Inhalt abgleichen

Menschlichkeit zwischen Perversion und Mitleid

Mit zwei tödlichen Stichen in den Bauch hat Woyzeck seine geliebte Marie ermordet; mit den Worten »Sieh da Marie!« zerrt er den leblosen Körper verzweifelt vor den gemeinsamen Kinderwagen. Er will nicht wahrhaben, dass sie tot ist, doch die Antwort des Engels »Ja, Mörder« lässt ihn langsam und schmerzhaft verstehen. – Eine Woche nach der Eröffnung des NRW-Theaterfestivals westwärts 08 haucht David Bösch dem letzten und fragmentarisch hinterlassenen Drama Georg Büchners in den Bonner Kammerspielen neues Leben ein. Laut und nervenaufreibend inszeniert er die 1836/37 geschriebene Tragödie.


westwärts! – Der Name ist Programm

Sonntagnachmittag in den Kammerspielen Bad Godesberg: Trotz strahlenden Sonnenscheins waren viele Menschen gekommen, um bei der Eröffnungsveranstaltung des Theaterfestivals »westwärts 08« dabei zu sein. Denn in diesem Jahr konnte der Generalintendant Klaus Weise zusammen mit der Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, Bärbel Dieckmann, ein neu strukturiertes Konzept des bisher oftmals umstrittenen Festivals vorstellen: Erstmals öffnete sich das Festival nach Europa, Partnerland war dabei Frankreich, das im Jahr 2008/09 auch Partner der Kulturpolitik Nordrhein-Westfalens sein wird.


»Doch, dafür muss man sogar eine Zeitschrift machen«

Die aktuelle und nunmehr siebte Ausgabe des Bonner Exoten bietet auf 80 Seiten komische Kurzgeschichten, Rezensionen und Gedichte einer Vielzahl meist junger Autoren, die mehrheitlich über den üblichen Comedyblödsinn auf Lesebühnen und Slam Poetry-Veranstaltungen hinausgehen. Geschaffen werden soll mit diesem vierteljährlich erscheinenden Medium die schwierige, aber in diesem Fall gelungene Verbindung von Bühnenkomik und satirischer Literatur. Herausgeber des Exoten sind die Herren Christian Bartel, Olaf Guercke und Anselm Neft, die dem Anspruch der »Zeitschrift für komische Literatur« entsprechend in verschiedenen Konstellationen auch auf der Bühne ihrem Publikum Freude bereiten.


Gone with the wind

Wie schon in seinem Film »Stay«, der 2005 völlig zu Unrecht nur geringe Beachtung in den deutschen Kinos fand, beweist Regisseur Marc Forster auch in »Drachenläufer« seine Fähigkeit, den Zuschauer mit ästhetischen Bildern zu fesseln, ohne dabei den Fokus von der Handlung zu nehmen.


Molière mit dem Presslufthammer

Mitten im Zuschauerraum sitzen sie, in blendend weißen Sesseln, Champagner-Gläser und Häppchen in der Hand: die Darsteller der Bussi-Bussi-Gesellschaft, vor der es Menschenfeind Alceste (Felix Goeser) so sehr graut. Fleißig wird Sekt verteilt an verdutzt dreinschauende Zuschauer – aus dem Premieren-Publikum werden Party-Teilnehmer. Als Alceste schließlich schreiend vor Ekel über einen Steg durch die Zuschauer auf die Bühne flieht, fühlt sich jeder im Saal mitschuldig. Was ist hier Spiel, was nicht? Und sind wir nicht alle Teil dieser verlogenen Gesellschaft, vor der er flüchtet?


Ein Mensch zu sein

Betörend erreicht der Gesang der Meerjungfrauen das Publikum in den Bonner Kammerspielen und zieht es tief hinab auf den Grund des Meeres, um ihm die traurig-schöne Liebesgeschichte der kleinen Meerjungfrau zu erzählen. Die musikalische Märchenreise nach Hans Christian Andersen ist so farbenprächtig und schillernd inszeniert, dass die Besucher das Meer förmlich zu schmecken glauben.


Heimat als Utopie

Innig schlingt er die Arme um die beiden Söhne, selig kniet sie neben ihm. Die Familienidylle könnte süßer nicht sein. Und doch trügt der schöne Schein. Wenig später wird sie diese ihre Kinder morden. Ihn lässt sie am Leben – denn welch ein Tod könnte schmerzhafter sein als lebenslanges Leid?


Religiöser Terror als fanatisches Theater

Der Skandal war groß: Hans Neuenfels’ Inszenierung von Mozarts »Idomeneo«, an der Deutschen Oper in Berlin wurde im September 2006 aus Angst vor Terroranschlägen kurzfristig vom Spielplan gestrichen. Nun inszeniert Neuenfels im Schauspiel Köln Frederico García Lorcas »Bernarda Albas Haus«. Und wieder wird ein Religionsstifter auf die Bühne gebracht, sogar in seine einzelnen Gliedmaßen zerlegt.


Der Witz des Gärtners

Wer von Klassikern spricht, redet von Grabsteinen! Doch wer so etwas heutzutage noch immer behauptet, der sollte sich anscheinend selbst um einen derartigen bemühen. Denn dass fast auf den Tag genau binnen eines knappen Jahres sowohl am Kölner Schauspiel als auch in den Bonner Kammerspielen eine Inszenierung von Gotthold Ephraim Lessings »Emilia Galotti« uraufgeführt wird, drängt die Vermutung auf, irgend etwas an diesem Stück sei einfach nicht tot zu kriegen.


Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Denver ist ein Aussteiger. Im Norden Kanadas, am Rande eines Gletschers mitten im Nirgendwo, betreibt er mit seiner Freundin Marjorie einen Videoladen. Ab und zu kommt der einsame, junge Jude vorbei, um sich mit ihnen Pornos anzusehen. Als Jude eines Tages eine Leiche im Eis findet und die attraktive Archäologin Kim anreist, wird die Monotonie ihres Alltags gestört ...


 

Spendenaufruf

Die »Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Literatur im Dialog« sowie das Online-Magazin wird von einer jungen, ehrenamtlichen Redaktion betreut. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, mit unserer Arbeit weiterzumachen.

Detaillierte Hinweise für Spenden finden Sie im Impressum.

Wenn Sie mögen, können Sie uns auch ganz einfach unterstützen, während Sie online einkaufen, einen Flug oder Ihren nächsten Urlaub buchen – ohne, dass es Sie mehr als ein paar zusätzliche Mausklicks kostet. Wenn Sie vor dem Einkauf bzw. der Buchung über nachstehenden Button zu einem Online-Shop gehen und dort dann wie gewohnt einkaufen, bekommt die »Kritische Ausgabe« automatisch eine kleine Spende von etwa fünf Prozent des Einkaufswertes gutgeschrieben. Ihnen entstehen dadurch garantiert keine Mehrkosten!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!