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Nachtrag zu Tolstoj

Manfred Poser ist mit anderen der Meinung, dass Lew Nikolajewitsch Tolstoj mehr war als ein begeisterter Radfahrer

Am heutigen 26. November ist der bundesweite »Tag des Vorlesens«. Da fällt mir ein, dass ich vor rund 20 Jahren meiner damaligen Partnerin ausgiebig aus Krieg und Frieden von Tolstoj vorgelesen habe, ich glaube, die ersten 50 Seiten mit dem Ball bei der Baronin Scherer. Die noch fehlende Kleinigkeit von 1400 Seiten habe ich natürlich auch genossen. Und erst vor zehn Tagen las ich den kleinen Töchtern meines Cousins in Bayern ein Kinderbuch vor, das von einem Löwen handelte, der verliebt war und seiner Löwin einen Liebesbrief schicken wollte, aber nicht schreiben konnte. Zum Glück bekommt er am Ende Privatstunden von ihr. Es ist schade, dass man so wenig vorliest.


Ta’wîl

Manfred Poser macht sich anhand der frühislamischen ›spirituellen Exegese‹ Gedanken über das Verborgene

Unlängst las ich zwei Bücher von Henry Corbin: seine Werke über die arabischen Philosophen Avicenna (980–1037) und Ibn Arabî (1165–1240). Corbin, Professor für Orientalistik an der Pariser Sorbonne, der von 1903 bis 1978 lebte, hat das Verdienst, gezeigt zu haben, dass im Mittelalter auch im Nahen Osten philosophiert wurde. Bei Avicenna und Ibn Arabî taucht immer wieder ein Schlüsselbegriff auf: ta’wîl. Das ist die spirituelle Hermeneutik oder Exegese (Auslegung), die einen Sachverhalt auf seinen Archetypus zurückführen möchte. Zwei weitere Begriffe sind noch wichtig: zâhir und batîn. Das erste Wort bezeichnet das Exoterische – das, was man vor Augen hat –, das zweite das Esoterische: was sich dahinter verbirgt.


Der Jenseits-Code

Manfred Poser sieht Halloween und Allerheiligen nahen und ergreift die Chance, wieder einmal übers Jenseits schreiben zu können

Die Feste für die Toten stehen vor der Tür: Allerheiligen und Allerseelen. Halloween ist damit verwandt; der italienische Volkskundler Carlo Ginzburg hat darüber in seinem Buch Hexensabbat geschrieben. Der November ist der Totenmonat, und darum darf es wieder um die Welt hinter dem Vorhang gehen. Im nächsten Mai möchte ich bei einer Parapsychologie-Konferenz in Rom über die Jenseitsforschung sprechen, und der jetzige Beitrag ist dafür eine gute Vorarbeit.


Fremde Götter

Manfred Poser knüpft an Lessing an und spürt dem/n Fremden nach

In der berühmten Ringparabel, die Nathan der Weise in Lessings gleichnamigem Theaterstück dem Saladin erzählt, geht es um einen König, der einen Ring mit einem Opalstein besitzt. Dieser Ring macht geneigt vor Gott und den Menschen. Da der König seine drei Söhne gleichermaßen liebt, lässt er zwei Duplikate anfertigen. Die Söhne erfahren davon erst nach seinem Tod und ziehen vor den Richter. Wer hat den echten Ring? Der Unparteiische, ebenfalls ein weiser Mann, sagt, sie möchten sich nur recht Mühe geben, zu lieben und geliebt zu werden; später, »tausend tausend Jahre später«, werde ein anderer entscheiden, wer den rechten Gott hinter sich gehabt habe.


Lessing!

Manfred Poser findet, dass Gotthold Ephraim Lessing nicht vergessen werden darf

Vor drei oder vier Wochen hatte ich mich viel mit Lessing beschäftigt und wollte über ihn schreiben. Drei Bände seiner Gesamtausgabe nahm ich sogar mit an die Ostsee; zum Lesen und Schreiben kam ich jedoch nicht. Warum habe ich den Artikel nicht gleich geschrieben? Um es mit Lessings Worten zu sagen: »Auf dieses Warum weiß ich kein Darum.« Warum ich über ihn schreiben wollte, weiß ich aber sehr wohl.


Ostsee/Literatur

Manfred Poser war an der Ostsee und stieß dabei ganz ungewollt auf literarische Fährten

Acht Tage war ich in ziemlich weit oben in Deutschland. Ich kannte nichts von der Ostsee und musste Berlin wiedersehen, und beides wollte ich auch meiner Mutter zeigen, als Geburtstagsgeschenk. Der goldene Volvo trug uns hinauf. Nun könnte ich diese Reise auf verschiedenen Ebenen schildern: als anstrengende Wander-Reise mit dem Erlebnis Meer und Landschaft; als innere Pilgerreise mit menschlichen Begegnungen; als Fahrt durch ein immer effizienter und konsumverliebter werdendes Land. Das wären drei unterschiedliche Reisen.


Ein Sommer mit Kikujiro

Japan-Liebhaber Manfred Poser hat ein Buch von und über Takeshi Kitano entdeckt

Kitano par Kitano (Cover; Ausschnitt)Noch vor Sommerbeginn las ich in einem Satz die vielen Sätze des Buches Kitano par Kitano, in diesem Jahr bei Bernard Grasset in Paris erschienen. Dann legte ich es auf einen Stapel, und immer wenn ich vorbeikam, fiel mein Blick auf Takeshi Kitanos Gesicht auf dem Titelbild: Er hält sich das linke Auge zu und trägt eine unergründliche Maske zur Schau wie der blinde Masseur Zatoichi in seinem Film von 2003. Der französische Journalist Michel Temman lebte zufällig in Kitanos Nähe und unterhielt sich über vier Jahre hinweg mit ihm; daraus wurde dieses Buch ...


Objektwelt und Traumwelt

Manfred Poser versucht, zwischen unserer gegenständlichen Welt und der fünften Dimension zu vermitteln. Ob das gutgeht?

(Foto: Manfred Poser)Es gibt eine neue philosophische Richtung. Sie heißt Object-oriented ontology oder kurz OOO. Die Objektorientierte Ontologie ist am 23. April mit einem Einweihungs-Symposium an der Georgia-Tech-Universität aus der Taufe gehoben worden. Teilnehmer waren Graham Harman, der an der amerikanischen Universität Kairo lehrt und den Begriff schuf, Ian Bogost, Levi Bryant und Steven Shaviro, ein großer Kant- und Whitehead-Experte (immer lesenswert, wenngleich »langfädig«: sein Weblog). Sie sind die Hauptvertreter der neuen Philosophie ...


David, Jan und Elvis

Manfred Poser war lange auf Radtour – und hat als radelnder Mönch viel Bedenkenswertes erlebt

Jan Paulsen (Foto: Manfred Poser)Vier Wochen lang war ich mit dem Fahrrad, Zelt und Schlafsack in Deutschland, Dänemark und Südschweden unterwegs. Ich stellte mir vor, ein Sufi-Mönch zu sein, und kannte natürlich die Essays von Hakim Bey über Sufi-Reisen (etwa diesen hier). Der Mönch fährt los und schaut, was ihm begegnet. Alle Erfahrungen und Koinzidenzen sagen ihm etwas über seinen spirituellen Zustand – und über die Organisation der Welt. Der Reisende ist immer bereit, anderen sein »baraka« (Segen) zu spenden. Ich war oft gut gelaunt und freute mich, wenn etwas gut lief, ich tat kund, wenn mir das Essen schmeckte oder ich glücklich war, einen Campingplatz erreicht zu haben. Ich war spontan und sprach aus, was mir in den Sinn kam. Oft habe ich dann bemerkt, wie der Gesprächspartner strahlte; dann war mein Segen angekommen ...


Das neue Denken

Manfred Poser wütet und trauert über Hoffnungen, die es nicht mehr gibt

(Foto: Manfred Poser)Bei meinem netten Buchhändler Herrn Eberth in Heitersheim aus der Ramschkiste gefischt: »Das neue Denken«, dtv-Taschenbuch von Fritjof Capra, erschienen 1992. Das lesend, spürte ich wieder die Begeisterung, die mich in jenem meinem ersten Jahr in Freiburg am Institut (1992) bei der Lektüre der Bücher aus den 1980er Jahren beseelt hatte. Die Quanten waren Zen-Buddhismus, jüdische Mystik und Novalis in einem! Capra, der Innsbrucker, spricht in dem Buch mit Gregory Bateson, Krishnamurti, Werner Heisenberg, Stanislav Grof und Ronald D. Laing ...


 

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