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»Wie man (k)einen erfolgreichen Roman schreibt«

Federwelt Nr. 48 (Okt./Nov. 2004)Die Literaturzeitschrift Federwelt wird gefördert vom Bundesverband junger AutorInnen (BVjA) und erscheint seit 1998 sechs Mal pro Jahr mit der Zielsetzung, "dem tödlichen Geniekult entgegen[zuwirken], der die deutsche Literatur lange gelähmt hat", indem sie die Ansicht pflegt und vertritt, "dass das Schreiben zum größten Teil ein erlernbares Handwerk ist" und daher in erster Linie "praktische Artikel zu verschiedenen Themenbereichen des Schreibens" präsentiert. Dieser Zielsetzung folgt auch die aktuelle Ausgabe zum schönen Thema "Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt". Im Titelbeitrag erläutert Fantasy-Autor Andreas Gruber ebenso unterhaltsam wie lehrreich die typischen Tücken des Romanschreibens:

Verschwenden Sie keine Zeit, um Handlung, Schauplätze und Charaktere zu entwickeln, denn die entwickeln im Laufe des Schreibens ohnehin ein Eigenleben, das Sie als Autor nicht mehr steuern können. Wozu also den Prozess der Kreativität und Spontaneität behindern, etwa durch den Entwurf eines in sich stimmigen Exposés, eines plausiblen Konzepts, raffiniert in die Handlung eingeflochtener Exposition und langwieriger Dossiers aller Protagonisten, die ohnehin kein Mensch braucht, da Sie sowieso nur einen Bruchteil dessen in Ihrem Roman verwenden würden? Als Faustregel kann daher gelten: Einfach drauf losschreiben! Dadurch ergeben sich zwangsläufig Widersprüche in der Handlung und Unstimmigkeiten der einzelnen Charaktere, wodurch die Elemente der Geschichte zu keinem einheitlichen Ganzen zusammenpassen, sodass sich der Roman zu einem Lesegenuss voller überraschender Wendungen entpuppt, der dem Leser noch lange in Erinnerung bleiben wird.

(Der komplette Artikel findet sich übrigens auch auf der Homepage des Autors.) Lesenswerte Tipps für Autor/inn/en hält auch Federwelt-Herausgeberin Kathrin Lange bereit, die sich in ihrem Beitrag dem Problem widmet, "... einen Roman fertig [zu] bekommen", und dabei unter anderem auf den "Mythos" der Schreibblockade und probate Mittel zur Eigenmotivation zu sprechen kommt, die so manchen der inzwischen zahlreichen Romanratgeber überflüssig erscheinen lassen (und hier freilich der Motivation zur Anschaffung des Heftes wegen nicht verraten werden sollen). Federwelt Nr. 48 (Okt./Nov. 2004)Die Literaturzeitschrift Federwelt wird gefördert vom Bundesverband junger AutorInnen (BVjA) und erscheint seit 1998 sechs Mal pro Jahr mit der Zielsetzung, "dem tödlichen Geniekult entgegen[zuwirken], der die deutsche Literatur lange gelähmt hat", indem sie die Ansicht pflegt und vertritt, "dass das Schreiben zum größten Teil ein erlernbares Handwerk ist" und daher in erster Linie "praktische Artikel zu verschiedenen Themenbereichen des Schreibens" präsentiert. Dieser Zielsetzung folgt auch die aktuelle Ausgabe zum schönen Thema "Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt". Im Titelbeitrag erläutert Fantasy-Autor Andreas Gruber ebenso unterhaltsam wie lehrreich die typischen Tücken des Romanschreibens:

Verschwenden Sie keine Zeit, um Handlung, Schauplätze und Charaktere zu entwickeln, denn die entwickeln im Laufe des Schreibens ohnehin ein Eigenleben, das Sie als Autor nicht mehr steuern können. Wozu also den Prozess der Kreativität und Spontaneität behindern, etwa durch den Entwurf eines in sich stimmigen Exposés, eines plausiblen Konzepts, raffiniert in die Handlung eingeflochtener Exposition und langwieriger Dossiers aller Protagonisten, die ohnehin kein Mensch braucht, da Sie sowieso nur einen Bruchteil dessen in Ihrem Roman verwenden würden? Als Faustregel kann daher gelten: Einfach drauf losschreiben! Dadurch ergeben sich zwangsläufig Widersprüche in der Handlung und Unstimmigkeiten der einzelnen Charaktere, wodurch die Elemente der Geschichte zu keinem einheitlichen Ganzen zusammenpassen, sodass sich der Roman zu einem Lesegenuss voller überraschender Wendungen entpuppt, der dem Leser noch lange in Erinnerung bleiben wird.

(Der komplette Artikel findet sich übrigens auch auf der Homepage des Autors.) Lesenswerte Tipps für Autor/inn/en hält auch Federwelt-Herausgeberin Kathrin Lange bereit, die sich in ihrem Beitrag dem Problem widmet, "... einen Roman fertig [zu] bekommen", und dabei unter anderem auf den "Mythos" der Schreibblockade und probate Mittel zur Eigenmotivation zu sprechen kommt, die so manchen der inzwischen zahlreichen Romanratgeber überflüssig erscheinen lassen (und hier freilich der Motivation zur Anschaffung des Heftes wegen nicht verraten werden sollen).


Innehalten

»Allerheiligen - zeit, unserer toten zu gedenken...«, ist heute im abundant-Blog zu lesen, geknüpft an eine Passage aus Tadeusz Borowskis Erzählband Bei uns in Auschwitz:

Sieh Dir das alles an, und verliere nicht den Mut, wenn es Dir schlecht geht. Denn es könnte ja sein, daß wir einmal darüber berichten müssen, daß wir einmal den Lebenden Rechenschaft abgeben müssen und daß wir uns zur Verteidigung der Toten erheben müssen.

Der ganze Textauszug hier, mehr zum Hintergrund und zur Biographie des Autors hier.


Auf die Schnelle: Das Buch der Deutschen

Das Buch der Deutschen Sind wir nicht alle ein bißchen deutsch? Irgendwie ja schon - und da wir als Deutsche kaum eine Chance auf gemeinsame Identitätsbildung haben, erbarmten sich Johannes Thiele und die Verlagsgruppe Lübbe dazu, uns Verwirrten ein Werk zu schenken, das weiterhelfen soll: Das Buch der Deutschen - Alles, was man kennen muss! Wunderbar, uns wird eine helfende Hand entgegengestreckt und wir können endlich gemeinsam auf eine lange lange lange literarische Kultur zurückblicken und sagen: "Wie schön! Was haben wir Deutschen nicht schon alles geschaffen!" Wie lange mussten wir auf so ein nettes Projekt warten - ein deutsches Lesebuch. Eigentlich eine ganz niedliche Idee, nicht neu, nicht aufregend, aber niedlich. Und das beste an der Sache: Es ist ein Kanon. Uaaah, Stolperfalle! und schon liege ich auf dem Boden. Kanon? Sind wir etwa schon wieder mitten in dieser leidigen Kanondiskussion? Es tut mir wirklich leid das zu sagen, aber ja, das sind wir. Für 24, 90 € erhält man ein fürs Auge recht gefälliges 832 Seiten starkes Bändchen, und das ist nicht genug: gratis dazu und ganz ohne Aufpreis gibts sogar 2 (in Worten: zwei) Lesezeichenbändchen (haben die eigentlich einen offiziellen Namen), eins in rot, eins ein gelb (schwarzes Buch). Und dann bekommt man viel Bildung. Wunderlich eigentlich, dass Herr Schwanitz nicht auf diese Idee gekommen ist. Was gibt uns das Buch? Schauen wir doch einfach ins Netz und begutachten das Konzept: Das Buch der Deutschen Sind wir nicht alle ein bißchen deutsch? Irgendwie ja schon - und da wir als Deutsche kaum eine Chance auf gemeinsame Identitätsbildung haben, erbarmten sich Johannes Thiele und die Verlagsgruppe Lübbe dazu, uns Verwirrten ein Werk zu schenken, das weiterhelfen soll: Das Buch der Deutschen - Alles, was man kennen muss! Wunderbar, uns wird eine helfende Hand entgegengestreckt und wir können endlich gemeinsam auf eine lange lange lange literarische Kultur zurückblicken und sagen: "Wie schön! Was haben wir Deutschen nicht schon alles geschaffen!" Wie lange mussten wir auf so ein nettes Projekt warten - ein deutsches Lesebuch. Eigentlich eine ganz niedliche Idee, nicht neu, nicht aufregend, aber niedlich. Und das beste an der Sache: Es ist ein Kanon. Uaaah, Stolperfalle! und schon liege ich auf dem Boden. Kanon? Sind wir etwa schon wieder mitten in dieser leidigen Kanondiskussion? Es tut mir wirklich leid das zu sagen, aber ja, das sind wir. Für 24, 90 € erhält man ein fürs Auge recht gefälliges 832 Seiten starkes Bändchen, und das ist nicht genug: gratis dazu und ganz ohne Aufpreis gibts sogar 2 (in Worten: zwei) Lesezeichenbändchen (haben die eigentlich einen offiziellen Namen), eins in rot, eins ein gelb (schwarzes Buch). Und dann bekommt man viel Bildung. Wunderlich eigentlich, dass Herr Schwanitz nicht auf diese Idee gekommen ist. Was gibt uns das Buch? Schauen wir doch einfach ins Netz und begutachten das Konzept:


Genazinos Langeweile

Sehr geehrte Chefredakteure, Programmleiter, Fernsehdirektoren, Eventdenker, Kaufhauschefs! Sehr verehrte Planer von Freizeitparks, Loveparades, Expos und all dem anderen Nonsens! Lasst die Finger weg von unserer Langeweile! Sie ist unser letztes Ich-Fenster, aus dem wir noch ungestört, weil unkontrolliert in die Welt schauen dürfen! Hört auf, uns mit euch bekannt zu machen! Hört auf, euch für uns etwas auszudenken! Sagt uns nicht länger, was wir wollen! Bleibt uns vom Leib, schickt uns keine portofreien Antwortkarten und gebt uns keine Fragebögen an die Hand, interviewt uns nicht, filmt uns nicht, lasst uns in Ruhe! Lasst uns herumstehen, denn Herumstehen ist Freiheit! Und gebt euch zufrieden damit, wenn wir das, was uns interessant vorkommt, vielleicht niemandem erzählen wollen.

(Wilhelm Genazino in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des diesjährigen Büchner-Preises)


»Jeder möchte Spuren hinterlassen«

[...] seit kurzer Zeit gibt es auch für Otto Normalverbraucher die Möglichkeit, bei der Niederschrift seiner Memoiren die professionelle Hilfe eines "Ghostwriters" in Anspruch zu nehmen.

Meldet heute und verweist etwa auf den Verlag "Mein Leben", der sich auf Autobiographien spezialisiert hat:

Ellen Schönfelder und Irina Ploch-Harabacz vertiefen sich seit drei Jahren in das Leben anderer Leute und haben seither knapp 20 Bücher verfasst. Schönfelder spricht voller Respekt von ihren Kunden: Durchweg "gestandene Persönlichkeiten" seien das, die zu ihr kämen, meistens erfolgreiche Mittelständler, die sich von der Pike auf nach oben gearbeitet haben.
Sie treibt keineswegs nur die Eitelkeit: Oft ist es der Drang, Lebenserfahrungen weiterzugeben und Spuren zu hinterlassen - oder einfach der Wunsch, den Kindern und Enkeln etwas Besonderes zu schenken.

Verzeihung, aber so verständlich dieser Wunsch und so begrüßenswert das Angebot zur zweifellos bestehenden Nachfrage für den Einzelnen auch sein mag: Schon bei der reinen Vorstellung der möglichen Bücherflut, die da auf uns zurollen könnte, wachsen mir büschelweise graue Haare!


Ach ja - und Fotos!

Also, wir waren auf der Messe vertreten (bzw. sind es noch), zwar nicht mit einem eigenen Stand, aber mit einer netten kleinen Ecke beim Kranichsteiner Literaturverlag (worauf wir ja bereits hingewiesen haben). Und damit auch alles schön dokumentiert wird, gab es ja mein Handy inkl. Kamera ...


Vom wilden Kurdistan

Was haben 22 Staaten zwischen Atlantik und Golf gemeinsam? Also, zunächst gehören sie alle der Arabischen Liga an. Sie liegen alle irgendwo zwischen Golf und Atlantik und sie sind vornehmlich islamisch geprägt. Sie benutzen das arabische Schriftsystem - und sie sind gerade in Frankfurt Ehrengast der Buchmesse.

Schön und gut, haben wir doch alle was gelernt und freuen uns, dass die arabische Welt sich Europa öffnet. Muss sie auch irgendwie, denn ebenfalls gemein ist diesen Ländern ihr schlechter Ruf und das verschrobene Bild, das wir von ihnen haben. Wie nett von uns, sie zur Buchmesse einzuladen. Ach Mensch, wie toll! Wir geben ihnen eine Chance. Sind wir nicht super? So weltoffen. Fantastisch.

Mal abgesehen davon, dass mir diese ganze Einstellung zum Gastland doch ziemlich suspekt ist, muss ich an dieser Stelle mal rumpöbeln und munter in die Welt herausrufen:
Das mit der Offenheit habt ihr irgendwie noch nicht verstanden!
Oder sind wir es, die etwas nicht verstanden haben?
Zumindest eins steht nach der Buchmesse fest: So richtig klappt das mit der Völkerverständigung nicht, und das aus ganz profanen Gründen. Erstens wurde uns nur ein ganz kleiner und zwar offizieller Teil des arabischen Literaturmarktes präsentiert; und zweitens hatten wir keine Chance, auch nur irgendwie einen Zugang zu finden.


Jelinek und der Nobelpreis

Elfriede JelinekIch habe es immer gewusst! Sie ist die Größte! Ja, ja, ich weiß, nicht allzuviele teilen meine zärtliche hassgeprägte Liebe zu Frau Jelinek, aber ich bin begeistert!!!

SIE BEKOMMT DEN NOBELPREIS! Und nun auf zum Spott, meine Lieben - aber denkt dran, Ihr werdet mich nicht von meiner Begeisterung ob dieser Neuigkeiten abbringen können! Holt den Sekt raus, sie hat es geschafft!

Der ORF lässt verlauten:

Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek erhält den diesjährigen Literatur-Nobelpreis. Das gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm bekannt.

Der renommierteste Literaturpreis der Welt wird jährlich vergeben und ist mit zehn Millionen Kronen (1,1 Mio. Euro) dotiert.


Wir auf der Buchmesse

Frankfurter Buchmesse, 6.-10.10.2004

Vom 6.-10. Oktober ist wieder Frankfurter Fleischbeschau Buchmesse angesagt - und dank des Kranichsteiner Literaturverlags werden auch wir dort vertreten sein.

Wer uns besuchen möchte, findet uns in Halle 4.1, Stand D 133. Wo das genau ist, kann man sich übrigens - o Segen der Technik! - auf dem interaktiven Hallenplan anschauen.

Weitere Infos zur Buchmesse gibt es hier: www.buchmesse.de

www.kranichsteiner.de

 

addendum (07.10.04): Bilder gibt's übrigens auch. ;-)


 

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