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Zwei Reisen

Schon drei Tage in München und Umgebung reichen, und ich werde düster. S-Bahnhof, Coffee shop, Service point, alles gründlich zubetoniert, aseptisch und clean. Ausgeleuchtet und/oder videoüberwacht, klare Flächen, keine Schatten. Dazu dieses Eifern gegens Rauchen und Saufen, der Gesundheitskult, Wellness, all das, Vorsorge fürs Alter, ich will die Versicherungs-Power, und: Testen Sie die neuen Mazda-Modelle ...


Mit Novalis durchs Jahr

Seit zehn Jahren steht das Novalis-Projekt von Frank Fischer aus Leipzig im Netz, und wenn man das am Lebensalter des Internet misst und dann noch an der Lebensdauer des Heroen Friedrich von Hardenberg alias Novalis, der nur 29 Jahre alt wurde, ist das schon beachtlich. Glückwunsch, Frank! Novalis hat vielen großen Literaten Wahlsprüche geliefert, er ist einer der beliebtesten Mottolieferanten. Er hatte die Gabe, Gedanken sinnreich zu verdichten (Dichtung!) und ihnen noch einen paradoxen Dreh zu geben, was zu mysteriösem und magischem Beiklang führt ...


Reise nach Thüringen

Meine Mutter hat am Tag nach Goethe Geburtstag. Machen wir doch eine Reise, schlug ich ihr vor. Also sind wir im güldenen Volvo sechs Tage nach Thüringen gefahren. Seit Jahrzehnten begleiten einen die Klassiker Goethe und Schiller, die Philosophen Hegel und Fichte, die Romantiker Jean Paul und Novalis, und einmal im Leben sollte man deren Wirkungsstätten sehen. Das ist wie eine Reise nach Mekka für den Moslem. Jetzt fühlen wir uns besser ...


Ausflug ins Mittelalter

Ohne es richtig gewollt zu haben, bin ich ins Mittelalter abgedriftet. In meinem Buch „Mörderisches Rom“ hatte ich Ferdinand Gregorovius erwähnt in der Meinung, er habe die Geschichte Roms geschrieben, 3000 Jahre. Ein zu großer Brocken. Theodor Mommsen, später (1902) Literaturnobelpreisträger, hatte schon die Geschichte Roms in seiner Machtfülle verfasst (erschienen 1854 56), also blieb dem Ferdi nur noch die „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter“ (1859 1872). Nur noch? Der erste Band in einer Ausgabe aus Dresden (1926) umfasst 1400 Seiten und reicht vom Jahr 400 bis zum Jahr 1260, kurz nach dem Hinscheiden Friedrichs II. Die Deutschen sind immer große Romliebhaber gewesen. Roma caput mundi regit orbis frena rotundi!


Gemurmel, manchmal

Auf die Frage, wie er sterben wolle, sagte Walter Kempowski der »Frankfurter Rundschau«: »So wie Fontane. Der sagte zu seiner Tochter beim Essen: ›Ich geh eben mal nach nebenan.‹ Als sie nach einer Viertelstunde guckte, lag er tot auf dem Bett.« Das ist Diskretion und war, als Überleitung, noch eine Stimme zu meinem letzten Beitrag. Weitere Frage an Kempowski: »Was macht es mit einem, wenn man in einem Haus voller Lebensgeschichten, voller Schicksale, voller Toter lebt?« Antwort: »Ja, manchmal murmeln sie. Sie erzählen vom Krieg, ganz unverstellt.« All das Gemurmel ...


Sekretäre des Todes

In den zwei Wochen Ausreißer-Pause kam ich ins Grübeln. Und wie, wenn meine Exkurse niemanden interessierten? Ich fahre los, bin ausgerissen, hinter mir ist keiner mehr; und in Wirklichkeit habe ich bloß eine falsche Abzweigung genommen, habe mich verfahren und radle nun selbstzufrieden in der Wüste dahin? Aber statt weiterer Larmoyanz heute ein Abstecher in die Populärkultur ...


Im Loop gefangen

Klaus Küster hatte zu einer Vernissage in seine Galerie »DreiArt« in Radolfzell am See geladen: Holzskulpturen. Mehr als diese interessierte mich dabei Andi Müller, der seine Gitarrensaiten mit dem Hammer liebkoste und später ein Gerät einsetzte, das aus seine eigenen Tönen »Loops« aufbaute, die weiterlaufen, wozu er improvisiert. Das klingt, um einen Eindruck zu vermitteln, wie eine Mischung aus Ry Cooder, Neil Young und Sonic Youth.


Die Luftschiffer

Zwei Tage habe ich der Luftfahrt gewidmet. Vor einer Woche war ich im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen, am Tag darauf bei einem Ballonfahrer-Treffen in Appenzell. Der erste bemannte Ballon flog am 1. Dezember 1783 bei Paris. »Flog« ist natürlich falsch: Ballone fahren nämlich, genauso wie die Zeppeline (ab 1900), deren logische Weiterentwicklung.


Cow & Dragon Remix

Sorry wegen des englischen Titels. In einem Vorgarten in der Gemeinde Sax südlich des Alpsteins stand sie, die Tonnenkuh: das Schweizer Totemtier im Stile Picassos. Jemand hat beobachtet, dass die Tonne dem Körper der Kuh ähnelt und sie mit einer zweiten Tonne komplettiert. Witzig. Ein Objekt wird reduziert auf das Essentielle. Das erinnert an afrikanische Kunst, an deren Fetische und Kultobjekte.


Someone Beside You

Es passieren einem seltsame Dinge. Doch zunächst: Mein erster Roman ist auf dem Markt (oder zumindest auf dem Weg dorthin. Es kann sich nur noch um Tage handeln.). Darauf habe ich fast zwei Jahre warten müssen. Dabei wird man fast verrückt. Mein Buch heißt »Mörderisches Rom«, erscheint bei Delius Klasing in Bielefeld, dem großen Segel- und Sportverlag, und kostet 14,90 Euro. Es ist ein Thriller, in dem mein mutigeres alter ego Rudi mit dem Fahrrad in der Ewigen Stadt umherfährt.


 

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