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Begeisternde Experimentierfreude

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Es gibt Konzerte, die lassen ihr Publikum ekstatisch und gelassen, enthusiastisch und melancholisch, meditativ und aufgewühlt zugleich zurück, ohne dass ein Gefühl unangenehmer Diskrepanz aufkommen würde. Dann nämlich, wenn die Musik es schafft, so viel scheinbar Unterschiedliches harmonisch dergestalt zu vereinen, dass sie nicht einmal mehr den Gedanken zulässt, es könne fremd sein. Traditionelle indische Musik, Elemente des Jazz, Rock, Asian Dub und lateinamerikanische Rhythmen, komponiert zu einem Klangteppich – ein so bestechend experimentierfreudiges Konzert ist Markus Stockhausen, Trilok Gurtu, Pandit Hariprasad Chaurasia und Ferenc Snétberger gelungen. Die als Einzelkünstler renommierten Interpreten fanden zur Bonner Biennale das erste Mal als Quartett auf der Bühne des Opernhauses zusammen und ernteten mit ihrem musikalischen East-West-Projekt Standing Ovations ...


Die zerstörerische Macht des Aberglaubens

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006»Chokh Gyalo« gehört wohl zu den leiseren Inszenierungen der »Biennale Bonn :Indien«. Hier kommt man ganz ohne buntes Farbspektakel à la Bollywood aus, ohne pompöse musikalische Untermalungen. Stattdessen zeigt sich Goutam Halders dramatische Umsetzung der Kurzgeschichte des bengalischen Autors Tarashankar Bandyopadhyay sehr reduziert. Eine knittrige Leinwand, auf der die unendliche Weite eines Mangohains, einer Wüstenlandschaft gleich, erscheint – das reicht. Und auf der Bühne ein spärliches Lager unter einem Palmzweig, wie eine kleine Oase im sandigen Nichts ...


Fünf Momente des Todes

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Blut sprudelt aus dem Krieger hervor. Tödlich verletzt liegt Karna auf dem Schlachtfeld. Leben und Sterben, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind im Moment des Todes eins. Karna hadert mit seinem Leben. Hat er immer die richtigen Wege beschritten? War es seine Pflicht, für seine Retter, Freunde und seine Ziehfamilie, die Kauravas, gegen die Pandavas in den Krieg zu ziehen, selbst nachdem Krishna ihm die Wahrheit über seine Existenz offenbart hatte? Durfte er als verlorener Sohn der Kunti gegen seinen Halbbruder Arjuna kämpfen? Oder musste er es geradezu tun, um seinem Mentor und Freund Duryodhana zur Seite zu stehen? So hadern drei Teile seiner Seele – der Krieger, der Sohn und der Freund – mit ihrem einen gemeinsamen Leben. In fünf Augenblicke der Vergänglichkeit zwischen Kampf, Loyalität und Güte unterteilt, bringt die Dramatic Art & Design Academy Delhi den Tod Karnas in Form ihres »Mahabharata Projects« auf die Bühne ...


Wohin soll das nur führen?

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Es dauerte einige Jahre, bis Europa einsah, dass der Nabel der Filmwelt nicht unbedingt im amerikanischen Westen zu suchen ist. Mag es den ehemaligen Kolonialherren auch bis in die späten 90er Jahre verborgen geblieben sein, die restliche Bevölkerung unseres Globus wusste es schon immer: Indiens Filmindustrie führt seit Jahrzehnten mit 700-900 jährlichen Produktionen die Weltspitze an. Bietet der Subkontinent tatsächlich so einen großen Markt an? Ja und nein ...


Tanz vom Sinn des Lebens

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Der Bühnenraum flimmert. Zahlenkolonnen verschwimmen zu einem Meer aus Pixeln, das die Tänzer schier verschluckt. Ein dumpfes Rauschen dringt in den Raum, aus der Ferne indische Klänge. Es knackt, als wäre jemand an ein Lautsprecherkabel gekommen. Nie präsentiert sich die Musik rein und klar dem Ohr des Zuschauers. Die Figuren stürzen sich hinein in die flimmernde Projektion immer neuer Bilder, hinein in die Musik, die sich zwischen traditionellen indischen Klängen und lautem Elektro-Sound bewegt und wie ein Oszillograph mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlägt. Die Tänzerinnen und Tänzer des Attakkalari Centre for Movement Arts aus Bangalore reagieren darauf mit indischer Folklore, dann wieder mit modernen Ausdrucksformen. Als gebe es nichts Natürlicheres, bewegen sie sich mal synchron, mal allein zu dem zeitweise in Rauschen und Zischen versinkenden Rhythmus ...


Der Rausch der Geschichte

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Es riecht! Die Bühne riecht! Der Raum riecht. Wonach? Nach Curry, nach Brot, nach Gewürzen und Fremden. Nach Welt und Geschichte. Ohrenbetäubender Lärm lässt den Zuschauerraum der Kammerspiele erbeben. Allmählich sind Stimmen herauszuhören. Stimmen, die von den Treppenaufgängen herkommen. Das Auge gewöhnt sich an die plötzliche Dunkelheit und schon ist man mitten drin: in der Konferenz der Mitternachtskinder.


Man(n) trägt Folklore im Gewande

Biennale Bonn: Indien 13.-21. Mai 2006Die Vorstellung ist vorbei, Telefone blitzen, Rudelbildung im Bühnenstrafraum, man bemerkt überrascht: Naseeruddin Shah ist ein Star – zumindest in Indien. Mag sein Auftritt für den indischen Teil des Publikums ein exklusives Ereignis sein, doch die von ihm und seiner Motley Theatre Company erzählten Geschichten von Ismat Chughtai ziehen auch uns Europäer in den Bann. Bis zu ihrem Tode 1991 als feministische Autorin (wenn man sie nicht gar für einen Mann hielt) in Indien als »obszön« umstritten, schuf sie seit den vierziger Jahren fein-satirische Geschichten über die alltäglichen oppressiven Erfahrungen der Frauen auf dem Subkontinent ...


Namasté!

Biennale Bonn: Indien 13.-21. MärzEs war einmal vor langer Zeit, da schillerte das Theater Bonn in sattem Gelb. Regiert wurde das Haus von einem gewissen Herrn B., der vieles vorhatte damit. Groß sollte es sein. Erhaben sollte es sein. Weltstädtisch sollte es sein. Doch es kam alles anders als Herr B. dachte. Eines schönen Tages – Herr B. hatte unlängst die aktuelle Spielzeit von einem schier endlos in den Himmel ragenden Obelisken aus eröffnet – entschied der böse Bund, dass die Bonner Bühnen zwar ehrenwert und wahrhaftig seien, jedoch zu viel Geld bekämen. Der Monarch tobte. Er schäumte vor Wut, und noch bevor sein Vertrag wirklich auslief, verließ er sein Volk und zog samt eines von ihm gegründeten Festivals gen Süden. Und ward nie mehr gesehen ...


Nicht von dieser Welt

Es gibt Abende, an denen scheint einfach alles zu stimmen. Abende, an denen man das Gefühl nicht los wird, dass schlichtweg jede noch so kleine Nuance im Bühnengeschehen auf keinen Fall hätte anders aussehen oder klingen dürfen. Dies sind jene seltenen Momente im Leben eines Zuschauers, in denen man einfach nur rufen möchte: »Verweile doch! Du bist so schön!«


Endstation Neuanfang

Es gibt zwischenmenschliche Beziehungen, die sind hoffnungslos verloren. In denen haben sich die Partner durch unsichtbare Seile aneinander gefesselt und sehnen nichts mehr herbei, als von dem Menschen, den sie einmal geliebt haben, loszukommen. Von diesen Menschen und ihren »ganz normalen Höllen« handeln die Geschichten des amerikanischen Regisseurs und Dramatikers Neil LaBute. Seine Filme und Dramen sind mehrfach preisgekrönt, und wer einen Beweis benötigt, warum LaButes Stimme zu den ganz wichtigen der amerikanischen Gegenwartsliteratur gehört, der sollte in der nächsten Zeit einmal in die Bonner Werkstattbühne kommen. Dort feierte sein neuestes Werk Wie es so läuft vor überfüllten Zuschauerrängen seine deutschsprachige Erstaufführung.


 

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