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Schwarz und Weiß

Manfred Poser sitzt wie viele täglich vor schwarzen Buchstaben auf weißem Papier. Aber da ist mehr ...

(Foto: Manfred Poser)

Esra ben Salomon aus Gerona schreibt in seinem Kommentar zum Hohelied, die Tora (die fünf Bücher Moses oder der Pentateuch) enthalte auch nicht einen überflüssigen Buchstaben oder Punkt, »weil sie in ihrer göttlichen Totalität einen Bau darstellt, der aus dem Namen des Heiligen, gelobt sei Er, ausgehauen ist«.

Und der Autor des Buches Sefer Jesirah (3. Jahrhundert) schildert, wie der Schöpfer aus der Urluft die 22 hebräischen Urbuchstaben herausholte...


Ordnung und Sprache

Manfred Poser wird wieder einmal vom Sortierengel heimgesucht, der Theorie einfordert – und Ordnung

(Foto: Manfred Poser)Der Sortier-Engel fühlte sich vernachlässigt, kam vorbei, half mir ein wenig, und im Wegfliegen flüsterte er mir ins Ohr, ich möge doch etwas zur Ordnung im Universum sagen; das hätten ihm deutsche Physiker aufgetragen ... und dann war er weg. Wo anfangen? Beim Anfang, beim Urknall. Danach war plötzlich Materie da. Sie besteht aus Protonen, Neutronen und Elektronen. Dann, 1932, spürte Carl Anderson in der Höhenstrahlung das Positron auf, das erste Beispiel eines Antiteilchens. Es lebt nicht lange und wird beim Zusammenstoß mit dem Elektron eliminiert. 1955 entdeckte man im Beschleunigerlabor das Antiproton. Jedes Teilchen hat sein Antiteilchen. Das weiß man theoretisch ...


Fußball in Afrika

Manfred Poser kontrastiert das Bild der westlichen Medien vom »schwarzen Kontinent« mit seinen eigenen Reiseerlebnissen

(Foto: Manfred Poser)Das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft! Das war ja schon lange bekannt, also konnte ich meine Geschichte vorbereiten. Afrika bedeutet mir viel. Ich war 1978 in der Sahara und 1984 in Ostafrika, damals schrieb ich sogar einige Artikel darüber. Wäre ich mutiger gewesen, hätte ich mich in Nairobi niedergelassen und von dort als Stringer (freier Journalist) für deutsche Zeitungen geschrieben. Doch dann ging ich zur dpa in Hamburg, und im Großraum tauchte plötzlich ein Schweizer Journalist auf, den ich in Nairobi getroffen hatte und der wohl, da er Schweizer war, auch ein wenig auf Sicherheit aus war. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Meier hieß er ...


Gräfin Dracula

Auch Manfred Poser ist fasziniert vom Horror – aber nicht alle Monster sind welche

Spukgemäuer in Irland (Foto: Manfred Poser)Das klang packend: Countess Dracula – The Life and Times of Elisabeth Báthory, the Blood Countess. Dieses Buch des Engländers Tony Thorne erschien 1997, es stand am Institut und ich entlieh es mir. Schon die Einführung! »In den Jahren, bevor sie sich umbrachte, schrieb die argentinische Surrealistin Alejandra Pizarnik kleine Geschichten und Gedichte.« Eine Erzählung behandelte die Blutgräfin, »la Condesa Sangrienta« Elisabeth Báthory. Sie lebte von 1560 bis 1614 in Transsylvanien, das damals ungarisch war. Gerüchten zufolge soll sie 650 junge Mädchen gefoltert und getötet haben, nach anderen Angaben waren es 220, und Zeugen vor Gericht kamen auf 35 ...


Nachruf auf die Tabakspfeife

Viele große Autoren haben Pfeife geschmaucht, weiß Manfred Poser, der ebenfalls am Abend seinen Kocher nicht ausgehen lässt

Auch ein Pfeifenraucher: Vilém Flusser (Foto: orange-press)Ein heißer Sommertag an der Côte d’Azur. Der belgische Romancier Georges Simenon hat sich vier Pfeifen gestopft, die nun vorbereitet in einem Gestell neben der Schreibmaschine auf ihn warten. Dann zieht er die Vorhänge zu, schenkt sich einen Genever ein und fängt zu schreiben an, denn Kommissar Maigret soll an einem nebligen Abend in Belgien einem Fall nachgehen, der auf einem Schiff spielt. Der Autor hört, wie das Wasser an die Bordwand klatscht ...


Short Stories

Manfred Poser wendet sich den Perlen einer überbordenden Literaturproduktion zu

(Foto: Manfred Poser)Seit dem Zauberer von Rom im Dezember 2009 keinen großen Roman mehr gelesen. Anderes war zu tun, ich pflügte kreuz und quer durch die Parapsychologie, und die Konzentration für einen Roman fehlte. Ein alter Freund, Englischlehrer an einem bayerischen Gymnasium, schwärmte mir von (Sir) Kingsley Amis (1922–1995) vor und empfahl dessen Collected Stories. Und dann legte mir Rolf Hannes aus Freiburg noch die Kanadierin Alice Munro (geboren 1931) ans Herz, die meist Geschichten von etwa 30 Seiten Länge schreibt. Ich war begeistert ...


Und wieder wiederholt sich was!

Manfred Poser stimmt erneut seine Leier und das alte Lied der Wiederholung an, das er anscheinend seinen Lesern einbleuen (einbläuen) möchte

Blues ist Wiederholung (Foto: Manfred Poser)Wir kehren zurück zu dem österreichischen Biologen Paul Kammerer (1880–1925). Der exzentrische Wissenschaftler entdeckte an Kröten ein höchst interessantes Vererbungsmerkmal, was ihn berühmt machte wie vorher Darwin. Allerdings kamen Zweifel an der Stichhaltigkeit der Ergebnisse auf (der Fall ist noch immer ungeklärt; Arthur Koestler hat ihn 1971 in seinem Buch »The Case of the Midwife Toad« aufbereitet), die Kammerers Reputation zerstörten und ihn in den Selbstmord trieben ...


Das Evangelium nach Pasolini

Manfred Poser erinnert an zwei Leidensgeschichten, durch zweitausend Jahre getrennt

Szenenfoto aus Pasolinis »Il Vangelo secondo Matteo« (1964)Jedes Jahr, scheint mir, fällt die Kolumne auf den Karfreitag. Das zwingt mich dazu, einen Gedanken dem Christentum zu schenken, das neben dem Kriminalroman auf keinen Fall zu kurz kommen soll. Vor ein paar Jahren bat ich in Rom einmal Chiara, Giovannas Schwester, mir doch den Film »Il Vangelo secondo Matteo« (auf deutsch erschienen als »Das 1. Evangelium – Matthäus«) von Pier Paolo Pasolini aufzunehmen, ein Werk von 1964. Gewidmet ist es Johannes XXIII., dem »Papa buono« (dem »guten Vater« oder »guten Papst«), der am 3. Juni 1963 im Vatikan nach knapp fünf Jahren im Amt gestorben war. Chiara überreichte mir die Kassette, hatte wohl noch ein paar Minuten gesehen, verdrehte die Augen und sagte etwas wie »che palle« oder »che lagna« (wie nervig, wie öde!). Ich wusste, das war nichts für sie. Aber der Film war ja auch für mich ...


Der Engel hilft weiter

Manfred Poser glaubt an den Engel – und wer an ihn glaubt, dem hilft er auch

Grazien, Genien und Engel (Foto: Manfred Poser)Ich hatte es ja prophezeit. Mein Freund Helmut hörte vom Bibliotheken-Engel, suchte (bereits am 11. Februar) in einem 1000-Seiten-Werk eine Stelle über Displaced Persons, wusste, es war irgendwo weiter vorn, schlug zufällig Seite 40 auf – und da stand es. Der große Gelehrte Gershom Scholem wollte etwas über Paracelsus und die Kabbala herausfinden und stattete der »wunderbaren mystischen Bibliothek von Oskar Schlag in Zürich« einen Besuch ab ... »wo ich aufs ungefähre einen Band der Sudhoffschen Ausgabe des Paracelsus aus dem Schrank zog. Mein Auge fiel direkt auf einen Satz, der mit den Worten begann: ›Der Teufel, großer Cabalist, der er ist ...‹ War das nun, was man einen Zufall nennt?!«


Der Bibliotheken-Engel

Manfred Poser wurde schon Hilfe vom Engel zuteil, aber verlassen sollte man sich nicht auf ihn – sein Auftauchen ist eine Gnade

Engel und der Turm von Babel (Foto: Manfred Poser)In Bibliotheken ist es meist still, aber hört man nicht manchmal ein fernes Rauschen, ein leises Flügelschlagen? Das könnte der Bibliotheken-Engel sein. Wir stehen vor Büchern, vor vielen Büchern, einem Meer aus Büchern, in dem wir zuweilen verloren sind; sie kehren uns den Rücken zu, doch Welten stecken in diesen Körpern – nur welchen wählen? Es gibt ein Zitat von John Mitchell von 1978, und zu diesem Namen sagt LibraryThing: »John Mitchell is composed of at least 9 distinct authors.« Welchen wählen? Nach Konsultation der 57 Titel im Angebot der Universitätsbibliothek Freiburg blieben John D., John J. und John V. in der engeren Auswahl, und ich vermute, es war John V. Mitchell, der 1981 Ghosts of an Ancient City geschrieben hat. Das passt am ehesten zu seiner folgenden Aussage ...

Engel und der Turm von Babel (Foto: Manfred Poser)
Engel und der Turm von Babel (Foto: Manfred Poser)

 


 

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