Inhalt abgleichen

Rat für Rechtschreibung tritt zusammen

Über die deutsche Rechtschreibung wacht seit Freitag eine neue Expertengruppe. In Mannheim traf sich erstmals der neue Rat für Deutsche Rechtschreibung, dem Sprachwissenschaftler, Vertreter von Verlagen, Schriftsteller- und Journalistenverbänden, Lehrerorganisationen sowie des Bundeselternrates angehören.

Das 18-köpfige Gremium wird bis zur offiziellen Einführung der neuen Schreibweisen in Schulen und Behörden zum 1. August 2005 Empfehlungen zu den besonders strittigen Fällen der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Eindeutschung von Fremdwörtern und der Interpunktion geben.

[...] "Wir müssen mit Besonnenheit und Sachverstand einige Korrekturen angehen, die das Unbehagen unter der Bevölkerung besonders vertiefen", betonte [Ratsvorsitzender Hans] Zehetmair im WDR-5- Morgenecho.

Einer völligen Rückkehr zu den alten Schreibregeln erteilte er jedoch eine Absage. In der Münchner "Abendzeitung" (Freitagausgabe) warnte er vor einem ideologischen Kampf um die Rechtschreibung.


Bouvier und das "Konzept Aldi"

Telepolis-Autor Jens Falk über die "Servicewüste Buchhandlung" und seine Erfahrungen mit dem größten Bonner Buchkaufhaus Bouvier:

Seitdem in Bonn Bouvier Bouvier-Thalia heißt und die Computerfachbücher in drei kleinere Regale gepresst wurden, scheint in meiner Stadt der letzte Sortimentsbuchhändler den potentiellen Fachbuchkäufer freiwillig zu Amazon.de & Co. abgegeben zu haben.

"Aber bestellen können Sie, morgen ab zwölf Uhr können Sie es sich am Bestellschalter abholen", sagt der von Thalia übernommene Bouvierbuchhändler. Nein, denke ich, ein Standardwerk für wissenschaftliche Textverarbeitung (Helmut Kopka, "LaTeX - Einführung") sollte eine Buchhandlung gegenüber einer Universität am Semesterbeginn vorrätig haben. Bestellen will ich dann doch lieber in meinem kleinen Laden um die Ecke. Wenn ich Verlag, ISBN, Autor und Titel vorgebe, werde ich auch nicht die junge Dame überfordern, so denke ich und verlasse den Laden, der sich auf Bohlen, Abd el Farrag und die "Bestsellerlisten" von Spiegel und Focus spezialisiert hat.


Das Böse mag keine Spagetti

Beliebter Führer: 'Der Untergang' als SPIEGEL-TitelthemaWir erinnern uns kurz:
Da saß man in diesem mehr oder minder sonnigen Sommer am Strand, im Café oder Sonstwoimmer, dachte an nichts Böses und war mirnichtsdirnichts in Gedanken doch schon längst bei genau demselbigen. Natürlich ohne es zu bemerken.

Was dem einen seine Nackten zur Auflagensteigerung, sind des anderen Hitlerreportagen. Ausgerechnet inmitten des Sommerlochs ließ Bernd Eichinger die ersten Schnappschüsse seines neuesten Werkes an die Presse durchsickern. Toll! Hitler aufs Cover und schon ist der Sommer gerettet! Immerhin, uns blieben so, zumindest im August, Titelgeschichten vom Schlage "Jetzt wollen sie auch noch Hitler klonen" (Bild im Sommerloch 2002) erspart. Und dann?
Dann kam der Film ins Kino. Dann wurde diskutiert. Dann wurde er für gut befunden. Und dann?

Der Altkanzler höchstpersönlich lobte und huldigte Eichingers Bunkerepos auf der letztsamstäglichen Bambiverleihung und man hätte fast gedacht, der Trubel um "Der Untergang" habe zumindest bis zu den 76th Annual Academy Awards ein Ende gefunden hat.

Könnte er, hat er aber nicht! Es gibt ja wackere Recken wie Peter Zadek, seines Zeichens Groß- und Skandalregisseur und immer für ein tapferes Wort zu haben.


Das Ende der humanistischen Universität?

Da die Probleme in Zeiten von Rationalisierung und Bologna doch überall dieselben zu sein scheinen, erlaube ich mir, noch einmal auf die (bereits hier und hier erwähnte) Diskussion um die "Ökonomisierung der Universität" zurück zu kommen und auf einen NZZ-Artikel des Züricher Theologieprofessors Konrad Schmid nicht nur hinzuweisen, sondern ihn auch ausführlich zu zitieren:

Die mehr und mehr raumgreifende Ökonomisierung der Universität betrifft besonders die Geisteswissenschaften. Deren Potenzial eines gesellschaftlichen Nutzens erscheint ohnehin begrenzt. Natürlich braucht es Deutschlehrerinnen und Französischlehrer an den Gymnasien und deshalb auch Germanistik- und Romanistik-Studiengänge an der Universität; und manchmal mag es hilfreich sein, einen Soziologen mit der Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher Probleme zu beauftragen. Doch was kann ein Assyriologe, der Keilschrifttexte ediert, der Gesellschaft nützen, was bringt es, wenn ein Philosoph sich mit Schelling beschäftigt, und wieso sollen musikwissenschaftliche Analysen von Bach-Fugen mit öffentlichen Geldern bezahlt werden?


»Wie weit würden Sie gehen?«

Dass der Hochgeistige, um den es hier geht, sich manchmal gern ins sumpfige Milieu verliert, ist wohl allgemein bekannt - und wie kämen wir dazu, ihn deswegen verurteilen zu wollen! Aber: dass wir uns dann selbst in nämliche Niederungen begeben müssen, um seine dort liegen gelassenen Worte aufzusammeln, weil sich ansonsten offenbar alle zu schade dafür gewesen sind - das, meine lieben klatsch- und tratschsüchtigen LeserInnen, sind wir denn doch geneigt, übel zu nehmen! Also gut, bloggen wir's halt als (mutmaßlich) erste.


Was macht eigentlich...

TITANIC-Satire zur Rechtschreibreformdebatte ... die Debatte um die Rechtschreibreform? Immerhin durfte sie in diesem Jahr (nicht nur) im Feuilleton recht erfolgreich als Sommerlochstopfer herhalten. Wir fassen kurz zusammen: Höhepunkt war zweifellos die seltsame Allianz von Spiegel-Verlag, Axel-Springer-AG und Süddeutscher Zeitung, die am 6. August mit ihrer Ankündigung, als "Konsequenz aus Verwirrung und geringer Akzeptanz" der Reform (so SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz) zur "bewährten Schreibung" zurückzukehren, für Aufsehen sorgte.


»Habseligkeiten«

So lautet das Wort, das unter 22.838 Einsendungen aus 111 Ländern heute von einer Jury, bestehend aus Mitarbeitern des Deutschen Sprachrats, des Goethe-Instituts und der Gesellschaft für deutsche Sprache (mit dabei auch Jutta Limbach, Herbert Grönemeyer, Uwe Timm und Joseph Vilsmaier), zum Sieger gekürt wurde. Nun, warum nicht - auch wenn man sich fragen kann, welchen tieferen Sinn eigentlich solche Wettbewerbe wie der zum "schönsten deutschen Wort" haben. Die Begründung der Einsenderin, Doris Kalka, ist allerdings lesenswert.


Zoff im Debütantenstadl

VOLLTEXT 5/2004Pünktlich zur Buchmesse erschienen: Die neue Ausgabe der österreichischen Literaturzeitschrift VOLLTEXT (von der hier schon einmal die Rede war).

Doch nicht dem Aufmacher - Helmut Krausser in Gespräch und Portrait anlässlich des Erscheinens seines neuen Romans Die wilden Hunde von Pompeji - soll unsere Aufmerksamkeit gelten, sondern einem Beitrag von Anton Thuswaldner, seines Zeichens Juror des aspekte-Literaturpreises - berufener Mund also, der sich hier kritisch zur neuen deutschen Debütantenprosa äußert:

[...] Angst haben sie nicht wirklich, die Debütanten in diesem Jahr. Ihre Figuren leben im geschützten Raum, sie ziehen sich zurück, sie meiden das Risiko und lecken die Wunden, die ihnen das Leben noch gar nicht geschlagen hat. Eine sensible Generation meldet sich zu Wort, die sich bedauert, weil sie nichts erlebt und deshalb Bewegungslosigkeit zur bevorzugten Haltung erklärt. Wenn die äußeren Verhältnisse die Figuren nicht zum Handeln reizen, ist jede Aufmerksamkeit auf das Innenleben gerichtet. Alle Abgründe einer in ihrer Sicherheit beunruhigten Persönlichkeit werden mit dem Senkblei der Sprache ausgelotet. Sie können schreiben, die Jungen, aber haben sie auch etwas zu sagen?

Die Antwort auf diese Frage fällt erwartungsgemäß aus: entschieden "Jein". Zuerst aber kriegt der Nachwuchs noch kräftig die Ideologiekeule aufs Hinterköpfchen:


 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!