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Funktionärsgattinnenlyrik

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wirbt für einen Gedichtband, den die Frau ihres Präsidenten verfasst hat

Es ist ein hübsches Beispiel für treffsicheren, eleganten Journalismus, was die Süddeutsche Zeitung heute auf ihrer Literaturseite darbietet. Eine kurze Meldung in der rechten Spalte konstatiert in wenigen klaren Worten einen kleinen Skandal. Wie es scheint, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft an die Redaktion der SZ – und vermutlich nicht nur an sie – Briefe geschickt mit der Bitte, eine Rezension des jeweils beigelegten Bandes in Erwägung zu ziehen. Das wäre schön, handelte es sich um ein von der DFG finanziertes Buch – zahlreiche wissenschaftliche Ergebnisse aus DFG-Projekten werden sicherlich viel seltener gelesen, als sie es verdient hätten. In diesem Fall steht zu hoffen, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft nicht an der Finanzierung des betreffenden Buches beteiligt war, das hier „auf dem offiziellen Briefpapier der Deutschen Forschungsgemeinschaft“ der Redaktion nahegelegt wurde und Gedichte von Antonetta Maria Winnacker enthält.


Wer zerstört BILD?

Ein medialer Intelligenztest

„Na, ob sich der Springer-Verlag das lange wird bieten lassen?“, mochte man noch denken, als man irgendwo, etwa an einer Bushaltestelle, das Werbeplakat sah, das mit markigen Worten und in grafisch betont anspruchslosem Layout forderte: „Zerstört BILD!“


Durchfahrtsland

Alexandra Sell will einen Einblick geben in das Leben im rheinischen Vorgebirge und eröffnet ein filmisches Kuriositätenkabinett. Ist das Fremde vor der Haustür wirklich so fremd?

Besser, es gleich zuzugeben: Vielleicht bin ich diesem Film gegenüber nicht ganz unvoreingenommen, denn ich stamme aus der unmittelbaren Umgebung der portraitierten Region. Zwar nicht direkt aus dem Vorgebirge, aber auch nicht weit davon entfernt. Ich bin in Brühl zur Schule gegangen, und die meisten meiner Mitschüler kamen aus dem Durchfahrtsland zwischen Köln und Bonn, aus Waldorf und Dersdorf, Rösberg und Hemmerich, Merten und Walberberg. Nach der Analyse des Films von Alexandra Sell zu urteilen, scheine ich dennoch kein typischer Vertreter der Region zu sein - ich war noch nie Mitglied in einem dörflichen Verein, schreibe keine Vorgebirgskrimis und gehe nicht mit bei der Fronleichnamsprozession ...


Will review for food

Eigentlich keine dumme Geschäftsidee, die die Herren drüben bei .txt da ausfindig gemacht haben bei der Literaturzeitschrift Ixlibris: Sich für's Rezensieren von Verlagen und AutorInnen bezahlen zu lassen - man nehme halt, von wo am nötigsten. Diese Zeitschrift, die sich ganz kleinmütig Literaturzeitschrift für Deutschland nennt und auch sonst in ihrer Selbstdarstellung mit Zurückhaltung auffällt, will sich mit herausragend ehrenwerten Motiven profilieren.


Bonner Germanisten sind schneller

Wir ahnten es ja schon immer, wenngleich es *hüstel* nicht auf alle zutreffen mag: Bonner Germanistik-Studenten sind schneller. Das zumindest geht aus einer Studie des Wissenschaftsrats (Titel: "Entwicklung der Fachstudiendauer an Universitäten von 1999 bis 2003") hervor.


Elf Freunde in Arkadien

Deutsche Schriftsteller sind Vize-Weltmeister!

Die seit langem schönste Nachricht aus dem deutschsprachigen Fußball-Betrieb ist nicht im kicker nachzulesen: Die deutschen Schriftsteller sind Fußball-Vizeweltmeister! Was Klinsis Mannen 2006 erst noch vollbringen müssen, haben Thomas Brussig und Konsorten bereits erfolgreich abgeschlossen: Immerhin den zweiten Platz errangen die elf Schriftstellerfreunde bei der "First World Writers League" in San Casciano dei Bagni in der südlichen Toskana.


Kanon-Futter, haufenweise

Irgendwie passend: Kneipenschild in Düsseldorf ;o)Der Kanon, das ewige Gespenst der Literaturwissenschaft: So mancher Forscher, Kritiker und Autor hat sich bereits als Exorzist versucht und ist mehr oder minder kläglich an der – sagen wir mal: Eigendynamik des Diskurses gescheitert. Von den einen als längst überkommenes Instrument der Klassifizierung, ja der Indoktrination verschrien, von den anderen immer wieder als notwendige Orientierungshilfe in Schule und Studium beschworen, fristet der Kanon eine geradezu paradoxe Existenz: Obwohl in Gänze inhaltlich unbestimmbar, ist er dennoch präsent – in den Lehrplänen der Schulen und Universitäten etwa, vor allem aber in unseren Köpfen.


Warte nur, balde datierest du auch

Im Jahr 2001 tauchte auf einer Auktion ein Kleist-Autograph auf, das das berühmte Gedicht "Wanderers Nachtlied" von Goethe – das, wie die Forschung lange Zeit annahm, erst 1815, also vier Jahre nach Kleists Tod, erstmals publiziert wurde – offenkundig paraphrasiert. Ein Datierungsproblem also, das nun gleich zwei Wissenschaftler beinahe zeitgleich und unabhängig voneinander gelöst haben: einerseits Roland Reuß in den Brandenburger Kleist-Blättern, andererseits Wulf Segebrecht in der FAZ .


»Ruhender Verkehr«

Das Betonauto auf dem Kölner Hohenzollernring

Man stelle sich vor, man träfe sich an einem nicht verregneten Nachmittag aus Pflichtgefühl mit einem Menschen, den man aus irgendwelchen Gründen völlig uninteressant findet, und landete zufällig in einem Café an besagter Stelle des Kölner Ringes. Man hört nicht zu, die Blicke schweifen ab, auf die Passanten, irgendwann auf die Straße, kölnerringtypische Gefährte dröhnen hier entlang, tiefer gelegt, an Elephantiasis leidende Auspuffrohre, Dalmatinerbezüge, das Übliche, dann leichte Irritation. Man schaut jedoch aus Höflichkeit den anderen einmal wieder an und gibt ein zustimmendes Räuspern. Der Blick richtet sich abermals auf die Straße, dieselbe Irritation, diesmal schaut man genauer hin ...


Kunst mit Köpfchen

Die Steinhäupter vor dem Bonner Münster

„Watt is datt dann?“, fragt sich der Rheinländer, wenn er das erste Mal die beiden riesigen Granitköpfe vor der Ostapsis des Bonner Münsters liegen sieht. So ging es auch mir, als ich mein Studium in Bonn antrat.


 

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