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Solo für Onkel

Manfred Poser wird durch ein fast zeitgenössisches Buch an seine Tage in Hamburg als Rock(kritik)er erinnert

Vor einem deutschen Nationalfeiertag über dieses unser Land schreiben, hier und heute! Ich mache das indirekt: Schreibe über Geschriebenes, indem ich mich über zwei (fast) zeitgenössische Romane auslasse. Da bin ich zufällig hineingeraten.


Die Freimaurer

Manfred Poser schenkt den Brüdern, von denen man so wenig hört, einen Beitrag und hofft, dass es sie noch gibt

Wenn es um Geheimgesellschaften geht, werden immer gern die Freimaurer genannt. Ihr Name leitet sich von den Bauhütten ab, deren Steinmetze jahrhundertelang an den mittelalterlichen Kathedralen wirkten. »Haben nun schon vorher die Hütten auf christliche Ordnung Gewicht gelegt, so muss durch den Eintritt solcher ›Liebhaber des Handwerkes‹ die Tendenz des ›geistigen Bauens‹ noch ganz erheblich verstärkt werden. Fortan bauen die deutschen Hütten nicht nur stolze Münster und himmelanstrebende Dome, es beseelt sie zugleich das Streben, aus Menschenseelen Tempel Gottes zu bauen.« So steht es in dem Buch Stern von Bethlehem. Ursprung, Wesen und Ziel der Freimaurerei (Hünstetten/Taunus 1981), das Texte vom Ende des 19. Jahrhunderts versammelt.


Geheimgesellschaften

Manfred Poser ließ sich von einer Ausstellung nach Frankfurt locken und bricht eine Lanze für Gaßner und Mesmer

Die Ausstellung in der Frankfurter Schirn mit dem Titel Geheimgesellschaften musste ich als erklärter Tifoso des Okkulten sehen. Sie läuft noch bis zum 25. des Monats, und ein wenig Aktualität schadet dieser Kolumne nicht.

Zuvor hatte ich auf 3sat am 17. Juli Teile eines Themenabends mit demselben Titel gesehen. Ich kriegte eine Reportage über die Sonnentempler mit und eine über die Colonia Dignidad in Chile, beides dubiose Sekten, die in den vergangenen 20 Jahren in die Schlagzeilen gerieten. Aber unter Geheimgesellschaften stellt man sich etwas anderes vor. Es gibt wohl eine untergründige Geheimnislust in der Bevölkerung, die auch von der Schwemme schlechter Krimis nicht zureichend gestillt werden kann. Das Fernsehen holt sich dann eben aus dem Archiv, was irgendwie zum ausgerufenen Thema passt. Es waren übrigens unerträglich langatmige, schwerfällige Reportagen.


Über die Opfer

Keine Täter ohne Opfer, an die Manfred Poser nun erinnert, weil sie allzu oft ausgeblendet werden

Aristides de Sousa Mendes (© Verlag Urachhaus)Eine Handvoll nur kam 1945 aus den Nazi-Lagern zurück, verwundert und beschämt über ihr Weiterleben und noch nicht richtig da. Sie liefen herum und blieben Schatten; niemand wollte ihre Geschichten hören. Giorgio Bassani (1916-2000), der Ferrareser Chronist, schrieb über den Mauthausener Rückkehrer Geo Josz, der nach dem Krieg »wie die Pest« gemieden wurde: »Als Memento unbewältigter Vergangenheit wird Geo Josz auf grotesk tragische Weise zum zweiten Mal das Opfer kläglicher Gesinnung einer Gesellschaft, die jeweils den zum Außenseiter abstempelt, der ihre verlogene Selbstgerechtigkeit und feige Indifferenz entlarven konnte.«


Über die Täter

Manfred Poser wundert sich über Nazis, die mit vielen Morden auf dem Gewissen ruhig weiterleben konnten

(Foto: Manfred Poser)Wie habe ich das letzte Mal geschrieben? »Mörder erklärten ihre Morde für nötig.« Man muss zunächst über die Täter sprechen, und so heißt auch ein 2005 erschienenes Buch von Harald Welzer, in dem SS-Männer zu Wort kommen. Die Täter in den Vernichtungslagern wurden in ihrer Mehrheit nicht zur Rechenschaft gezogen, und sie zerbrachen nicht etwa an ihren Untaten, sondern lebten nach dem Krieg ruhig ihren Alltag bis zu ihrem meist natürlichen Tod. Welzer schreibt: »Sie mordeten gewissermaßen nicht als Person, sondern als Träger einer historischen Aufgabe, hinter der ihre persönlichen Bedürfnisse, Gefühle, Widerstände notwendig zurücktreten mussten. Das heißt, sie mordeten mit Hilfe einer subjektiven Distanz von der Rolle, die sie ausführten.«


Nationalsozialistischer Okkultismus?

Manfred Poser über Sektierer und Spinner im Umfeld der braunen Machthaber

(Foto: Gianna Gallina)Schon 1960 waren die ersten Bücher über den angeblichen okkulten Hintergrund der Nazis auf den Markt, etwa Le matin des magiciens von Pauwels/Bergier. Man suchte nach Erklärungen – und fischte im Trüben. Die Vorbereitung meines Beitrags zum Gral und der Religion führte mich zu dem Buch Ecclesia spiritualis von Ernst Benz (1934). Schon die ersten Zeilen der Einleitung sind vielsagend


Die Nazis und der Gral

Manfred Poser folgt noch einmal den Spuren des Grals – und trifft auf einen Irregeleiteten

(Foto: Manfred Poser)Nach zwei Monaten möchte ich noch einmal das Thema des Grals aufgreifen. Sogar die Nazis hatten mit dem Heiligen Gral zu tun; sie ließen nichts aus. Ein junger Wissenschaftler namens Otto Rahn trieb sich um 1932 in den Bergen Südfrankreichs herum und meinte, Hinweise auf die echte Gralsburg gefunden zu haben – auf dem Berg von Montségur. Der Gral sei in den Sabarthès-Höhlen untergekommen. 1934 veröffentlichte er ein Buch darüber, Kreuzzug gegen den Gral. Der Titel verrät Rahns exoterische und soldatische Ausrichtung. Ja, so schrieb ich das. Doch dann fand ich auf der Rückseite eines Blattes eine Passage, die ich aus Rahns Buch abgeschrieben hatte


Heimat, schöne Fremde

Hermann Peter Piwitt liest aus seinen Romanen und Erzählungen

»Es ist ein Skandal!« Das Urteil von Buchhändler Alfred Werner Böttger ist entschieden: Dass der Schriftsteller Hermann Peter Piwitt seit Jahren in die Schublade »Kommunist« gesteckt werde und deshalb im Literaturbetrieb nur eine Nebenrolle spiele, das sei schon ein bemerkenswertes Ärgernis, findet der Bonner Buchhändler. Dabei habe Piwitt in »seinen wunderbaren Romanen« und in »seinen brillanten Essays« die deutsche Zeitgeschichte stets sehr einfühlsam und nicht ohne Ironie begleitet – und das seit fast 50 Jahren. Piwitt, geboren 1935, war Mitglied der Gruppe 47, in den 60er Jahren druckt die FAZ einen Roman Piwitts ab – später freilich nie mehr. Sein Name taucht immer wieder auf im Zusammenhang mit anderen Autoren: Zuletzt gehörte sein Briefwechsel mit dem verstorbenen Nicolas Born zu den Meistbeachteten in der 2007 veröffentlichten Korrespondenz Borns. Ein anderer berühmter Briefwechsel Piwitts mit dem zornigen Pop-Poeten Rolf Dieter Brinkmann ist in dessen Rom. Blicke verewigt.


Über den Fluss und in die Wälder

Manfred Poser traut sich nach Max Frisch nun auch an Ernest Hemingway heran, der vor 50 Jahren starb

(Foto: Paco Cano)Der Artikel über Ernest Hemingway, der dieser Tage vor 50 Jahren aus dem Leben schied, schrieb sich gerade in meinem Kopf, die Sätze mussten schnell aufnotiert werden, und dazu gehörte es sich, dass neben der Tastatur ein Glas mit braunem Rum aus Kuba stand (Havana Club: el Ron de Cuba); das war ich Hemingway schuldig. Diese Zeilen habe ich schon Ende Januar verfasst, es war kalt draußen, und ich dachte an seinen Roman Über den Fluss und in die Wälder (Across the River and into the Trees), der in einem winterlich-verdüsterten Venedig spielt. Der Oberst und das Mädchen – the colonel and the girl.


Widerhall aus der jungen Literaturzeitschriften-Szene

Neun Zeitschriften laden am 18. Juni zum 3. »Treffen Junger Magazine« nach Bonn ein

Treffen Junger Magazine 2011 (Logo)Nach den beiden Treffen in Köln (2007) und Göttingen (2008) geht das Vernetzungsprojekt »Junge Magazine« in die dritte Runde: am 18. Juni 2011. Mit Lesungen, Diskussionen, Präsentationen. Diesmal in Bonn – auf Einladung des neugegründeten Literaturhauses. Redakteure von neun jungen Magazinen werden wieder aus der ganzen Republik zu einem Arbeitssymposium zusammenkommen, um über Möglichkeiten der produktiven Vernetzung zu diskutieren und ihre Arbeit öffentlich vorzustellen


 

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