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Momentaufnahme und Chronik zugleich

Joe Sacco zeigt mit einem Leporello, was das Medium Comic alles kann

Der Zeichner und Journalist Joe Sacco betritt sowohl thematisch als auch stilistisch Neuland – und bleibt sich und seinen Comic-Reportagen gleichzeitig treu. Der Erste Weltkrieg: Die Schlacht an der Somme ist ein großformatiger Leporello, der deshalb so beeindruckend ist, weil er sich comicspezifischer Mittel bedient.


Kein Comic

Eine Diskussion von Peter Eickmeyers Im Westen nichts Neues

Mit seiner Adaption von Remarques Im Westen nichts Neues reiht sich Peter Eickmeyer in die ständig anwachsende Liste von literarischen Klassikern in Comicform ein. Aber ist das kürzlich im Splitter Verlag erschienene Buch tatsächlich ein Comic? Und spielt diese Frage für die Bewertung des Buches überhaupt eine Rolle?


Erpressung, Nacktfotos, eine Kreissäge

Peter Buwalda zersägt den Familienroman

Wie dekonstruiert man ein Genre (den Familienroman), dessen Gegenstand (die bürgerliche Kernfamilie) längst dekonstruiert ist? Indem man, so die Antwort, die der niederländische Autor Peter Buwalda in seinem hochgelobten Debut Bonita Avenue dazu gibt, einem Roman den Auftakt eines vielschichtigen Familiendramas gibt, ihn dann aber als Splatter-Inszenierung mit pornografischem Anstrich enden lässt. Das ist nicht geschmackvoll, aber unbedingt zeitgemäß.


Spiel mit Ordnung und Chaos

Der gigantische Bart der böse war reizt uns zum Überschreiten von Grenzen

In seinem Comic Der gigantische Bart der böse war erzählt Stephen Collins in beeindruckenden Bildern eine Geschichte zwischen Kafka und Kinderbuch. Aus dem Gesicht des sonst mehr als unscheinbaren Protagonisten Dave bricht plötzlich ein widerspenstiges Haar heraus und verwandelt sich in einen unzähmbaren Bart. Anhand dieser zunächst wenig spektakulären Geschichte schafft es Collins sehr grundsätzliche Fragen über Kontrolle, Ordnung und Chaos zu diskutieren.


Die unzähligen Wege des Gedächtnisses

Giovanni Orellis Die Brille des Gionata Lerolieff: Reflexion über Kausalität und Gedächtnis

Was für Folgen der Verlust einer Brille haben kann, das erfahren wir im frisch erschienenen Roman von Giovanni Orelli. Der in Deutschland leider relativ unbeachtete Schweizer Autor liefert in seinem Buch eine komprimierte und labyrinthische Darstellung einer Innenwelt, die jede Orientierung und Systematik verloren hat. Die Annahme, es gäbe ein stabiles Zentrum des Bewusstseins und einen Verlauf der Welt, der sich ausschließlich nach dem Menschen richtet, wird hier durch eine fragmentarische Schreibweise voller Assoziationsgeflechte grundlegend hinterfragt.

»Ich habe die Orientierung verloren, die Kompasse, die Meridiane. Ich habe die Brille verloren«


Aus der »Mülltonne der Geschichte« zu einer Philosophie der Moderne

In einem komplexen Text rehabilitiert Philipp Muray den Antisemiten Louis-Ferdinand Céline als Geschichtsschreiber

In dem groß angelegten Essay Céline unternimmt Philipp Muray den waghalsigen Versuch einen der polarisierendsten und unnahbarsten Schriftsteller der literarischen Moderne zu fassen. Dabei wird die Aufarbeitung dieses literarischen Oeuvres für den französischen Kulturkritiker zum Ausgangspunkt einer philosophischen Zeitdiagnose, die sich vom Ersten bis über den Zweiten Weltkrieg hinein in die Gegenwart erstreckt – und bei der der besprochene Louis-Ferdinand Céline, mitsamt all den moralischen Problemfeldern, in den Hintergrund gerät.


Wallfahrt in die Vergangenheit

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki als Meditation über Schmerz und Freundschaft

Haruki Murakami muss man dem deutschen Publikum wohl kaum vorstellen. Immer wieder hat der japanische Autor die deutsche Leserschaft erobert, zuletzt durch die Trilogie 1Q84 und Die unheimliche Bibliothek. Seit Januar liegt sein neuester Roman vor: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. Es ist eine Geschichte von einem Mann, der sich selbst als passiv und mittelmäßig empfindet, und, um die Frau seiner Träume zu erobern, dem Schmerz seiner Vergangenheit begegnen muss.


Aliens in Schottland – irgendwo zwischen Alltag und Science Fiction

Under the Skin ist einer der sehenswertesten Filme des Jahres

In Venedig wurde er gefeiert und ausgebuht. Die Reaktionen auf diesen Film sind gemischt, die Informationen dubios: Eine außerirdische Lebensform ist in Schottland auf Menschenfang, Scarlett Johansson ist ein Alien mit schönen Brüsten – Und sind das überhaupt Schauspieler? Nichts, was man über Under the Skin liest oder hört, kein Trailer kann uns auf diesen Film vorbereiten. Dieses verstörende und betörende, existenzialistische und sexuell aufgeladene Werk hat den Vergleich mit dem großen Kubrick gesehen… und überlebt.


»Obwohl ich gar kein Briefschreiber bin…«

Der zweite Band der neuen Briefedition Hermann Hesses zeigt den Schriftsteller zwischen Weltflucht und Weltkrieg

Wenn Hermann Hesse in einem Brief an Theodor Heuss schreibt, »[…] ich selber bin sonst kein Briefschreiber« (232), dann mutet das fast wie eine Lüge an. Behauptet er es aus Selbstschutz oder ist ihm der Umfang seiner Korrespondenzen selbst nicht klar? 40.000 Zuschriften von über 6.000 Absendern, 15.000 Antworten und eine Grauziffer von beinahe dem Doppelten beweisen  im Gegenteil, dass Hesse einer der produktivsten Briefschreiber des 20. Jahrhunderts war. Seit dem Abschluss der Gesammelten Briefe 1986 sind immer mehr dieser Briefe aufgetaucht und werden nun in der neuen, auf 10 Bände angelegten Briefausgabe bei Suhrkamp zugänglich gemacht. Unbedingt ein Grund hineinzuschauen.


»Und genau das ist Literatur, eine unkontrollierbare Angelegenheit«

Moacyr Scliars Kafkas Leoparden – literarische Entgegnung aus Brasilien

Moacyr Jaime Scliar, »Schriftsteller, Arzt und Jude – woraus ersichtlich ist, welche Last ein menschliches Wesen mit sich herumschleppen kann«, sprach wie Kafka von Identität als Problem. In der Erzählung Kafkas Leoparden spürt er dieser komplexen Identitätsproblematik ohne spürbare Schwere und auf höchst literarische Weise nach.


 

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