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Crauss.

Rezensionen

Die Fliegerin und der Tod – Wenn Engel abstürzen

Uwe Timms Roman Halbschatten vermittelt, schockiert und verliert trotz sprechender Toter den Bezug zur Realität nicht

Laura Potting, 27. Juli 2010

Was bringt eine 25-jährige, unabhängige Frau dazu, sich in einem Flugbunker in Syrien zwei Kugeln in den Kopf zu schießen? Wie kann ein Mann, der Tausende auf dem Gewissen hat, so schön Violine spielen, dass es zu Tränen rührt? Diese Fragen stellt Halbschatten, der neue Roman von Uwe Timm. Er ist zugleich der dritte Band von Timms Berlin-Trilogie, die angefangen mit Johannisnacht und Rot nun ihren Abschluss findet.

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Zeitlos in der Fusch

In Der Fliegenpalast zeigt Walter Kappacher den alternden Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal, wie er an einem Ort seiner Kindheit der eigenen Genialität nachspürt – und nichts als Fliegen findet

Nele Nikolaisen, 20. Juli 2010

Historisches Panorama des Kurorts Bad Fusch
 

Im Sommer 1924 reist Hugo von Hofmannsthal in den Österreicher Kurort Bad Fusch, wo er in Kinder- und Jugendtagen viele Sommer mit den Eltern verbrachte. Anders als die übrigen Kurgäste, die in der Fusch Erholung suchen, sucht Hofmannsthal einen Weg aus seiner Schreibkrise. Desorientiert und nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie all seiner Utopien beraubt, taumelt der reife Schriftsteller auf endlosen Spazierwegen von Erinnerung zu Erinnerung und vermag doch nicht jene »traumwandlerische Sicherheit der frühen Jahre« zu entdecken, »als fast alles gelang …«

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Tagträume von Vorortgestrandeten

Stephan Thomes Roman Grenzgang ist ein Beweis, wie viel Poesie in deutschen Kleinstädten steckt.

Christoph Nolde, 14. Juli 2010

Ohne Frage gehören Dorffeste, Kirmessen und Kleinstadttrinkgelage zur deutschen Kultur dazu. Auch im hessischen Bergenstadt wird solch ein Ausnahmespektakel gefeiert: Grenzgang. Alle sieben Jahre freuen sich die Einwohner auf dieses kurze, aber gewaltige Ausbrechen aus der Kleinstadtmonotonie. Ein zu Tage treten all der sublimierten Leidenschaften, die unter den gepflegten Vorgartenbeeten brodeln. Dabei wird bis zum Umfallen gefeiert, Seitensprünge werden zum Kollektivvergnügen. Von zwei Menschen, die in diesen Hexenkessel geraten sind, wird in dem Roman Grenzgang des 1972 geborenen Autors Stephan Thome erzählt.

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Ironie ist wieder in

Leuchtspielhaus ist das Debut des Ästheten Leif Randt

Max Link, 6. Juli 2010

Der Roman Leuchtspielhaus beginnt mit einem Zitat von Anvar Tornheim: »In den kleinsten Städten glauben / Menschen an die größten Sommer.« Später wird man als Leser erfahren, dass jener Zitierte ein Freund des Erzählers Eric ist, und mit seinem nostalgisch-chiastischen Zitat die Stimmung, und auch die Ästhetik des Debuts von Leif Randt vorgibt.

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Der Schein trügt

Warum das Leben ohne Tageszeitung ärmer wäre – am Beispiel der Berner Band Schöftland

Benedikt Viertelhaus, 22. Juni 2010

Die Band Schöftland (Foto: © Schöftland, Bern)Die Informationsfülle im Internet bietet nur wenig orientierenden Überblick über das gesamte Tagesgeschehen. Schnell geht dabei etwas unter, das einen im Grunde auch interessiert hätte. Die Alternative heißt bis heute Tageszeitung, in deren Feuilleton man zum Beispiel auf eine Rezension des Albums Der Schein trügt der Berner Band Schöftland stoßen konnte …
 

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Passivität als Lebensmodell

Klischee und Wirklichkeit einer Thirtysomething-Generation in Jörn Birkholz Debütroman Deplatziert

Dirk Walbrühl, 4. Mai 2010

Jörn Birkholz’ Debütroman im Buchhandel auszumachen, dürfte – abgesehen von der Verfügbarkeit – alles andere als schwer werden. Der Astronaut vor orange-gelbem Hintergrund wirkt in der Tat etwas befremdlich und versprüht doch zugleich den poppigen Charme der auf einen jungen und unverbrauchten Text, fernab der ewig gleichen Historienschmöker und Krimiserien, hindeutet. Wer aber die Gepflogenheiten der Verlage kennt, wird schnell kalkuliertes Marketing wittern. In der Tat schreibt hier ein unverbrauchter Autor des Jahrgangs ‘72. Doch die poppig-penetrante Coverfarbe will nicht so recht zum Inhalt passen …

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Kein Ende in Sicht

Die Bands Fehlfarben und Tocotronic beweisen mit ihren neuen Alben, dass die Popmusik noch lange nicht tot ist

Andreas Peters, 13. April 2010

Ist Popmusik am Ende? Eine Frage, die mehr und mehr Statement-Charakter annahm, beschäftigte gegen Ende des letzten Jahres mal wieder so manchen Feuilletonisten, der mit dem Tod Michael Jacksons gleich noch ein historisches Ereignis bei der Hand hatte. So titelte beispielsweise das SZ-Magazin: »Verfallsdatum abgelaufen. Die Ära des Pop ist vorbei«. Das ist der Stoff, aus dem Schubladen- und Epochendenken gemacht ist. Kaum endet ein Jahr/Jahrzehnt/Jahrhundert, wird zusammengefasst, abgeschlossen, resümiert, totgesagt …

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Zwischen Kafka und Dan Brown

Tim Davys’ Amberville bietet eine Verschwörungstheorie mit kafkaesken Zügen, hinterlässt allerdings einen faden Nachgeschmack beim Leser

Ute Friederich, 6. April 2010

Die Art und Weise, in der Tim Davys den Anfang seines Kriminalromans Amberville inszeniert, lässt den Leser sofort an Kafka und die ersten Seiten des Proceß denken. Und ähnlich wie bei Kafka, geht es auch in Davys’ Krimi um etwas Größeres, um Unumstößliches und Unergründliches, um eine Weltordnung gewissermaßen. Doch auch wenn dem Krimi ein an Kafka erinnernder Angriff auf die Erkenntnissicherheit des Lesers gelingt, bleibt die eigentliche Kriminalhandlung vorhersehbar.

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Das »Disaster Girl«

Ein Jahrhundert in »Ausgewählten Briefe« von Martha Gellhorn

Stephanie Müller, 23. März 2010

Eine Frau, deren Beruf Kriegsreporterin war, die bei fast allen größeren und kleineren Kriegen des 20. Jahrhunderts vor Ort mit dabei gewesen ist und die auch noch eine Ehe mit Ernest Hemingway überstanden hat, muss tough und selbstbewusst gewesen sein. Martha Gellhorn war eine bemerkenswerte Frau, die viele unterschiedliche Facetten hatte, und doch immer an ihrem einen Ziel und ihrer Überzeugung festhielt: Sie wollte von dem Elend des Krieges berichten und die Menschen auf die kleineren wichtigen und alltäglichen Dinge aufmerksam machen, die die großen Propaganden der Mächtigen außer acht ließen. Die Propaganda erkannte sie oft als Unsinn. Sie hat ihr Leben lang Briefe geschrieben, selbst noch, als sie gegen Ende kaum noch sehen konnte. Fast ein ganzes Jahrhundert entsteht so aus Gellhorns Perspektive vor dem inneren Auge des Lesers. Politische Umbrüche, Präsidenten, Kriege, Freundschaften, Todesfälle, Liebschaften: alles fand Eingang in ihre Briefe …

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In deutscher Tradition

Maxim Biller schreibt sein literarisches Selbstporträt und nennt es Der gebrauchte Jude

Max Link, 9. März 2010

Ein Selbstportrait ist nicht zu verwechseln mit einer Autobiographie. Maxim Biller unternimmt in Der gebrauchte Jude einen sehr literarischen Versuch der Selbstdarstellung. Das Ergebnis ist ein sprachlich dichtes Werk bei dem es dem Leser egal sein sollte, ob die geschilderten Anekdoten tatsächlich so stattgefunden haben.

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»Skandale und erfundene Geschichten sind in der Filmwelt keine Kuchen«

Ben Hechts Erinnerungen an Hollywood

Natalie Zaika, 23. Februar 2010

Hollywood-Schriftzug (Foto: © Alexandra Bucurescu/PIXELIO)Ben Hecht. Ein Name, der vielleicht nicht jedem bekannt ist, aber hinter dem sich eine Erfolgsgeschichte verbirgt, die den amerikanischen Traum beschreibt, wie er in den Köpfen der Menschen verankert ist. In der Folge seines Lebens arbeitete er an sechzig Filmen, u.a. an Howard Hawks’ Scarface, Alfred Hitchcocks Spellbound und Notorious, sowie an Billy Wilders Extrablatt und lieferte Ideen für fünfzig Hollywood-Produktionen in denen sein Name nicht auftaucht. Der, im Gegensatz zu Deutschland, in Amerika deutlich bekanntere Drehbuchautor hat nach Jahren in Hollywood ein zweiseitiges Verhältnis zu der gigantischen Filmfabrik, wie in dem Buch Von Chicago nach Hollywood deutlich wird.

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Mindestens gut geklaut

Helene Hegemanns Axolotl Roadkill hält einige Überraschungen bereit

Stephan Rauer, 13. Februar 2010

Gerade noch wurde Helene Hegemann mit ihrem neuen Roman in den Feuilletons durchgejubelt, dann wurden vor allem die nicht deklarierten Leihnahmen aus anderen Texten diskutiert. Bei all dem übertönt die lärmende Zustimmung wie auch Ablehnung Ratloses.

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Pssst! – Gedenkminute an einen großen Schriftsteller

Raymond Federmans Geschichte einer Kindheit bildet den krönenden Abschluss eines Lebenswerkes

Lena Sundheimer, 2. Februar 2010

Raymond Federman (Foto: © Weidle Verlag)Raymond Federman wurde am 15. Mai des Jahres 1928 im beschaulichen Montrouge geboren. Die ersten Jahre seines Lebens jedoch spielten sich weitgehend in der französischen Metropole schlechthin ab. Schon als Kind lebte er mit seinen Eltern in Paris, von wo er aufgrund eines furchtbaren Kriegserlebnisses jedoch bald fliehen sollte.

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Von Tieren, Champignons und Tieren

In Laima Muktupavelas Roman Das Champignonvermächtnis verliert der Leser schnell den Überblick

Caroline Fuchs, 26. Januar 2010

Laima Muktupavela (Foto: © Weidle Verlag)In Das Champignonvermächtnis erzählt Autorin Laima Muktupavela uns vom Leben und Leiden der lettischen Gastarbeiterin Iva. Man kann dieses Werk als Rezeptbuch für das Leben sehen, zu jeder Situation gibt es ein Rezept, zu jedem Problem einen Lösungsvorschlag. Doch man braucht viel Durchhaltevermögen, um sich all diese Vorschläge bis zum Schluss durchzulesen …

 

 

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Von der erträglichen Schwere, geliebt zu werden, aber nicht selbst zu lieben

Peter Stamms neuer Roman »Sieben Jahre«

Robert Neiser, 18. Januar 2010

Peter Stamm (© Stefan Kubli)Die »große« Literatur kennt mehrere Konstanten. Eine davon lautet: »Große« Literatur erzählt stets davon, wie (un)glücklich Liebende ihr Leben ihrer Liebe und der Hoffnung auf die Erfüllung dieser Liebe widmen. Mit dieser Konstante bricht Peter Stamm. Alexander, Protagonist und Ich-Erzähler von Sieben Jahre, fühlt sich von zwei gänzlich unterschiedlichen Frauen angezogen, die er beide nicht liebt. Sein Leben als Architekt, Vater, Ehemann, Geliebter wird dabei zur Parabel auf die Konstruktion von Liebe in Zeiten sich auflösender Familien.

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