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Erleuchtete Dichter

Die Erleuchtung durchs Frühjahr wird kommen – und bis dahin tröstet uns Manfred Poser mit erleuchteten Dichtern

Die Erleuchtung ist eher eine Sache des Frühjahrs. Zumindest vollzieht sie sich gern im Lenz. Aber ein gewisses Datum bewog mich, sie schon jetzt zum Gegenstand einer Betrachtung zu machen. Also: Richard Maurice Bucke, 1837 in England geboren, praktizierte in Kanada als Arzt. 1872, als er 35 Jahre alt war, ereilte ihn die Erleuchtung (von der noch zu reden sein wird), 1877 lernte er Walt Whitman und dessen poetisches Werk kennen, vor allem die »Leaves of Grass«, und um 1895 fing er an, sein Buch »Cosmic Consciousness« zu schreiben. Es erschien in 500 Exemplaren bei Mssrs. Innes in Philadelphia ...


Schweine im Weltall

Manfred Poser ist heute mutig und lässt sich vom Trüffelschwein Leonardo durch Umbrien führen

Detail aus dem Cover der Pink-Floyd-Platte »Animals« (1977)Vergangenen Oktober trafen sich in einer Münchner Gaststätte ein paar Leute, die vor langer Zeit die dortige Journalistenschule absolviert hatten. 10 der 15 Anwesenden aus meiner ehemaligen Klasse waren noch im Journalismus tätig. Ein paar hatten auch Bücher geschrieben, darunter Ulla Hildebrandt, deren Roman »Ein freier Fall« einen schonungslosen Einblick in das Metier gibt. Sie war einmal Chefredakteurin, und auch Wolfgang Zdral hat einmal weit oben in einer Wirtschaftszeitschrift gearbeitet. Ich gab ihm meinen Roman und bekam dafür per Post seinen Krimi ...


Der Latin Lover und das schöne Tier

Manfred Poser ruft Ava Gardner seine Verehrung nach und teilt ihr Marcello Mastroianni als Partner zu

Hereinspaziert ins Reich der Schatten! Der Film kann ein geisterhaftes Medium sein. Schauspieler leben nicht mehr, sprechen aber zu uns; wir sehen irreale Szenen und Szenerien aus der Vergangenheit, und die Bilder sind körperlos. Der Kritiker Mark Sanderson schrieb einmal: »Und was sind Filmstars – von denen man sagt, sie hätten ›Präsenz‹ – anderes als professionelle Geister?« Der Film »Die barfüßige Gräfin« (1954) beginnt mit einem Begräbnis. Groß im Bild die Marmorstatue einer schönen Frau. Humphrey Bogart steht abseits im regenfeuchten braunen Trenchcoat. Seine Stimme aus dem Off – dann ein Rückblick. Vier Leute aus Hollywood begutachten in einem Madrider Vorort eine junge Tänzerin, die sie engagieren wollen. Regisseur Joseph L. Mankiewicz (1909–1993) zeigt uns zu den Klängen des Flamenco nur die rasenden Zuschauer. Die Tänzerin bleibt verborgen.


Kerner, Körner – oder Keiner?

Manfred Poser beginnt 2010 mit einem literarischen Rätsel, das jeden Krimi schlägt. Wer weiß die Antwort?

Das neue Jahr beginnt in den »Ausreißversuchen« mit einem Rätsel. Seit fast zwei Jahren liegt ein literarisches Problem, verwandt mit einem Schachproblem, bei mir in der Schachtel »Unerledigtes« und lässt mir keine Ruhe. Darum hoffe ich nun auf die Mithilfe von Leserinnen und Lesern. Dabei winkt kein Geldpreis, allenfalls ein Stückchen Unsterblichkeit ...Das neue Jahr beginnt in den »Ausreißversuchen« mit einem Rätsel. Seit fast zwei Jahren liegt ein literarisches Problem, verwandt mit einem Schachproblem, bei mir in der Schachtel »Unerledigtes« und lässt mir keine Ruhe. Darum hoffe ich nun auf die Mithilfe von Leserinnen und Lesern. Dabei winkt kein Geldpreis, allenfalls ein Stückchen Unsterblichkeit.


Der Zauberer von Rom

Manfred Poser entdeckt Spuren der Gegenwart in einem 150 Jahre alten Roman

Die letzten beiden Seiten des »Zauberers von Rom« (Foto: Manfred Poser)»Von seinem Ross herab salutierte der Diktator mit seinem im Sonnenstrahl blitzenden Schwert dem neuen Bischof Roms – einem Deutschen!« So steht es bei Karl Gutzkow auf der vorletzten Seite seines 1861 erschienenen Romans »Der Zauberer von Rom«. Den zweiten Band hatte ich nach Rom mitgenommen, denn er sollte auch einmal in der Ewigen Stadt gewesen sein. Im November hatte ich die 722 Seiten des ersten Bandes geschafft, und nach der 11-stündigen Rückfahrt im Zug am vergangenen Dienstag fehlte nur noch das Finale, der letzte Streich –! (Es ist übrigens eine Vorliebe Gutzkows, dem Ausrufezeichen einen Gedankenstrich voranzusetzen: –!)  Und so begleiteten mich die Personen und die Verwicklungen des Romans über fünf Wochen hinweg in einer Art Parallelhandlung, leise und dennoch präsent ...


Parallellinien

Manfred Poser stellt ein ›neues‹ Werkzeug für Gedichtinterpretationen vor, das nicht aus dem Baumarkt stammt

Die große Leistung Roman Jakobsons ist die Methode der strukturalistischen Gedichtanalyse, die freilich auch als ödes Erbsenzählen und Untat an der Seele des Gedichts abgetan werden kann. Zahlreich waren die Gegner, und stellvertretend für sie soll Michael Riffaterre stehen, der strukturale Stilistik lehrte: »Diese engen, rigorosen Methoden [...] konnten nie das subtile, undefinierbare je ne sais quoi einfangen, aus dem Poesie eigentlich gemacht ist.« Dieses je ne sais quoi heißt wörtlich »weiß ich nicht genau«; es ist das Undefinierbare ...


Maßlos in einer Welt aus Maß

Manfred Poser begeistert sich für russische Lyrik vom Anfang des 20. Jahrhunderts und verschiebt die Theorie auf später

Mein letzter Beitrag musste mich zu Nelly Sachs führen, der »Stimme der ermordeten Juden« in einem Wort von Hilde Domin, die auch schrieb, dass »vielleicht kein deutscher Dichter seit dem späten Hölderlin »eine so exaltierte Sprache« benutzt habe wie jene. Dass Nelly Sachs 1966 den Literatur-Nobelpreis erhielt, ist fast vergessen, jedenfalls gewinnt man den Eindruck, in der Nachkriegszeit seien als Deutsche nur Böll und Grass geehrt worden; das mag mit dem Wunsch nach Vergessen des Genozids zu tun haben. Allerdings musste Nelly Sachs sich den Preis mit dem israelischen Autor S. J. Agnon teilen (ein Novum), und die Operation hatte, wie wiederum Hilde Domin schrieb, etwas »Exterritoriales«, und die Dichterin lebte einige Jahrzehnte in Stockholm, war eine Exilantin, körperlich sowohl als geistig ...


Sonderbehandlung

Der dunkle, nasse November verleitet zu traurigen Gedanken, und Manfred Poser gibt diesem Impuls nach

Buchenwald (Foto: Manfred Poser)Vergangenen Spätsommer fuhr ich mit dem Rad durch die östliche Steiermark und näherte mich Ungarn. Kurz vor der Grenze brach ich von einem Feld noch eine Sonnenblume ab und klemmte sie hinten auf mein Gepäck. Weiter östlich dann, in Ungarn, fuhr ich nur noch an abgeblühten Sonnenblumenfeldern entlang wie an der Küste eines graubraunen eingetrockneten traurigen Meeres. Ich hatte viel Zeit, nachzudenken, und so dachte ich an die 400.000 ungarischen Juden, die spät noch, im Herbst 1944, nach Auschwitz transportiert und im Vernichtungslager Birkenau vergast wurden. Die Rote Armee befand sich im Vormarsch, die Alliierten waren gelandet, es sah nach dem Ende des Krieges aus, aber die Gaskammern und Krematorien liefen auf Hochtouren ...


Empor zum Mount Winnetou

Manfred Poser denkt an seine Jugendzeit mit »Winnetou III« und »Old Surehand II« – und weiß nun, was dahintersteckt

Von keinem Schriftsteller habe ich mehr Seiten gelesen als von Karl May. Es müssen 10000 gewesen sein, denn 30 Bücher von ihm verschlang ich, und manche (wie die Bände um Winnetou und Old Surehand) gleich vier Mal. Zwar fand dieser Lesegalopp etwa zwischen dem 12. und dem 16. Lebensjahr statt, doch auch später hatte kein Autor mehr interessanten Stoff für mein jeweiliges Alter zu bieten. Darum war bei meiner Reise nach Dresden mit meiner Mutter Mitte Oktober die »Villa Shatterhand« im benachbarten Radebeul, Wohnsitz des Dichters, eine wichtige Station. Wird heute noch Karl May gelesen? Ich weiß es nicht. Erzählen wir die ganze Geschichte ...


Hinter den sieben Bergen

Manfred Poser wirft einen Blick hinter die Zeichen – und landet in den Zwischenräumen

Wollen wir die Sprache niedriger hängen und die Geschichte höher, ist es das? Semantik vor Syntax? Wir haben ja »trockene« Prosa vor uns. Gedichte leben von Metaphern, Prosa lebt von der Metonymie, die der übertragene Gebrauch eines Wortes oder einer Fügung ist; Prosa schreibt drauflos und spricht damit gleichzeitig von anderen Dingen. Hemingway sah das anscheinend nicht so. Anhand seines Buches »Der alte Mann und das Meer« verriet er (1952 Bernard Berenson und damit uns) wieder einmal ein Geheimnis: »Es gibt keinerlei Symbolismus. Das Meer ist das Meer. Der alte Mann ist ein alter Mann. Der Junge ist ein Junge, der Fisch ist ein Fisch. Der Hai ist alle Haie, nicht besser und nicht schlechter. Der ganze Symbolismus, von dem die Leute reden, ist ein Scheißdreck.«


 

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