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Crauss.

Von Bratwürsten, Blauen Sofas und Lieblingsautoren (Teil I)

Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2007

Redaktion, 27. März 2007, 23:30 Uhr

Leipziger Buchmesse (Logo)Es ist einem dieser Buchmesse-Zufälle zu verdanken, dass die Kritische Ausgabe in diesem Jahr als Mitausstellerin in Leipzig vertreten war. Bereits in früheren Jahren konnten wir dank des Kranichsteiner Literaturverlages unsere Hefte in Frankfurt zeigen, doch 2007 war unsere Präsenz als Mitausstellerin in Leipzig deutlich größer. Dank Michael Fischer von der Dahlemer Verlagsanstalt konnten wir an einem Gemeinschaftsstand all unsere Hefte präsentieren, die in den letzten Jahren entstanden sind, von der »Popliteratur«-Ausgabe, bis zum aktuellen »Verbrechen«-Heft. Auf dem Tummelplatz Buchmesse war ich damals mit einem Verleger ins Gespräch gekommen über eine bei uns erschienene Rezension. In den Folgejahren, in denen wir uns seitdem immer trafen, reifte die Idee, gemeinsam einen Stand zu gestalten – und so geschah es in diesem Jahr.

Um Interessierten unsere Arbeit präsentieren zu können, gab es eigens zur Buchmesse ein kostenloses Sonderheft mit Einblicken in die vergangene Nummer »Verbrechen« sowie Ausblicken auf das kommende Heft »GesprächStattWerk«. Der Stand als Treffpunkt diente nicht nur der Bewerbung des eigenen Produktes, sondern ermöglichte auch unmittelbaren Erfahrungsaustausch über die Erlebnisse auf dem Tummelplatz rund um die Literatur. So war es uns möglich, die Buchmesse mehr als nur einen Tag zu erleben und sie an unserem kleinen Stand ein wenig mitzugestalten. Über ihre Erlebnisse und Impressionen aus Leipzig berichten im Folgenden die Redaktionsmitglieder, die bei dem kleinen Abenteuer dabei waren.

Benedikt Viertelhaus

 

Vor Leipzig liegt noch eine kleine Welt

Dahlemer Verlagsanstalt und Kritische Ausgabe (Foto: Stephanie Müller)Um einen Ort zu wechseln, gibt es immer viele Anlässe und Möglichkeiten. Der Inbegriff der Möglichkeiten liegt jedoch im Wort des Reisens selbst verborgen, weshalb auch in dieser Tätigkeit zugleich auch wiederum Anlässe auszumachen sind. So kam es, daß sich einige Redakteure nicht nur aus Kostengründen oder logistischer Einfachheit wegen über die Straßen Deutschlands hinweg auf den Weg zur Buchmesse in Leipzig begaben, sondern um einem kulinarischen Genuß auf die Spur zu kommen, dem bereits ein langer Ruf vorauseilte, den an Ort und Stelle zu vernehmen, nur die automobile Fortbewegung genüge tun konnte. Auf halbem Wege zwischen Bonn und Leipzig, direkt an der A 4 gelegen, hörten eben jene Redakteure erwartungsfroh die Lockungen desjenigen, der als Bratwurst-Muezzin aus den Annalen der »Kritischen Ausgabe« nicht mehr zu löschen sein wird. Der Name des Ortes Maua verspricht nun nicht gerade besondere Ersprießlichkeit, raunt er doch Perhorreszierendes aus Abschottung und Schmerz, doch er nennt sich offenbar gerade so, um mit den niederträchtigen Erwartungen der Fremden zu spielen und sie zu entblößen. Denn kaum hält das Fahrzeug vor einer auf dem Schotterplatz abgestellten ehemaligen Jenenser Straßenbahn, umschmeichelt ein gar würziger, rauchschwangerer und fleischiger Geruch die Nasen der Reisenden. Auf zum Rost. Mit jovialer und bauchiger Gleichmütigkeit werden die Würste vom Bräter in gar fest-duftige Semmeln gelegt, mit Blankenburger Senf bestrichen, überreicht und dann: Stille, Trance, Schreie nach mehr. Taumelige Gier, bacchantische Gewaltphantasien durchzucken das Bewußtsein, Worte reduzieren sich auf Geräusche, der Mensch erlebt die atavistische Remutation zum Säugling, der sich mit seinen Händen instinktiv am Guten und Schutzbietenden festklammert. Bratwurst folgt auf Rostbrätel folgt auf Bratwurst. Ermattung. Freude. Glücksgefühle. Alles kreist um das, was einverleibt wurde in der Herrlichkeit Ich-erfahrener Unzugänglichkeit. Ja, ja, die Rückreise wird ein Fest, ein Anlaß ist da – Nein, doch nicht, sonntags geschlossen. So bleibt nur Trauer und aus den die Erhabenheit menschlichen Kunstverstandes köstlich Erlebenden werden nun doch nur wieder tröge Reisekader. Doch während der Buchmesse, unter Tausenden und aber Tausenden Besuchern zehrten sie, die Ausgewählten, von einem kleinen, fast grausamen zu nennenden Geheimnis, dessen Gedenken über so manche lange Stunde am Stande hinweghalf. Nächstes Jahr gibt es noch viele Anlässe mehr, zur Buchmesse nach Leipzig zu reisen.

Andreas Jüngling

 

Mittelpunkt Wort

Messehalle Leipzig (Foto: Stephanie Müller)Vier große, viereckige Hallen und eine riesige längliche Glashalle in der Mitte waren der Schauplatz für die Leipziger Buchmesse 2007. Und das Tollste daran war, dass sich in diesen fünf Hallen alles um das geschriebene, gedruckte, gelesene Wort drehte. Das Angebot an Ausstellern war genauso vielfältig, wie die Auswahl an Veranstaltungen und die Veranstaltungsorte. So saß man einmal vor dem Blauen Sofa in der großen Glashalle und lauschte den halbstündigen Interviews (wo zum Beispiel Günter Grass den großen Tageszeitungen BILDhafte Methoden vorwarf…). Ein anderes Mal findet man sich in einem Modehaus nach Ladenschluss wieder und lässt sich über die »Gerüche und Geräusche«, die man tunlichst in den ersten drei Monaten einer Beziehung vermeiden sollte, von Kim Fischer aufklären, welche sich als eine Art Neuauflage von Bridget Jones entpuppte. Bei dieser großen Auswahl war für jeden etwas dabei, vom Comicliebhaber bis zum Zeitungsfreak.

Stephanie Müller

 

Der Held persönlich

Leibhaftig habe ich ihn gesehen. Nur einen Meter entfernt von mir stand er, die Haare etwas wirr, einen Stapel Bücher im Arm – mein Held aus meiner Lieblingswochenzeitung: Harald Martenstein. Natürlich fehlte der Mut, ihn anzusprechen, stattdessen blätterte ich blind in glücklicherweise umliegenden Büchern und verhaarte glücklich erstarrt ob der Nähe dieses meines favorisierten Kolumnisten. Denn auch das ist ja Buchmesse: Bekannte Gesichter hier und dort – mal Ulrich Wickert (schlanker als ich dachte), Denis Scheck (sympathischer als vermutet), oder Sarah Kuttner (gewohnt Sarah Kuttner), Günter Grass (in echter Nobelpreisträgermanier) oder Peter Sodann (sehr interessiert an der K.A.). Harald Martenstein aber war eindeutig mein kleines Buchmesse-Promi-Highlight.

Anna-Lena Scholz

 

Weitere Eindrücke unserer Redaktion von der Leipziger Buchmesse 2007 gibt es hier.

(27. März 2007)

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