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Es geschehen noch Zeichen und Wunder

Ein neuer Sammelband zeigt, wie Freundschaft im Mittelalter zelebriert wurde

Selten sind die Freundschaften von langer Dauer, die ohne Gesten, Gaben oder besondere Symbole auskommen. Das gilt heute genauso wie beispielsweise zur Zeit des Mittelalters, wobei damals noch stärker auf Präsenz und damit auch auf Zeichen der Verbundenheit Wert gelegt wurde. Darauf macht ein neuer Sammelband aufmerksam, der nicht nur die Vielfalt des freundschaftlichen Austauschs während des Mittelalters dokumentiert, sondern diese zugleich auch Typen von Beziehungen zuordnet, die neben dem politischen Verhältnis und dem persönlichen Kontakt gerade auch die Bindung zu Gott umfassen.


»Freundschaft, Künstlerfreundschaft! dachte ich, mein Gott, was für ein Wahnsinn!«

(Geistes-)Freundschaft unter Männern in Thomas Bernhards Der Untergeher

Der erste Satz – nach dem auf den Freitod eines der Protagonisten Bezug nehmenden Motto – in Thomas Bernhards Künstlerroman Der Untergeher lautet: »Auch Glenn Gould, unser Freund und der wichtigste Klaviervirtuose des Jahrhunderts, ist nur einundfünfzig geworden […]« (U, 7). Die zentralen Themen des Romans – wie auch dieses Beitrags – sind darin bereits angesprochen: Freundschaft, Künstlertum und (früher) Tod. Die Spezifik der »Dreiecksgeschichte zwischen dem genialen Klaviervirtuosen Glenn Gould, dem gescheiterten Untergeher Wertheimer und dem sich selbstbehauptenden Ich-Erzähler« liegt zum einen im (erreichten/angestrebten/aufgegebenen) Künstler- bzw. Virtuosentum der Freunde, zum anderen in der von klassischen, dyadisch strukturierten Freundschaftskonzepten abweichenden triadischen bzw. triangularen Konstellation. Dieser diskursiven Konstellation möchte der Beitrag nachgehen und die in den frühen 1980er Jahren beobachtbare Konjunktur von Männerfreundschaften als Gegenständen der Literatur und der Philosophie genauer beleuchten sowie das konzeptionelle Spezifikum dieser Freundschaften, ihre Situierung in Selbstsorgeprogrammen, herausarbeiten.


 

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