für einen Zeitraum von sechs Jahren freier Mitarbeiter der Kulturabteilung geworden. 1985 habe ich noch das zweite Staatsexamen abgelegt und 1987 wurde ich in der Kulturabteilung fest angestellt. Mein Aufgabengebiet damals: Publikationen und Projekte. Ab 1999 habe ich dann zunächst gemeinsam mit meinem Vorgänger im Amt die Verantwortung für das Theaterreferat übernommen, das ich seit 2002 allein leite, d.h. ich habe die künstlerisch-konzeptionelle, organisatorische, budgetäre Verantwortung für sechs Abonnement-/Theaterreihen mit ca. 50 Veranstaltungen pro Spielzeit inklusive der Gesamtdisposition des Spielplanes im Erholungshaus.
- Nützt Ihnen das im Studium erworbene Wissen in Ihrem Beruf – und wenn ja: was?
Mein Germanistik-Studium hat mir geholfen meine Urteilskraft auszubilden.
- Würden Sie sich heute wieder für ein Germanistik-Studium entscheiden – und warum (nicht)?
Eine Was-wäre-wenn-Frage, die ich nicht beantworten kann.
- Wie viele Ihrer (Branchen-)Kollegen haben Germanistik oder ein anderes geisteswissenschaftliches Studium absolviert? Und werden in Ihrem Bereich noch weitere Germanisten bzw. Geisteswissenschaftler gesucht?
Ehrlich gesagt: Keine Ahnung! Die (wissenschaftliche) Vorgeschichte meiner Kollegen wie meine eigene spielt für die Arbeit keine wichtige Rolle. Ein abgeschlossenes Studium ist wie das Abitur nur eine Eintrittskarte für die nächste Runde. Ich kenne viele Kollegen, die keine brauchen, um erfolgreich zu arbeiten.
- Welche Frage haben Sie an heutige Studierende der Germanistik? Und was würden Sie ihnen raten zu tun (oder zu lassen), um den Sprung von der Uni ins Berufsleben zu schaffen?
Werden Sie in Ihrem Studium hinreichend gefordert und gefördert? – Einen Rat kann man nur sehr individuell geben.
Reiner-Ernst Ohle, geboren 1954 in Opladen. Er absolvierte ein Studium der Geschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität zu Köln. Nach dem ersten Staatsexamen war er ab 1982 für die Kulturabteilung der Bayer AG in Leverkusen tätig, zunächst in freier Mitarbeit, nach dem zweiten Staatsexamen ab 1987 fest angestellt. Er betreute die Publikationen der Abteilung sowie verschiedene andere Projekte, unter anderem 15 Jahre lang die Reihe »Jazz im Foyer«. Seit 2002 ist Reiner-Ernst Ohle Theaterreferent der Kulturabteilung. Auch nebenberuflich engagiert er sich für die Kulturförderung: Er fungiert unter anderem als Ehrenvorsitzender für den Verein zur Unterstützung kommunaler Filmarbeit in Leverkusen.
(Foto: © Bayer.Kultur/Bayer AG)
(28. März 2008)




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