Inhalt abgleichen

Lorca

Ich verließ das Hotel Alameda und ging beschwingt bei leichtem Regen zu Fuß durch das frühabendliche Lorca. Die Stadt liegt 100 Kilometer westlich von Cartagena im Landesinneren. Wegen des Lyrikers Federico García Lorca (1898–1936) hatte ich diesen Abstecher machen wollen in eine, so dachte ich, kleine Ansiedlung, wo an einem Fluss ein paar Überlandstraßen zusammentreffen. Lorca aber war groß und wirkte wie eine beliebige Stadt irgendwo in Lateinamerika, hastig hochgewachsen im Baukastenprinzip. Die Hochhäuser mit auffallend vielen Zahnkliniken reihen sich jedoch nur entlang der Avenida Juan Carlos I., diese in eine lange Schlucht verwandelnd, und nebenan beginnt die Fußgängerzone mit dem üblichen Tertiärschrott: Drogeriemarkt, Computerspiele, Reiseläden, Bekleidung, Schuhe ...


Im Zwielicht der Selbstverhüllung

Der riesige Autobus mit seinem Anhänger glitt wie ein Schiff durch die schwarze Nacht und schlingerte sanft an anderen 40-Tonner-Schiffen vorüber, und wer auf dem Oberdeck seinen Platz hatte, konnte auch meinen, es gehe im Tiefflug übers schlafende Land. Genf, Avignon, Barcelona, Valencia; dann die Costa Blanca. Rad aufgepackt und drei Tage gen Süden gefahren, nach Mojàcar Playa, welches fest in englischer Hand ist ...


Hinter den Masken

What next? fragte ich mich. Ging nach zwei Jahren wieder ins Museum, der trübe Tag lud dazu ein. „Der Western-Mythos“ im Natur- und Kunstmuseum lockte, doch interessanter war die Sonderschau über das Rind durch die Jahrhunderte (Der Dünndarm des Rinds ist 57 Meter lang!). Und weil die Eintrittskarte auch für das Historische und Völkerkunde-Museum galt, bin ich auch da hineingeschlüpft ...


Fenster klappen auf

In meinem Beitrag über die „Fälschung“ von Nicolas Born erwähnte ich nicht, was genau in dem Roman passiert: die Handlung. Es passiert eine Menge, aber es ist nicht weiter wichtig. Die Seele liegt woanders. Man informiert sich bei „Teleboy“ über einen Fernseh-Film, ein Fenster klappt auf, und über 20 Zeilen erstreckt sich die Inhaltsangabe: Eva Bartholdy lernt Klaus Mertens kennen (so heißen sie immer), und dann erleben beide auf 20 Zeilen mehr als 20 Leute in 20 Jahren. Der Inhalt ist sekundär, sagte schon Jorge Luis Borges. Alles schon mal dagewesen. Die Form ist, was Kunst ausmacht. Und Kunst ist, was sich einprägt, einen Eindruck hinterlässt, einen berührt oder fesselt oder umhaut. Emotionen!


Die Fälschung

2008 – Rückkehr zur Literatur. Lese-Odyssee. Durch Stefan und Marcel wurde ich auf die Briefe von Nicolas Born (geb. 1940) aus den Jahren 1959 bis 1979 gestoßen, holte sie mir, und dann las ich noch einmal Borns letzten Roman, »Die Fälschung« (1979). Erst jetzt wurde mir bewusst, wie großartig dieses Buch ist ...


Die Reaktionäre

Kurz vor Weihnachten und Neujahr ein ganz und gar humorloser Rückblick. Der Papst hat eine neue Enzyklika veröffentlicht, streng und herrisch, im Stil vergangener Jahrhunderte ...


Punkt, Punkt, Komma, Strich

Von Zeit zu Zeit muss man laut schreien wegen der vielen orthografischen Fehler in der Welt. „Schreien“ schreibe ich, nicht „schreiben“; das Sprechen ging der Schrift weit voraus, die erst vor rund 7.000 Jahren entstand, aber lange Zeit, bis ins 19. Jahrhundert hinein, hat die Linguistik das literarische Schreiben bevorzugt ...


Stabwechsel

Am 26. November vor 150 Jahren starb, knapp 70-jährig, Joseph Freiherr von Eichendorff, und eine Woche darauf wurde woanders, in der Ukraine, Józef Teodor Konrad Korzeniowski geboren, der später als Joseph Conrad berühmt wurde ...


Orte der Transformation

Transformation von Energie: Das erlebt der arbeitende Mensch jeden Tag. Er verzehrt sein Frühstück, streckt sich kurz, und dann will er die Welt einreißen (bis ihm wieder der Chef in den Arm fällt). Wie schön muss es sein, unbehelligt an einem Ort zu sitzen, an dem einst Energie umgewandelt wurde! Da sprühen die Gedanken, da funkt und blitzt es, und man geht als neuer Mensch daraus hervor. – Darum habe ich mich spontan für den Wettbewerb des Thurgauer Heimatschutzes zu seinem 100. Geburtstag begeistert ...


Ich habe Angst!!! Vor Eva Herman auf der Autobahn

Wir erinnern uns: Bei meiner Geburtstagsfeier im Februar in Landsberg am Lech schneiten am frühen Morgen zwei Heroen des „Poetry Slam“ herein. Einer von ihnen war Blair aus Detroit, und er schenkte mir seine CD, auf der er auch singt. Poetry Slam, yeah. Eines Tages. Schau ich mir das an. Und dann lag wo ein „Flyer“: „BOXSLAM“: „8 Slammer, 7 Kämpfe, 1 Champ. Wortsport-Titanen im Boxring in der Grabenhalle, St. Gallen.“ Grab und Graben, Halle und Galle, Quallen und Fallen, und schon geht’s los mit’m Slam ...


 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!