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Der Gral und die Religion

Manfred Poser schließt seinen Gralszyklus ab und kehrt zurück in den Schoß der Kirche

(Foto: Manfred Poser)In einigen Sagen kehrt der Gral (oder bei Parzival der Stein der Weisen) wieder in den »Osten« zurück und verbleibt dort an unbekanntem Ort. Wir werfen noch einmal einen Blick auf den persischen Sufismus des Mittelalters. Sohrawardi, Ibn Arabî und Rūmī lebten eben zu der Zeit, als die Gralserzählungen geschrieben wurden.


Der Gral und die Literatur

Manfred Poser entdeckt den Gral in einigen Büchern und Filmen

(Foto: Manfred Poser)Der Gral steht für das Göttliche in der Welt. Seine Geschichte ist ein verzweigter Mythos und gehört zur Literatur. Arthur Edward Waite schreibt in seinem 680 Seiten starken Buch The Hidden Church of the Holy Grail (1909): »Der Gedanke an die Ewigkeit steigt vom Heiligen Gral auf, ebenso wie von jeder Literatur höchster Prägung.« Am ansprechendsten sei Literatur, wenn sie nach den ewigen Dingen suche. »Ich komme also zu dem Schluss, dass der Geist der Heiligen Suche uns beim Studium der Literatur der Gralssuche ebenso begleitet, als wenn wir tatsächlich aufbrechen würden, um die Gralsburg, den Kelch, den Schwert und die Lanze zu erobern.« Spirituelle Ritter, lesende Abenteurer sind wir.


Der Gral und seine Quellen

Manfred Poser wirft einen Blick auf die literarischen Ursprünge des Gral

(Foto: Manfred Poser)Es wird wohl nötig sein, den ganzen Sagenkreis zu durchschreiten, der zum Heiligen Gral und zu Parzival führte. Wir brauchen die äußere Handlung, erst danach können wir uns dem Geheimnis widmen. – Fangen wir bei König Arthur (oder Artus) an, der die legendäre Tafelrunde unterhielt. König Arthur ist eine mythische Figur keltischer Sagen. Er soll der Sohn von Uther Pendragon und der Königin Igraine von Cornwall sein. Der historische Arthur muss Ende des 5./Anfang des 6. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung gelebt und die sächsischen Invasoren am Hadrian-Wall bekämpft haben.


Ivanhoe oder: Alles ist vertauschbar

Manfred Poser analysiert den berühmtesten Ritterroman überhaupt und hält das Leben für eine Verwechslungskomödie

Ritter Konrad von Haltenberg (rechts) in der offenen Feldschlacht (Foto: Konrad Federl)Nach meiner ersten Berührung mit der Gralssage in Rom wollte ich mehr über die Ritter erfahren. Als ich neun oder zehn Jahre alt war, las ich begierig und mehrmals einen Comic über Prinz Eisenherz, der lange schwarze Haare hatte, an der Stirn zu einem Pony geschnitten (so einen hatte ich dann auch, als ich zwanzig war). – Um sich der mittelalterlichen Ritterschaft zu näher, kann man kein besseres Buch lesen als den Ivanhoe von Sir Walter Scott, der im Jahr 1195 spielt. Vollendet wurde das Buch 1830; aber Sir Walter war ein großer Mediävist, und erst der zeitliche Abstand führt, bei allen Verzerrungen, zu einer gewissen Objektivierung.


Der Gral in Rom

Manfred Poser las über den Gral – und bekam in Rom prompt einiges zu sehen

(Foto: Manfred Poser)Was steckt hinter den Schleiern? Wir verlassen nun die Welt der Frauen, Arabien und das erste Millennium, bewegen uns zeitlich voran und landen an der Schwelle des 13. Jahrhunderts. Es könnten die Jahre von 1190 bis 1210 sein. Unsere Suche nach dem Verborgenen bringt uns zum Rittertum. Das Visier ist der Schleier des Rittersmanns. Wir werden uns in den nächsten Teilen mit dem Conte du Graal von Chrétien de Troyes beschäftigen und dem Parzival des Wolfram von Eschenbach. Die große Zeit der Gralsromane sind die Jahre zwischen 1170 und 1220.


Siebzigtausend Schleier

Manfred Poser nähert sich allmählich dem Gral, doch zuerst müssen noch einige Schleier durchschritten werden

(Foto: Manfred Poser)Verborgen vor der Welt beten die frommen Frauen für sie. Wie Emissärinnen wirken sie, wie eine inkarnierte Aussage der Behauptung: Es gibt ein anderes Leben und eine andere Welt! (Das gilt auch für die Mönche.) – In einigen Lehren der spätantiken Gnosis, der stärksten Gegenspielerin der christlichen Kirche in der Geschichte, wird von sieben Kleidern oder Schleiern gesprochen, die der Mensch trägt. Unter Führung des Erlösers muss der Mensch bei seinem Abschied und Aufstieg sieben Reiche durchqueren und dabei die bösen Archonten – die Wächter – überlisten oder überreden; jedes Mal wirft der Verstorbene einen Schleier ab, und nackt tritt er vor den wirklichen guten Gott.


Fromme Frauen im Frühmittelalter

Manfred Poser blickt ins frühe Mittelalter und findet Asketinnen in Arabien ... und in St. Gallen

Die heilige Wiborada vor der Klause der Cilia in KonstanzDer Schleier, das Schweigen, die Unterwürfigkeit der Frauen – das war in arabischen Ländern nicht immer so. Die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel (1922–2003) schrieb, dass sich »die Lage der Frau im Laufe der Zeit verschlechterte, dass die einst flexiblen Regelungen sich verhärteten und Negativvorstellungen sich ausbreiteten. Die koranische Feststellung (Sura 2:228), dass ›die Männer über den Frauen sind‹, wurde zunehmend im Sinne einer Erniedrigung der Frauen ausgelegt, wodurch viele ihrer verbrieften Rechte beschnitten wurden [...] Denn je länger desto mehr setzte sich der Gedanke durch, Frauen sollten nicht lesen und schreiben lernen, obgleich bekannt ist, dass zumindest eine der Frauen des Propheten des Lesens und Schreibens kundig war.«


Das Schweigen (und das Schreien) der Sirenen

Manfred Poser wagt sich weiter vor ins Unbekannte – in das Algerien von Assia Djebar und in ein andalusisches Bergdorf

Die algerische Autorin Assia Djebar, geboren 1936, ist eine herausragende Stimme. Im Jahr 2000 erhielt sie den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Ihr 1985 erschienenes Buch L’Amour, la fantasia (deutsch: Fantasia, 1993, Unionsverlag) ist eine Collage aus Kindheitserinnerungen, Episoden aus französischen Feldzügen in ihrem Heimatland und Geschichten um Frauen. Das zweite Kapitel heißt Die Schreie der Fantasia, das dritte Die begrabenen Stimmen, andere Überschriften einfach Stimmen.

 


Stimmen aus dem Verborgenen

Manfred Poser beginnt das neue Jahr mit Literatur aus dem Orient, den manche für eine Erfindung halten – aber das Wort ist zu schön ...

Ein neues Jahr fängt an, in dem man viele neue Dinge ... und Artikel anfangen muss. Der schwere erste Satz! Nun steht er schon da. So schnell geht das. Und was gleich folgt, wird schon der sechste Satz sein. Das läuft ja besser als gedacht! Da gibt es ein Thema, das mich umworben und schließlich überredet hat. So klar sind seine Konturen noch nicht. Ich möchte vorwiegend am Beispiel arabischer Frauen zeigen, wie wichtig es ist, aus dem Schweigen herauszutreten, seine Stimme zu finden, um damit zu Selbsterkenntnis und einer Identität zu finden, was der erste Schritt zur Befreiung ist. Und die innerliche Befreiung muss zur äußerlichen führen.


Jenseits von Rungstedlund

Manfred Poser erinnert an die große Erzählerin Karen (Tania) Blixen

»I had a farm in Africa, at the foot of the Ngong Hills.«

Das ist der erste Satz der Erzählerin zu Beginn des Films Jenseits von Afrika (Out of Africa), der vor 25 Jahren, am 18. Dezember, Premiere feierte und dann im März 1986 in die deutschen Kinos kam. Ich habe ihn damals in Hamburg mit einer Frau gesehen, in die ich sehr verliebt war, doch die Geschichte ging nicht gut aus; der Film ebenfalls nicht, denn Denys Finch Hatton, der Geliebte der Erzählerin, stirbt bei einem Flugzeugunglück. Der Regisseur war Sydney Pollack, die weibliche Hauptdarstellerin Meryl Streep, und Robert Redford spielte Finch Hatton. Der Film kostete 31 Millionen Dollar und spielte 87 Millionen ein.


 

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