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Die mächtige Frau

Manfred Poser beschwört das Matriarchat herauf

Charles Dickens’ Heldinnen waren zumeist junge Mädchen, die leiden und dann tragisch sterben mussten wie die kleine Nell im Old Curiosity Shop. Auch seine Schauspielerin Ellen Tennant war ja erst 18 und er 45. Jeder Autor hat seine Biografie, seine Vorlieben. Das Gegenbild der jungen, arglosen Heldin ist die mächtige Frau, die Große Mutter. Sie ist ein Archetypus im Sinne C. G. Jungs, und Schriftsteller – natürlich Männer – haben sie gestaltet.


Charles Dickens und die gefallenen Frauen

Manfred Poser freut sich, zum 200. Geburtstag von Charles Dickens den verehrten Autor würdigen zu können

Von Charles Dickens’ zwei Dutzend Romanen habe ich etwa die Hälfte gelesen, aber das ist schon 25 Jahre her, damals in Hamburg. Nicholas Nickleby, Little Dorrit, Bleak House, Great Expectations ... Es waren Feste. Er wurde vor 200 Jahren, am 7. Februar 1812, geboren, ein Wassermann-Sternzeichen wie ich. Also: ein eigener Kopf mit blühender Fantasie; wortmächtig und charmant; aber auch irgendwie flüchtig, immer auf dem Sprung; wenig Erotik und Sexualität. Da steht der Wassermann drüber.


Im Berg

Manfred Poser bleibt bei der Seele und folgt ihr hinab in untere Regionen, wo die Luft stickig wird

Ein Autor kriecht »den Lichtern der Grubenlampen entgegen« und hat eine Erleuchtung: Die Literatur ist wie ein Bergwerk. »Sie war doch auch etwas wie Schichten und Stollen und Querschläge und Fahrten und verbrochene Strecken, und ein Feld darin hieß ›Romantik‹ und eine Strecke ›E. T. A. Hoffmann‹, und die nächste Generation setzt da fort, wo die letzte aufgehört hatte ...«


Faust und das Ewig-Weibliche

Manfred Poser ignoriert die Heiligen Drei Könige und geht mit dem Faustus und den Frauen ins Neue Jahr

Körper, Geist und Seele: Daran knüpfe ich an. Eine wichtige Gestalt der deutschen Literatur überschreibt seine Seele dem Teufel. Der Film Faust des Russen Alexander Sokurow bekam am 11. September 2011 den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig. Michael Fassbender spielt den Faust in dem auf Deutsch gedrehten Film. Weitere Darsteller: Florian Brückner und Hanna Schygulla. Es geht um einen Sexsüchtigen, und wenn man las, der Regisseur habe den Stoff »ziemlich frei behandelt«, sollte das wohl bedeuten, dass von Goethes nach Wissen gierendem Geist, der seine Seele dem Mephisto verkauft, nicht viel übrig geblieben ist.


Körper, Geist und Seele

Manfred Poser klärt das Problem um Geist und Seele, doch der Bibliothekenengel musste mithelfen

Bin ich nun ein Roman? Bin ich viele oder niemand? Aus welchen Teilen bestehe ich, wer bin ich? Ich wollte schon länger herausfinden, was es mit Geist und Seele auf sich hat, da heute schon an Volkshochschulen gern deren Einklang beschworen wird.


Einer, keiner, hunderttausend

Manfred Poser stellt sich der Frage, ob der Autor, der viele sein kann, vielleicht auch niemand sein könnte

Der obige Titel gehört zu einem Roman von Luigi Pirandello, der 1909 begonnen, aber erst 1926 veröffentlicht wurde. Auf Italienisch lautet er Uno, nessuno, centomila. Bei der Gelegenheit ist anzumerken, dass der spätere Literatur-Nobelpreisträger mit 22 Jahren, also 1889, in Bonn zu studieren begann und dort 1891 promovierte. Pirandello schlug sich immer mit dem schwierigen Menschsein herum, und der Held des Buches, Vitangelo Moscarda, fängt ein neues Leben an, landet in der Psychiatrie und findet, dass einen Namen zu haben einem Todesurteil gleichkomme; frei sei man, wenn man jeden Augenblick neu werde. Bin ich einer oder keiner, und was sage ich zu den hunderttausend, deren Weg ich kreuze? Ist der Autor oder der Mensch viele oder ist er gar alle? Wenn er alle wäre, dann wäre er gleichzeitig ein Niemand.


Bin ich viele?

Manfred Poser denkt über den Autor nach, der sich in viele Personen spaltet, und landet bei einer Krankheit namens MPD

Im Sommer traf ich nach vielen Jahren bei einem Fest in Zürich Peter Brugger wieder, den Neuropsychiater. Wir sprachen über einen gemeinsamen Bekannten, der uns nicht kennt und überhaupt bereits im August 1933 in Rom gestorben ist. Ludwig Staudenmaier heißt er, geboren 1865, Professor für Chemie, und berühmt wurde sein Buch Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft (hier als PDF). Es ist der Bericht eines schrecklichen Experiments: Staudenmaier führte eine Persönlichkeitsspaltung bei sich herbei und weitere, bis er in fünf bis sieben Einzelpersönlichkeiten zerfallen war, die sich bekämpften. Das zermürbte den Experimentator. Er floh und zerbrach.

 


Der Krimi als Duell

Manfred Poser wendet sich noch einmal dem Schachspiel zu und sieht den Krimi als kreatives Duell

Das Schachspiel ist ein Duell von Kontrahenten, die die Figuren manipulieren – und ein optimales Bild für den bösen Potentaten, der seine Mitarbeiter wie Schachfiguren umherschiebt. Die erotische Qualität des Schachspiels darf dabei nicht unterschlagen werden, und dazu muss man die Szene aus Thomas Crown ist nicht zu fassen kennen, in der der Titelheld (am besten in der Version 1968: Steve McQueen) gegen eine Versicherungsdetektivin (Faye Dunaway) spielt; es ist nur ein Vorspiel.


Schach dem Krimi!

Manfred Poser wendet sich nach dem jüngsten Intermezzo wieder seinem beliebten Reizthema zu: dem Krimi

Die Welt der Geheimgesellschaften leuchtet in Friedrich Schillers Geisterseher kurz auf. Der Prinz, Hauptfigur in den Papieren des Grafen von O., landet in den Fängen des Ordens Bucentauro, der »die zügelloseste Lizenz der Meinungen wie der Sitten begünstigte«. Bei diesem Hinweis bleibt es auch, und was zügellos bedeutet, muss man in Marquis de Sades Histoire de Juliette nachlesen, deren 2000 Seiten ich gerade hinter mich gebracht habe. Ziemlich qualvolle Lektüre, die einen eigenen Beitrag verdiente. Schillers Prinz jedenfalls verliebt sich in eine schöne Griechin und kehrt in den Schoß … der Kirche zurück.


Solo für Onkel

Manfred Poser wird durch ein fast zeitgenössisches Buch an seine Tage in Hamburg als Rock(kritik)er erinnert

Vor einem deutschen Nationalfeiertag über dieses unser Land schreiben, hier und heute! Ich mache das indirekt: Schreibe über Geschriebenes, indem ich mich über zwei (fast) zeitgenössische Romane auslasse. Da bin ich zufällig hineingeraten.


 

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