Inhalt abgleichen

Böse Kinder

Ich war immer ein leidenschaftlicher Journalist (passion writes here), doch Leidenschaft ist woanders besser aufgehoben. (Wo? Leider haben wir ja ihre gegenwärtige Adresse nicht.) Und Journalisten sind anstrengend wie schwer erziehbare Kinder. “Ach, was muss man oft von bösen / Kindern hören oder lesen!” (Wilhelm Busch, Max und Moritz) Also, liebe Kinder, mir missfällt zum Beispiel euer Hang zum Klischee. Warum lasst ihr die Leute nicht sein, wie sie sind? Nein, sie müssen immer am Klischee gemessen werden, und missvergnügt stellt der Journalist fest, dass wieder einmal ein Mensch nicht dem Klischee entspricht ...


Passion!

Wir machen weiter, wo wir vergangenen Freitag aufgehört haben. Da ist also ein Faden, und der ist rot und glüht: Leidenschaft! “Passion lives here” steht unter dem Logo der “Spiele” (ach wie süß, “die Spiele”!), wie man’s, in blaßblauer Schreibschrift, gern einmal in einem Liebesbrieflein lesen möchte. Die Welt spricht englisch. Aber, o Italiener, ihr habt doch so eine schöne Sprache! “Passione garantita” wäre gegangen, wenngleich etwas finanztechnisch klingend. “Passione per tutti!” Wunderbar. Vanilleeis für alle. Warum haben sie mich nicht gefragt?


Liebe jeden Tag

Ob’s wohl schon eine Doktorarbeit gibt über die Untertitel von Firmenlogos? Hier wäre der theoretische Unterbau dazu. Es ist, als habe die Firmen vor Jahren ein horror vacui geschüttelt. Nach dem Spot nur “Visa” oder “Baumarkt” im leeren Orbit, zum Anschau’n für zwei Sekunden, mochte herzlos wirken: wie ein Appell “Kauf!” oder “Fass!”. Herzlos sind wir nicht. Als erste konnte wohl Toyota nicht mehr schutzlos seinen Markennamen stehen sehen, also hängte man “Nichts ist unmöglich” drunter. Ein Erfolg. Aber vorher, sechziger Jahre, war da nicht BMW mit “Aus Freude am Fahren” (und AEG, “Aus Erfahrung gut”, eher Akronym, was der Volksmund aufgriff und “Alles ein Glump” textete)?


Sakrileg

In den Kinos liegen schon stapelweise bunte Erinnerungszettel an die Zukunft. Die Verfilmung von Der Da-Vinci-Code kommt, und sie wissen schon genau den Tag: 19. Mai. Wenigstens haben sie als Hauptdarsteller Tom Hanks genommen und nicht das Vollmondgesicht Di Caprio. Meine Partnerin hält mir den Wisch hin und zürnt: “Da! Schau dir das an! Die lachen und scheffeln das Geld, und du und dein Freund, ihr könnt nur kritisieren!” Ich hatte an Silvester eine Stelle aus Sakrileg vorgelesen, mit parodistischem Tonfall; ich glaube, sie fing an mit: “Silas stieg aus dem grauen Audi.” Sie jedenfalls meint ernsthaft: “Warum hast du sowas nicht geschrieben?”


Zackig

Mit dem Krimi-Preis werden Autoren gewürdigt, die “literarisch gekonnt und inhaltlich originell dem Genre neue Impulse geben”, so die Jury. Schön ist übrigens der Preis des Goldmann-Buchs: 6 Euro 50. So bringt man die Leute wieder zum Lesen.

Mal schnell eine Leseprobe, aus dem Internet stibitzt ...


 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!