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Schluss mit dem Theater!

Gedanken zu Regietheater, Theaterregisseuren und deren Kritikern

»Schluss mit dem Theater!«, tönt es einstimmig aus dem Munde derer, welche um das Leben unserer Klassiker bangen. Sie verteufeln das Theater der Regisseure, welches mit seiner unbändigen Lust an Provokation, seinem ewigen, oft schon krampfhaften Antikonventionalismus und Dekonstruktivismus klassische Stücke oft bis zur Unkenntlichkeit verreißt und überformt. Der Begriff des Regietheaters wird von seinen Kritikern in diffamierender Absicht gegen Regisseure gebraucht, die solches Theater machen, das in den Augen vieler keines mehr ist. »Regietheater« bezeichnet das, was rauskommt, wenn der Regisseur absolute Willkür und Freiheit walten lässt, nicht mehr nur als Interpret, sondern Schöpfer des Stücks fungiert.


Gedeutete Wirklichkeit

Das Märchen von Frau Holle

In einem literaturhistorischen Vortrag zum Thema »Fakten und Fiktionen« kommt Ruth Klüger auf eine wichtige Unterscheidung zu sprechen, die man berücksichtigen muss, wenn man sich dem unbequemen Thema der Wirklichkeit nähern will, ohne sich in die unendlichen Horizontverschiebungen philosophischer Erörterung zu verlieren. Es ist die Unterscheidung von Ding und Deutung.


Sherlock Holmes und das Geheimnis der Bayard-Papiere

Pierre Bayards kriminalkritischer »Freispruch für den Hund der Baskervilles«

Kürzlich erst weilte ich wieder einmal in der Baker Street, bei meinem alten Freund Holmes, der mich auf Tee und Kokain zu sich eingeladen hatte. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie sehr es mich freute, dem berühmten Detektiv wieder einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu sitzen. Beide pressten wir uns eng in die Ohrensessel, entzündeten unsere Pfeifen und lauschten dem Prasseln des Kaminfeuers. Und es prasselte, obwohl es warm genug war. Wahrscheinlich prasselte es aus atmosphärischen Gründen. »Mein lieber Holmes, was macht eigentlich Watson?«, unterbrach ich die brennenden Holzscheite.


Gott verdamme mich oder: Basara schreibt besser

Zu Svetislav Basaras »Führer in die innere Mongolei«

Rezensionsexemplare treffen ein, man blättert, sieht sich die Einbände an, murmelt mit Sabber in den Mundwinkeln vor sich hin, erinnert sich an die ersten Leseerlebnisse, oh ja, grandiose Stunden waren das, angefüllt mit Abwesenheit, hatte da nicht jemand gerufen, und ehe man sich versah, schrieb man selbst, vielleicht geschult an den Romanen von Thomas Mann, versuchte man sich mit viel zu langen Sätzen, die manchmal noch aus einem heraus brechen. Kurze Zeit liest man Hemingway. Dann werden auch die eigenen Sätze kürzer.


Doping

Der bücherBrief – Diesmal: Über Schriftsteller, Schauspieler und Sportler auf Speed

Bei Schriftstellern gehört ein lockeres Verhältnis zu Drogen fast schon zum guten Ruf. Von sechs amerikanischen Nobelpreisträgern für Literatur waren vier Alkoholiker: Steinbeck, Hemingway, Fitzgerald und Faulkner. Bei Edgar Allan Poe streiten sich noch heute die Biographen, ob er nun opiumsüchtig war oder im Delirium tremens seine bekannten wilden Anfälle bekam. Niemand kommt deshalb auf die Idee, ihre Bücher nicht zu mögen.


Kulturkampf

Der bücherBrief – Diesmal: Über den wachsenden Einfluss der Fundamentalisten auf die Gesellschaft und den Buchmarkt

Die Jahreszeiten-Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner gehören zu den erfolgreichsten Kinderbüchern seit langem – in Deutschland und auf der ganzen Welt. Nur in Nordamerika nicht.


Jahreshauptversammlung: Weihnachtsgottesdienst

Nachgelassene Gedanken zu einem alljährlichen Ereignis

Wer nicht im Pool der tränenüberströmten Großmütter mit selbststrickbemützten Kindern, gestressten Müttern mit Bratensoßengedanken, in Engelsflügel gespannte Konfirmanden etc. mitschwimmen, wer den Pfarrer nicht hin- und herrudern sehen will, zwischen gemischtem Chor, Krippenspiel und Kanzel, den zieht es vielleicht spät am Abend in die Christmette – oder wie mich in den Frühgottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag. Inzwischen ist es ein Ritual. Mir ist feierlich und ein wenig mulmig zu Mute, als ich mich ins Nachbardorf aufmache. Die Heilige Nacht ist noch Vollmond beschienen, kein Stern zu sehen, die Luft klirrt vor Kälte. Nicht ohne große Erwartungen betrete ich die kleine, warme und vertraute Dorfkirche. Auch ich bin hier, obwohl ich regelmäßig den sonntäglichen Gottesdienst an meinem Studienort besuche, eines dieser verirrten Weihnachtsschafe, eines dieser wenig bekannten Gesichter, die nur zu dieser Jahreshauptversammlung erscheinen. Genau so werde ich auch betrachtet – ein merkwürdiges Gefühl.


Pippi

NEUE KOLUMNE: Der bücherBrief – Diesmal: Zum 100. Geburtstag von Astrid Lindgren

Am 14. November wäre Astrid Lindgren 100 Jahre alt geworden. Gestorben ist sie im Jahr 2002 mit 94 Jahren. 1945 erschien zum ersten Mal »Pippi Langstrumpf« als Buch. Als Astrid Lindgren das Manuskript einreichte, musste sie in einem Begleitbrief noch darum bitten, nicht das Jugendamt zu unterrichten – ihre Kinder seien wohlerzogen.


Liebe Frau Radisch, ...

Ein öffentlicher Brief an die Autorin des Buches »Die Schule der Frauen. Wie wir die Familie neu erfinden«

Liebe Frau Radisch, vergangenen Dienstag war ich bei Ihrer Lesung auf der lit.COLOGNE. Die Veranstaltung hieß »Frauen, Kinder und Karriere«, und Sie haben aus Ihrem neuen Buch »Die Schule der Frauen. Wie wir die Familie neu erfinden« vorgelesen. Am besten gefallen hat mir, neben der tollen Atmosphäre des Ortes, der KulturKirche Köln, dass Sie sich so aufgeregt haben. Dass Sie empört waren und Ihre Stimme erhoben und wild gestikuliert haben, als Sie anschließend mit der Schriftstellerin und ebenfalls alleinerziehenden Mutter Julia Franck über die ideologisch durchtränkten Schreibtischdebatten in den Zeitungen der letzten Monate diskutierten.


Uni-Theater und Theater-Uni

Oder: Wie sich das Theater Bonn ein Nachwuchspublikum heranzieht – Gedanken zur Ringvorlesung »Theater und Universität im Gespräch«

Es ist traurig, aber wahr – in der Universitätsstadt Bonn mit ihren großen geisteswissenschaftlichen Instituten besteht das durchschnittliche Theaterpublikum wider Erwarten nicht aus Studenten, sondern zumeist aus weit älteren Semestern. Böse Zungen mögen gar behaupten, Innovation sei in der Stadt am Rhein in Sachen Kunst daher nicht gefragt, vielmehr habe sich hier das gute alte Bürgertum aus Regierungssitzzeiten in den Theaterrängen eingenistet und erwarte dort vor allem Klassisches. Doch was tun, um jüngeres Publikum und damit auch einen Zuschauernachwuchs ins Theater zu locken?


 

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