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c/o pop conference 2005 (I)

Ende August, es ist doch noch warm in Köln: die Pilger sind weitergezogen, nun macht sich die Medienmeute wieder breit. Faltige Männer mit schwarzen Brillen, junge Frauen mit Buttons an den Handtaschen - aha: Es ist c/o pop conference.


Letztlich bleibt es klanglos

„Die neue Mitte“, so stand es 1998 auf den Wahlplakaten der SPD, als sie es schaffte, das überkommene System Kohl abzulösen. Und vielleicht ist es etwas spät, ein Buch zu besprechen, das bereits 2001 unter dem Titel Wie klingt die neue Mitte? Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik erschienen ist, zumal die Popmusik ja in ständiger Bewegung bleibt. Doch letztlich beschreibt das Buch mit dem Einzug des Popstargehabes auf die politische Bühne eine Sache, die nicht nur von aktueller Wichtigkeit ist: „Pop seit den Neunzigern“, so Martin Büsser, „will fast immer Zugehörigkeit zur Mehrheit, zur Mitte – und die ist tendenziell rechts.“ „Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut“, sangen im Jahr 2000 Tocotronic, selbst kaum mehr zu den Jugendlichen zu rechnen, in Let There Be Rock.


Funk-Rosinchen auf »Solo«-Pfaden

Róisín Murphys Solo-Debüt-Album Ruby Blue

Es soll ja Leute geben, die behaupten, dass in der populär-kommerziellen Musik überhaupt nur Frauen befriedigende Ergebnisse abliefern. Und das nicht nur, weil sie in aller Regel einfach hübscher anzuschauen sind als ihre männlichen Sangeskollegen. Diese Musik-Radikalfeministen beiderlei Geschlechts hören den ganzen Tag CDs von Tori Amos, PJ Harvey, Björk, Heather Nova, Aimee Mann oder von der Ur-Mutter aller Frauen im Musikbusiness: Patti Smith. Arglose Einsteiger fangen mit CDs (und Postern) von Nelly Furtado oder Shakira an und deutsche Teenies werden mit Bands wie "Wir sind Helden" oder den von Plattenfirmen in deren Gefolge gepushten Frontfrau-Bands abhängig gemacht.


Müssen wirklich alle mit?

Der übliche Weg, neue Musik kennenzulernen, ist wohl das Radio oder Musikfernsehen - gangbar zumindest für diejenigen, die sich durch nervtötendes Gedudel, das π ∙ Daumen 90% des Programms ausmacht, nicht abschrecken lassen. Sicher, daneben gibt es noch die bekannten Musikmagazine, die es sich mittlerweile lobenswerterweise auch zur Aufgabe gemacht haben, ihren Heften CDs beizulegen und somit nicht nur über Musik zu berichten, sondern sie auch hörbar vorzustellen. Leider findet man aber auch hier immer wieder die gleichen Todläufer. Was beim Rolling Stone einst unter dem Titel "New Voices" Musik an den Leser brachte, wird bei fortlaufender Nummerierung mittlerweile als "New Noises" weitergeführt. Tatsächlich enthielten nach einiger Zeit die CDs oft nur noch neue Songs bereits bekannter Stimmen. Um an neue Musik zu kommen, hilft am schmerzfreisten also nur zweierlei: entweder nette Leute, die anderes kennen, oder neue Magazine mit anderen Lieblingskünstlern. Doch bei aller Liebe zur Vielfalt kommt im allgemeinen das Deutschsprachige ein wenig kurz.


"Gekommen um zu bleiben"

Wir sind Helden überzeugen durch den Mut, sich treu zu bleiben und doch frischer zu klingen

Cover des neuen Helden-AlbumsVon der Konsumkritik der Band Wir sind Helden profitierten vor allem die Plattenfirmen, die im vergangenen Jahr, nicht zuletzt dank deutschsprachiger Produktionen, ein starkes Umsatzplus verbuchen konnten, nachdem in den Jahren zuvor immer weniger Kunden den Weg in die Läden gefunden hatten. Wie lange der von Wir sind Helden ausgelöste Deutschpopboom anhalten wird, ob er sich als ähnlich schnell verlebte Mode erweist, wie seinerzeit etwa die Hamburger Schule, ein Konglomerat verschiedenster Bands, die, kaum dass sie einen Plattenvertrag erhalten hatten, schon wieder auf der Straße standen, weil sie die in sie gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllen konnten, wird sich zeigen müssen.


kettcar: von spatzen und tauben, dächern und händen

Cover des neuen kettcar-AlbumsJa, es gibt sie noch, die Guten, die, die noch etwas zu sagen haben über das Hier und Jetzt, das Ich und Du, über das Leben und seine Spatzen, Tauben, Dächer und Hände!


Shake de Fink off de Tree

FinkGute Platten brauchen ein wenig Zeit, bis man an ihnen Gefallen findet. Manche werden gar erst im nachhinein groß, obwohl man sie eigentlich nie so richtig in Ruhe zu hören bekam. Auch die neue Fink-Platte brauchte Zeit, bis ich Gefallen an ihr finden konnte. Das liegt aber nicht unbedingt daran, daß sie besonders unzugänglich wäre, sondern vielmehr, daß eine Band, die nun ihr 6. Studioalbum veröffentlicht hat, einen gewissen Erwartungshorizont vor sich herschiebt. Es muß Fink sein – und darf doch nicht einfach nur ein neuer Aufguß von Altbekanntem sein. So wäre meine Erwartung vielleicht am besten zusammenzufassen. Ein schweres Unterfangen. Aber können Fink nach all den Abgängen eigentlich noch Fink sein? Wenn der Schlagzeuger und der Gitarrist die Band verlassen, sollte man doch fast erwarten können, daß sich einiges ändern wird.


 

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