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Eine soziologische Versuchsanordnung

Biennale Bonn 2008 (Logo)Man kommt beim Personal von Friedrich Dürrenmatts Der Mitmacher schnell auf die Idee, es handle sich um eine schematische Darstellung der Welt. Da ist der Wissenschaftler, genannt Doc. Der Mafiaboss, genannt Boss. Der Polizeichef Cop. Ach ja, und Ann, die Femme Fatale, Bill, der Millionenerbe. Und Jack und Jim und Sam und Joe. Die hat man aber schnell wieder vergessen. Die Figuren scheinen genauso einsilbig und austauschbar wie ihre Namen. Wer auf diese Finte hereinfällt, der verkennt nicht nur Dürrenmatt, sondern auch das Ensemble des Istanbuler Staatstheaters. Unter der Regie von Sakir Gürzumar wurde das späte Bühnenstück Dürrenmatts (türkisch: Uyarca) seit der Spielzeit 2005/06 produziert und dort seither außerordentlich erfolgreich aufgeführt. Die (vermeintlichen) Stereotypisierungen sind keine Vereinfachungen.


Haarsträubende Endlosigkeit

Biennale Bonn 2008 (Logo)Vorsichtig tastet sich Zajo mit seinen Füßen an Mischkadora heran. So vorsichtig, als hätte er etwas zu verlieren. Jedem seiner Schritte folgt ein Wasserplätschern. Er stupst sie an, doch sie rührt sich nicht. Grelles Licht erscheint. Vorbei, es war nur ein Traum. Denn in Wirklichkeit haben Mischkadora, Zajo und Bin nichts zu verlieren, nicht einmal ihr Leben. Sie sind die letzen drei Überlebenden in einer endlosen Warteschleife einer gottlos verlassenen Welt.


Wenn Häuserwände zur Leinwand werden

Tagebuch zur Biennale Bonn 2008 (Logo)Was erlebt die Betreuung der Festivalleitung? Welche Aufgaben stellen sich dem Betreuer einer Künstlergruppe und welche Erfahrungen macht man bei der Begleitung von Veranstaltungen? Unser Tagebuch zur Biennale Bonn :Bosporus 2008 ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen des Festivals und zeigt, wie die Teilnehmer eines Projektseminars am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn an der Organisation der Biennale beteiligt sind und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln. Heute berichtet Ute Friederich von ihren Erlebnissen bei der Betreuung von »A Wall is a Screen«.


Der visuelle Historiker

Biennale Bonn 2008 (Logo)Ara Güler, aus einer armenischen Apothekerfamilie stammend, wurde durch seine Faszination zum Kino zu einem weltweit bekannten und bedeutenden Repräsentanten der künstlerischen Fotografie. 1999 er zum Fotografen des Jahhunderts ernannt und damit für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Somit sind die Erwartungen an die Fotoausstellung »Das Auge des Jahrhunderts«, die im Rahmen der Biennale Bonn :Bosporus 2008 im Rheinischen Landesmuseum zu sehen ist, groß. Was hat Ara Güler, was andere nicht haben? Was wird an seinen dargestellten Menschen, ihrem Alltag in den 50er, 60er und 70er Jahren in der Türkei besonders sein? Inwiefern überzeugt er durch seine Schwarz-Weiß-Fotografien, die vorrangig Hafenlandschaften und Straßen Istanbuls zeigen?


Euro-asiatischer Brückenschlag im Reich der Wissenschaft

Biennale Bonn 2008 (Logo)Wie bei den vergangenen zwei Theaterfestivals in den Jahren 2004 und 2006 helfen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Studenten bei der Organisation der Biennale mit. Die Vorbereitung erfolgte im Rahmen des Projektseminars »Bosporus am Rhein. Biennale Bonn 2008« am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft. Aber nicht nur Studenten der Germanistik sind vor und während der Biennale engagiert, zum Team gehören etliche Studenten verschiedenster Fachrichtungen, darunter auch mehrere aus dem Bereich der Asienwissenschaften. Mit dieser Fachrichtung ist die Kooperation im Rahmen der diesjährigen Biennale zum Themenschwerpunkt Bosporus besonders eng ...


Scheinbar altbekanntes neu entdecken

Biennale Bonn 2008 (Logo)Seit Jahrhunderten schon ist der Orient – das Hirngespinst im Abendland – der Schleier, der die Blicke trübt und die Sinne vernebelt. Seine Märchen aus Tausendundeiner Nacht, all die tausend Geschichten und Lügen über ihn, liegen uns in den Ohren wie eine einzige Wahrheit. Dichter, Schriftsteller und Diplomaten aus aller Welt trugen gleichermaßen ihren Teil dazu bei, dass sich Europa niemals ernsthaft mit der Kultur und Gesellschaft des Orients auseinandergesetzt hat. Die diesjährige Biennale eröffnet uns nun die Möglichkeit, ein anderes Bild der orientalischen Welt kennenzulernen. Die Türkei, Anatolien und seine Bevölkerung, wird uns die Gelegenheit geben, Künstlern zu begegnen, die ihre eigene kulturelle Identität in der Form darstellen, wie sie selbst sie wahrnehmen.


Der Wahnsinn Theater in Theorie und Praxis

Sandra Heinrici beantwortet den Fragebogen für »Germanisten, die es geschafft haben«

Biennale Bonn 2008 (Logo)Den traditionellen Magister-Studiengängen wird gerne einmal ein mangelnder Praxisbezug vorgeworfen. Doch es geht auch anders. Denn wenn sich aus der Mitarbeit in einem Projektseminar zu einem großen Theaterfestival nach dem Studienabschluss ein Jobangebot als Organisationsassistentin bei eben diesem Festival ergibt, dann muß man einfach zugreifen – auch wenn man eigentlich vorhatte, sich sofort in die Promotion zu stürzen.


Mit Einschluss der Übertreibung buchstäblich wahr

Die Biennale Bonn 2008 zeigt vom 14. bis 22. Juni die kulturelle Schönheit des Bosporus

Biennale Bonn 2008 (Logo)Für uns gen Osten reisende Europäer habe es, so kann man in einem Roman Friedrich Schreyvogls nachlesen, nach Ansicht türkischer Touristenbootruderer im 19. Jahrhundert »kein schöneres Vergnügen« gegeben, »als mitten im Bosporus wie verrückt zu schaukeln«. Heute, im Juni 2008, bietet die Biennale Bonn die wunderbare Gelegenheit, sich ohne die Gefahr der Seekrankheit von der Schönheit des Bosporus zu überzeugen. Die Meerenge zwischen Europa und Kleinasien ist, nach New York 2004 und Indien 2006, vom 14. bis 22. Juni die Gastregion des letzten internationalen Theaterfestivals am Rhein.


Jäger der verlorenen Unschuld

Natürlich hätten wir alle Freude daran, würde so Wissenschaft betrieben: mit Notizbuch und Revolver am Gürtel, den Schlapphut auf dem Kopf, die Lederpeitsche geschmeidig in der Hand. Natürlich wäre es aufregend, bestünde Archäologie vor allem daraus, sich vor gefährlichen Eingeborenen und herabstürzenden Felsbrocken in Sicherheit zu bringen, die goldglänzende Statuette im Arm. Doktor Henry Walton Jones, Jr., genannt Indiana, ist aber für alle Menschen außer seinen fiktionalen Studenten stets weniger Wissenschaftler gewesen als Abenteurer: Jäger der verlorenen Schätze ...


Die kalte Hand des Todes in der warmen Fülle der Freuden

Karriere oder Ehe? Das ist die leitmotivische Frage, auf die sich Goethes Clavigo verzweifelt eine Antwort erhofft – von seinem Freund Carlos, von der Familie seiner Geliebten und sogar vom Publikum. Berufliches Ansehen oder häusliches Familienidyll? Keine leichte Entscheidung und so wundert es nicht, dass Clavigo jeden Ratschlag allzu bereitwillig aufnimmt und sogleich in die Tat umsetzt. Da wird nicht lange überlegt, denn Clavigo ist ein Mann der Tat. Rät die Familie zur Heirat, folgt auch prompt die Verlobung. Rät der beste Freund hingegen die Karriereleiter zu erklimmen, wird die Verlobung eben kurzerhand wieder gelöst.


 

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